|  |
 | (b&w 1/2-10 Seite 3 Editorial)

| Pädagogische Verbesserungen statt Stellenabbau
Liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Leserin, lieber Leser,
der oberste Haushälter des Landes, Finanzminister Stächele, will sparen und dafür in den Personalhaushalt des Kultusministeriums greifen. Dort sieht er aufgrund des großen Finanzvolumens beträchtliches Einsparpotenzial. Bereits zum zweiten Mal in den vergangenen Monaten preschte er mit seinen Überlegungen unabgestimmt in die Öffentlichkeit und besetzte das Feld.
Nach vernichtender Kritik wegen 2,5 Milliarden neuer Schulden und keinerlei Sparvorschlägen im Entwurf des Landeshaushalts für 2010 sah sich der Finanzminister gezwungen, in die Offensive zu gehen. Er fordert den Abbau von Lehrerstellen bei den bis 2030 zurückgehenden Schülerzahlen. Noch-Ministerpräsident Günther Oettinger und Ministerpräsident in spe Stefan Mappus konnten den Vorstoß nicht verhindern. Seit Monaten ist die Landesspitze nur eingeschränkt handlungsfähig. Zwei halbe Ministerpräsidenten ergeben eben in der Summe doch nicht einen ganzen Landeschef, auch wenn das nach Adam Riese so sein müsste.
Bereits im Vorfeld der Erstellung des Haushaltsplans hatte der Finanzminister die Klassenteilersenkung auf 28 Schüler/innen in Frage gestellt, die als Bestandteil der Qualitätsoffensive Bildung von der Landesregierung 2008 beschlossen wurde. Davon musste er wieder Abstand nehmen. Jetzt wirft er den Abbau von Lehrerstellen in den Ring, den er für zwangsläufig hält: weniger Schüler/innen brauchen weniger Lehrer/innen. So einfach ist es aber nicht. Schließlich wurden in Zeiten steigender Schülerzahlen die Lehrerstellen nicht proportional vermehrt. Außerdem ist die Qualität der schulischen Bildung im Kinderland durchaus entwicklungsfähig. Schule ist Spiegelbild der Gesellschaft. Die veränderte Kindheit und Jugend, der schwieriger gewordene Weg ins Berufsleben und die vielfach fehlende Berufsperspektive erfordern Antworten. Wer die Entwicklung von Schüler/innen individuell fördern will, muss die Klassen kleiner machen, muss Ganztagsschulen ausbauen. Bei der durchschnittlichen Klassengröße in der Grundschule liegt das „Kinderland“ im Ländervergleich auf dem drittletzten Platz, gleichzeitig ist der Förderunterricht weiterhin nicht im Pflichtunterricht abgesichert. Eine Liste gravierender Defizite lässt sich für alle weiterführenden und die beruflichen Schulen aufstellen.
Finger weg von Lehrerstellen
Die nächsten Jahre werden in der ganzen Republik von steigendem Lehrermangel bestimmt sein. Die Forderung Lehrerstellen zu streichen, ist das völlig falsche Signal an die Adresse potentieller Lehramtsstudent/innen.
Nächstes Jahr sind Landtagswahlen. Die Bildungspolitik des Landes steht massiv in der Kritik. Der Finanzminister argumentiert, das Land müsse im Interesse künftiger Generationen Schulden abbauen und erhält ausgerechnet von der Jungen Union dafür Beifall. Was aber nützt es künftigen Generationen, wenn die Sparmaßnahmen im Landeshaushalt Chancengleichheit verhindern und damit Zukunftschancen vieler junger Menschen blockieren? Wenn dieser gesellschaftliche Sprengstoff nicht beseitigt wird, wird die Haushaltssituation des Landes von untergeordneter Bedeutung sein. Es ist keine gute Perspektive, aus einem sanierten Haushalt Gefängnisplätze und Polizisten statt Lehrerstellen zu finanzieren. Ich erwarte vom künftigen Ministerpräsidenten, dass er die Bildungspolitik zukunftsfähig macht.
Fest steht: Wer Steuergeschenke an Reiche, Erben und Hoteliers beschließt, deren konjunkturelle Wirkung völlig ungewiss ist, kann nicht dauernd das Jammerlied der leeren öffentlichen Kassen singen. Der Schülerrückgang muss für pädagogische Verbesserungen genutzt werden.
| | |
|
 |  |  |  |  |  |  |