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Editorial April

(b&w 4/07
Seite 3
Editorial)



Ich bin dann mal weg!

Liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Leserin, lieber Leser,



in den letzten Wochen und Monaten bin ich oft gefragt worden, warum ich bei der GEW jetzt aufhöre und bei der Landesdelegiertenversammlung in Heilbronn nicht mehr für den Landesvorsitz kandidiere. Ich sei schließlich noch nicht so alt und überhaupt.

Meine Antwort darauf lässt sich in drei Punkten zusammenfassen:

  1. Siebzehn Jahre Landesvorsitz in einem so großen Landesverband sind genug. Ich habe mich in all diesen Jahren nicht geschont, war unendlich viel unterwegs und glaube, dass es jetzt Zeit ist, etwas kürzer zu treten und das Private stärker in den Mittelpunkt zu stellen. Ich freue mich darauf, über meine Wochenenden künftig ganz allein bestimmen zu können – ohne Zwänge und ohne Termindruck.
  2. Es gibt viele Menschen, die den richtigen Zeitpunkt zum Aufhören verpassen. Dazu möchte ich nicht gehören. Deshalb bin ich überzeugt davon, dass meine Entscheidung richtig ist. Mit Doro Moritz steht eine Kandidatin für meine Nachfolge zur Verfügung, die genau im richtigen Alter ist, diese Aufgabe zu übernehmen, um mit den von der Landesdelegiertenversammlung neu bzw. wieder zu wählenden Kolleginnen und Kollegen des Vorstandes gemeinsam neue Akzente zu setzen und neue Ideen zu entwickeln.
    Mit mir scheidet unser langjähriger Geschäftsführer Jürgen Borstendorfer aus; der Landesvorstand hat in seiner Sitzung am 5. April unseren Pressereferenten Matthias Schneider zu seinem Nachfolger bestellt. Auch dieser personelle Wechsel stellt nicht nur einen gravierenden Einschnitt, sondern gleichzeitig auch eine große Chance für künftige Veränderungen und neue Schwerpunktsetzungen dar.
  3. Die GEW Baden-Württemberg ist gut aufgestellt. Wir haben seit über zehn Jahren einen stabilen Mitgliederzuwachs – von 1995 bis heute ist die Zahl unserer Mitglieder von 32.156 auf 44.000 gestiegen. Das ist – auch im bundesweiten Vergleich – eine sensationelle Entwicklung. Seit einigen Wochen sind wir der größte Landesverband in der Republik und haben Nordrhein-Westfalen überholt.

Eine solch positive Entwicklung kommt nicht von ungefähr. Dafür haben wir gemeinsam viel und hart gearbeitet – durch eine solide Politik, durch konsequente und kompetente Interessenvertretung und durch große Anstrengungen bei der Gewinnung neuer und bei der Bindung älterer Mitglieder. Erfolgreiche GEW-Arbeit ist nur dann möglich, wenn haupt- und ehrenamtliche Kolleginnen und Kollegen aller Bereiche und Ebenen gut und konstruktiv zusammenarbeiten. Das haben wir gemeinsam geschafft.

Gerade weil ich gerne GEW-Landesvorsitzender war und von dieser Arbeit auch persönlich viel profitiert habe, werde ich einiges vermissen – meine hauptamtlichen Kolleginnen und Kollegen in den GEW-Geschäftsstellen, die vielen, manchmal auch hitzigen Diskussionen mit unseren Mitgliedern, die Zusammenarbeit mit den Kolleginnen und Kollegen des geschäftsführenden Vorstandes und des Landesvorstandes, die Arbeit im DGB und auf Bundesebene und natürlich die vielen Begegnungen außerhalb von Sitzungen und Tagesordnungen – bei einem Glas Wein an der Hotelbar oder bei einem guten Essen.

In diesem Sinne danke ich allen, die mich in den letzten siebzehn Jahren begleitet, die mich unterstützt, aber auch kritisiert haben. Der GEW Baden-Württemberg wünsche ich für die Zukunft das notwendige Selbstbewusstsein, die unverzichtbare Nähe zu unseren Mitgliedern und den kämpferischen Geist, denn ohne diese Eigenschaften sind Gewerkschaftsarbeit und Durchsetzung gewerkschaftlicher Ziele nicht möglich.

Mit kollegialen Grüßen
Ihr
Rainer Dahlem

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