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Pfad zur Seite:Startseite - Aktuell - Zeitschrift b&w - b&w 2007 - Juni 2007 - Arbeitsschutz

Arbeitsschutz

(b&w 6/07
Seite 7)

„Wenn Schule krank macht!“

Arbeitsschutz: Die GEW fordert eine sofortige Umsetzung der Gesundheitsprävention für alle (!) Lehrer/innen.

Elf Jahre nach Inkrafttreten des Arbeitsschutzgesetzes gibt es beim größten Arbeitgeber des Landes mit 110.000 Beschäftigten, dem Kultusressort, noch immer keinen flächendeckenden Arbeitsschutz. Längst ist belegt, dass Lehrer/innen einen Stressberuf ausüben. Berufsgruppenvergleiche wie der COPSOQ reihen Lehrer/innen z.B. bei emotionalen Anforderungen oder „personal burnout“ in die am höchsten belasteten Berufe ein. Das Erkrankungsrisiko steigt ohne lang angelegte Prävention mit zunehmendem Alter überproportional. 2004 ging jede vierte Lehrkraft wegen Dienstunfähigkeit in Pension, nur jede vierte erreichte die gesetzliche Altergrenze. Mit rund 57 Jahren schieden 2005 dienstunfähige Beamt/innen aus dem Dienst. Höchste Zeit etwas zu ändern! Präventionsmaßnahmen zahlen sich aus: Lehrer/innen bleiben länger gesund, der Staat spart Pensionskosten.

Die Planungen der Landesregierung um die Pension mit 67 sind allerdings unverantwortlich angesichts der fehlenden Gesundheitsprävention in Schulen. Ältere Kolleg/innen werden nicht mehr von den langsam wirkenden Maßnahmen profitieren. Dazu werden die Einstellungschancen junger Lehrkräfte herabgesetzt. Die GEW lehnt die Pension mit 67 ab, begrüßt allerdings Verhandlungen darüber, wie Kolleg/innen länger gesund arbeiten können.

Belastungen durch Lärm und schlecht schallisolierte Schulräume belasten ältere Lehrer/innen besonders. Es fehlen Rückzugsräume an Schulen, der schulische Ablauf mit fehlenden Pausen wird den Erholungsbedürfnissen älterer Kolleg/innen nicht gerecht. Sie leiden trotz großer Erfahrung unter der Hektik des Schulalltags mit ständigen Neuerungen und Überlastung mit Besprechungen. Auch kann man im Unterricht nicht „langsamer“ arbeiten und jede Verlangsamung bei Korrekturen und Vorbereitung führt zur Ausdehnung der ungebundenen Arbeitszeit.

Land muss Streit um Finanzierung endlich beenden

Mit „Bordmitteln“ der Schule allein ist dies nicht zu verändern, da muss die Landesregierung die Rahmenbedingungen verbessern und Schulleitung und Kollegium im veränderten Umgang mit der Arbeit älterer Lehrer/innen unterstützen. Die GEW fordert für ein gesunderhaltendes Arbeiten:


  • Altersermäßigung in den letzten 15 aktiven Jahren.
  • Zusätzliche schulische Ressourcen mit der Vorgabe, diese zum entlastenden Einsatz älterer Kolleg/innen zu verwenden, deren reichhaltige Erfahrung nutzend: Team Teaching, Einsatz in anderen schulischen Arbeitsfeldern (Beratung; Förderung in kleinen Lerngruppen). Dazu müssen Schulleitungen für fürsorgliche Gespräche qualifiziert werden.
  • Bessere Fortbildungsangebote bei bildungspolitischen Veränderungen und neuen schulischen Aufgaben, die insbesondere auf die Lernbedürfnisse älterer Lehrer/innen angelegt sind.
  • Bessere Rahmenbedingungen (kleine Klassen etc.).

Gesundheitsprävention muss bei allen Altersgruppen ansetzen. Schulen müssen endlich Gefährdungsbeurteilungen und Maßnahmen für gesünderes Arbeiten durchführen können. GEW und Hauptpersonalräte haben erreicht, dass die Grundstruktur für ein Gesundheitsmanagement in der Schulverwaltung steht, mit der Leitstelle des Betriebsarztes beim KM, Ansprechpartner/innen in der Schulverwaltung und Ärzt/innen von BAD/IAS.

Inzwischen wurde ein Fragebogen zu Erhebung psychomentaler Belastungen im Landkreis Ludwigsburg getestet und für einsetzbar befunden. Ein Konzept zur flächendeckenden Umsetzung wird den Schulen zur Verfügung gestellt, das die Erarbeitung von Maßnahmen in Arbeitskreisen für Arbeitsschutz ermöglicht und Unterstützungsleistungen durch Ärzte, durch eine Internetplattform, Fortbildungen u.a. sichert.

Belastungen durch Lärm, Feinstaub etc. erfordern sicherheitstechnische Maßnahmen. Hier soll es zwar in Zukunft Listen und Hilfen für die Schulleitungen zur Durchführung eines Sicherheitschecks geben, die Begutachtung durch eine professionelle Fachkraft für Arbeitssicherheit kann dies allerdings nicht ersetzen. Seit elf Jahren weigert sich das Land, die Fachkräfte zu finanzieren und behauptet, dies sei Sache der Schulträger. Das Land sei nur für die „persönlichen Kosten“ der Lehrer/innen zuständig. Die Kommunen wollen die Fachkräfte nicht voll finanzieren. Dieser Streit wird zu Lasten der Lehrer/innen ausgetragen, die vor Ort keine sachkundige Unterstützung haben – ein Skandal für einen so großen Arbeitgeber!

Die GEW fordert das Land auf, die Fachkräfte für Arbeitssicherheit zu stellen und die finanzielle Einigung mit den kommunalen Trägern unabhängig davon endlich zu klären. Im Landeshaushalt 2007 stehen 1,3 Mio. Euro zur Verfügung. Zu wenig für eine flächendeckende Umsetzung, da die Summe sich nur an den Vorschriften der Unfallkasse für Betriebsärzte orientiert. Will die Landesregierung tatsächlich erreichen, dass Lehrer/innen länger gesund im Dienst bleiben, muss sie finanziell in Vorleistung gehen.
Barbara Haas

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