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Editorial September

(b&w 9/07
Seite 3
Editorial)



Ein durchwachsener Start ins neue Schuljahr

Liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Leserin, lieber Leser,
„Alles halb so schlimm“, lautet die Botschaft des Kultusministers zu Beginn des neuen Schuljahres. Entgegen der „Schwarzmalerei“ der GEW habe sich die Einstellungssituation inzwischen deutlich verbessert, nachdem im Kultusministerium an der einen oder anderen Stelle noch einige (hundert) Stellen ausgegraben worden sind.

Da ist von weiteren Einstellungsmöglichkeiten nach der Swing-Auswertung und davon die Rede, dass weitere Mittel für Krankheits- und Elternzeitvertretungen freigegeben worden seien. Schließlich hat sich der Kultusminister zum Schuljahresbeginn auch dafür stark gemacht, dass die gesperrten Stellen alle wieder freigegeben und besetzt werden sollen. Angesichts der steigenden Steuereinnahmen müsse das Kultusministerium künftig keinen Sparbeitrag mehr erbringen.

So gesehen waren unsere Proteste zum Ende des Schuljahres wenigstens teilweise erfolgreich.
An zwei Fakten aber kommt die Landesregierung nicht vorbei:

  • Das Land Baden-Württemberg schaut tatenlos zu, wie junge Lehrerinnen und Lehrer, die hier ausgebildet worden sind, sehr gute Abschlüsse vorzuweisen haben und an den Schulen dringend gebraucht würden, in andere Bundesländer oder die Schweiz abwandern.
  • Das diesjährige Einstellungsverfahren war alles andere als transparent und für die Öffentlichkeit und die Betroffenen nachvollziehbar.
    Das Kultusministerium scheint nicht in der Lage zu sein, die Zahl so aufzubereiten, dass sie problemlos nachvollzogen werden können. In dem Durcheinander von gesperrten Stellen, von denen einige dann doch wieder frei gegeben worden sind, von Swing, Schöpf und anderen Mitteln hat man gelegentlich den Eindruck, dass niemand mehr wirklich durchblickt. Kein Wunder also, dass die Unruhe bei den Betroffenen, bei Eltern und an den Schulen groß ist.

Alles halb so schlimm? – Tatsache ist, dass die Klassen voller werden, die Unterrichtsversorgung sich verschlechtert und die Spielräume der Schulen für Ergänzungs- und Fördermaßnahmen noch enger werden.

Die GEW hat die Landesregierung zu Beginn des Schuljahres aufgefordert, die Einstellungszahlen künftig so transparent aufzubereiten, dass nachvollzogen werden kann, woher welche Stellen kommen und wie viele es sind.
Genau so wichtig aber ist, dass die Personalentwicklung endlich über einen längeren Zeitraum hinweg verlässlich geplant wird. Dies ist insbesondere im Interesse der jungen Lehrerinnen und Lehrer notwendig. Ein Chaos wie in diesem Jahr darf es nicht mehr geben.

Es gibt aber auch eine erfreuliche Nachricht zum Schuljahresbeginn: Das Kultusministerium bereitet zurzeit das Verfahren zur Rückgabe der Vorgriffsstunde vor. Dass sich die Landesregierung an ihre Zusage hält, ist eigentlich eine Selbstverständlichkeit; was uns freut ist, dass das Kultusministerium – nicht ganz uneigennützig – eine flexible Rückgabe der Vorgriffsstunde zulässt und die Lehrerinnen und Lehrer selbst entscheiden können, wann und wie sie die bereits geleisteten Mehrarbeitsstunden zurückerstattet bekommen.

Noch etwas Positives gibt es zu berichten: Das Kultusministerium hat sich endlich dazu durchgerungen, den Realschullehrer Michael Csaszkóczy in den Schuldienst einzustellen. Und damit das Urteil des VGH Mannheim zu akzeptieren. Damit kann dieser Berufsverbotsfall hoffentlich endgültig zu den Akten gelegt werden. Der Einsatz hat sich also gelohnt.

In diesem Sinne wünsche ich allen Kolleginnen und Kollegen einen guten Start ins neue Schuljahr.


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