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 | (b&w 4/10 Seite 32)
Mehr Infos unter: www.gew-bw.de/ Arbeitsplatz_Berufliche_ Schulen.html
| Unterrichtsdefizit unverändert hoch
Berufliche Schulen: Eine Landtagsanfrage der SPD bestätigt das strukturelle Unterrichtsdefizit. Will das Kultusministerium (KM ) dies aussitzen?
Eine Landtagsanfrage des SPD-Abgeordneten Kaufmann bestätigt nun, was der Landesfachgruppenausschuss Berufliche Schulen der GEW, aber auch viele Kolleg/innen erwartet haben: Das strukturelle Unterrichtsdefizit (Unterrichtsausfall aufgrund fehlender Lehrerstellen) an den beruflichen Schulen hat sich im laufenden Schuljahr gegenüber dem vergangenen Schuljahr kaum verändert und ist nach wie vor unakzeptabel hoch.
Nach Angaben des KM (Landtagsdrucksache 14/5824) fallen landesweit jede Woche im Schuljahr 2009/10 18.721 Unterrichtsstunden aus (Vorjahr: 19.047). Dies entspricht rechnerisch einem Defizit von 749 Deputaten (Vorjahr 761 Deputate). Die Quote des Unterrichtsausfalls beläuft sich auf 4,5 Prozent nach 4,6 Prozent im Schuljahr zuvor.
Das Defizit verteilt sich regional sehr unterschiedlich. Am niedrigsten ist es im Regierungsbezirk Freiburg mit 3,4 Prozent (Vorjahr 3,8 Prozent). Am höchsten ist es im Regierungsbezirk Karlsruhe mit 6,2 Prozent (Vorjahr 6,1 Prozent). Bemerkenswert ist, dass das Defizit im RP Karlsruhe, das bereits im vergangenen Schuljahr am höchsten war, im laufenden Schuljahr weiter angewachsen ist: Im vergangen Schuljahr fehlten dort 256 Deputate, im laufenden Schuljahr sind es 266. Angaben über die Bugwellenstunden (angehäufte Mehrarbeitstunden) macht das KM nicht. Die letzten Zahlen dazu stammen aus dem Jahr 2008. Damals betrugen sie ca. 18.000 Stunden (750 Deputate). Angesichts der jüngsten Entwicklung ist nicht davon auszugehen, dass Bugwellenstunden abgebaut wurden.
Den aktuellen Stundenausfall an den beruflichen Schulen erfasst das KM nur anhand einer Stichprobe in der 47. Kalenderwoche. Sie ergab, dass Lehrkräfte im Umfang von 8 Prozent der Pflichtunterrichtsstunden abwesend waren (Krankheit, Fortbildung etc.), 4,4 Prozent wurde vertreten, 3,6 Prozent der Stunden fielen aus.
Auf die Frage, was die Landesregierung gegen das Unterrichtsdefizit tun will, antwortet das KM: „Das Kultusministerium strebt auf mittlere Sicht im Rahmen der verfügbaren Gesamtressourcen einen Abbau des Unterrichtsausfalls und der Bugwelle an den beruflichen Schulen an. Nach der aktuellen Schülerzahlprognose des Statistischen Landesamts von 2010 wird die Schülerzahl an den öffentlichen beruflichen Schulen in den nächsten Jahren zurückgehen. Trotzdem werden nach Entscheidung der Landesregierung in dieser Legislaturperiode alle rechnerisch aus dem Schülerrückgang frei werdenden Stellen an den beruflichen Schulen verbleiben. Über ggf. erforderliche Nachsteuerungen wird flexibel entsprechend der weiteren Entwicklung entschieden.“
Dass an den beruflichen Schulen alle freiwerdenden Stellen wieder besetzt werden, ist angesichts des hohen Unterrichtsausfalls eine absolute Selbstverständlichkeit. Die GEW fordert, dass auch bei möglicherweise sinkenden Schülerzahlen alle Stellen im Bereich der beruflichen Schulen verbleiben müssen und dass keine Deputate in andere Bereiche des Schulsystems verlagert werden, wie es 2008/09 geplant war. Dass das KM den Unterrichtsausfall und die Bugwelle lediglich auf mittlere Sicht abbauen will, ist völlig inakzeptabel. Das KM will das strukturelle Defizit und die Bugwelle schlicht „aussitzen“. Man will darauf warten, dass sich das Problem durch sinkende Schüler/innenzahlen quasi „von alleine“ löst. Aber Unterrichtsausfall geht zu Lasten der Qualität der Ausbildung und Dauerbugwellenstunden sind nicht mit dem Arbeits- und Gesundheitsschutz der Lehrer/innen vereinbar. Die GEW bleibt deshalb bei ihrer Forderung nach 1.500 zusätzlichen Stellen für die beruflichen Schulen.
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