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 | (b&w 1-2/09 Seite 3)

| Lohn- und Gehaltserhöhungen müssen wir uns gemeinsam holen!
Liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Leserin, lieber Leser,
so wie das alte Jahr endete, begann das neue: Bankenkrise, Absatzeinbrüche bei den Autobauern und Probleme bei den Zulieferbetrieben, große Flaute bei der Binnenkonjunktur. Unternehmen und Großaktionäre verbreiten Weltuntergangsstimmung. Bundes- und Landesregierung reagieren mit Riesenkrediten für Banken und Konjunkturprogrammen im dreistelligen Milliardenbereich. Staatliche Gelder sollen u.a. Investitionen in Sanierung und Neubau öffentlicher Gebäude ermöglichen. Sie sollen Unternehmen in die Lage versetzen, Arbeitsplätze zu schaffen. Investitionen in Personal im öffentlichen Dienst, in Personal im Bildungsbereich schließen die Konjunkturprogramme ausdrücklich aus.
Die, die Arbeit haben, lassen sich vom Krisenklima anstecken: Muss ich froh sein, dass ich überhaupt Arbeit habe und darf deshalb über Lohn- und Gehaltserhöhung überhaupt nicht nachdenken?
In dieser Situation finden die Tarifverhandlungen für die Beschäftigten der Länder statt. Angesichts der konjunkturellen Szenarien bezeichnet die Arbeitgeberseite die Forderung der Gewerkschaften nach einer achtprozentigen Gehaltserhöhung als Utopie. Dabei liefert uns die Gehaltsentwicklung der vergangenen Jahre beste Argumente.
Wir machen als Gewerkschaften, als GEW-Funktionär/innen, als GEW-Mitglieder, eine klare Ansage: Wir müssen gemeinsam deutlich machen, dass der Tarifabschluss und seine Übertragung auf die Beamt/innen ein Konjunkturprogramm zur Stärkung der Binnennachfrage ist. 7 Milliarden umfasst das Forderungsvolumen der Gewerkschaften. Im Vergleich zu den staatlichen Stützungs- und Konjunkturprogrammen sind das Peanuts. Nur die Angestellten werden zu Warnstreiks aufgerufen. Ich appelliere aber an Sie alle, egal ob Angestellte, Beamt/innen, Anwärter/innen und Referendar/innen, egal ob Mitglied oder nicht: Kommen Sie zu den drei landesweiten Warnstreik-Kundgebungen der GEW (weitere Infos unter www.gew-bw.de):
- Freiburg, 9. Februar
- Karlsruhe, 12. Februar
- Stuttgart, 13. Februar
Welche Zahl am Ende vor dem Komma des Tarifabschlusses steht, weiß ich nicht. Aber es ist so, dass diese Zahl von der Bereitschaft der Beschäftigten abhängt, für ihre Forderungen einzutreten.
Ich hoffe, dass Selbstbewusstsein und Solidarität das Handeln und die Stimmung in den Lehrerzimmern bestimmen. Das wünsche ich mir nicht nur für die Tarif- und Besoldungsrunde. Das wünsche ich mir auch für alltägliche Anlässe, bei denen Kolleg/innen aufgrund schlechter Erfahrungen, aus Resignation oder aus anderen Gründen ihre Meinung nicht (mehr) äußern, nicht (mehr) Position beziehen. Immer dann, wenn es um schlechte Arbeitsbedingungen geht, wenn der kollegiale Umgang nicht durch Wertschätzung gekennzeichnet ist, wenn Vorgesetzte oder Kolleg/innen Entscheidungen treffen und Aussagen machen, die wir für falsch halten, wenn wir mit bildungspolitischen Entscheidungen konfrontiert sind, die die Zukunftschancen von Kindern und Jugendlichen nicht verbessern, sondern nur öffentlichkeitswirksame Aktionen sind, immer dann wünsche ich mir, dass demokratische, mündige Bürgerinnen und Bürger den Mund aufmachen. Auch wenn sich dadurch nicht sofort etwas verändert.
Wenn wir mit diesem Vorsatz durch das Jahr 2009 gehen, werden wir nicht nur jeden Morgen in den Spiegel schauen können, sondern auch mit kleinen Schritten zur Veränderung unserer Kultur und unserer Arbeitsbedingungen beitragen. Beginnen wir bei der Tarif- und Besoldungsrunde mit der Umsetzung dieses Vorsatzes. Ich hoffe, wir sehen uns am 9., 12. und 13. Februar!
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