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 | (b&w 6/07 Seite 24)
| Ganztagsschule – Wünsche, Erwartungen und Wirklichkeit
Inzwischen hat es sich herumgesprochen: Schüler/innen, die eine Ganztagsschule besuchen, sind in vielen Fällen zufriedener und lernen besser. Sie haben für den gleichen Stoff mehr Zeit. Mehr Zeit in der Schule und damit mehr Gelassenheit und Aufmerksamkeit. Kinder und Jugendliche sehen im Schnitt bis zu drei Stunden täglich weniger fern. Kinder und Jugendliche aus angespannten Familiensituationen werden entlastet, was sich auf deren Konzentrationsfähigkeit günstig auswirkt. Feste Lern- und Übungszeiten sind im Schultag eingebaut und individuelle Förderung kann verwirklicht werden.
Doch was braucht eine Ganztagesschule um erfolgreich zu sein? Die wichtigste Voraussetzung ist eine gute Ausstattung mit Lehrerstunden für professionelles Arbeiten.
Eine Klasse, die den ganzen Tag an der Schule betreut werden soll, bekommt pro Tag umgerechnet 56 Minuten mehr Zeit mit einer Lehrkraft als eine Klasse an einer Halbtagsschule. Denn das Kontingent an Lehrerstunden für die Ganztagesbetreuung wurde von 9 Lehrerzusatzstunden auf 5 Stunden pro Klasse gekürzt. Mehr stellt das Kultusministerium nicht länger zur Verfügung. Schon bei einem flüchtigen Blick in den schulischen Zeitplan einer gebundenen Ganztagsschule zeigt sich, dass die 56 Minuten allein von Scharnier- und Betreuungszeiten geschluckt werden (zusätzliche Aufsichtszeiten, offener Unterrichtsbeginn, Bewegungspause, Klassenlehrerstunde, Klassenversammlung).
Wie sollen so die Schüler/innen gefördert und gefordert werden? Wie soll es so möglich sein, unterschiedliche Bildungsangebote zu machen? Wie können so Klassenverbände aufgelöst werden, um mit kleinen Gruppen intensiver arbeiten zu können?
Ganztagsschulen müssen definierte Angebotszeiten haben. In der Presse war zu lesen, dafür könne man die Pausen zu verlängern. Soll das ein ernsthafter Lösungsvorschlag sein? Zwar kann so Lehrerarbeitszeit eingespart und der Unterrichtstag verlängert werden. Ein sinnvolles pädagogisches Ganztagsangebot sieht anders aus.
„Jugendbegleiter an die Schulen!“ Das ist ein weiteres Zauberwort. Bei den Jugendbegleiter/innen gibt es engagierte Mitbürger/innen, die ihr Wissen und ihre Erfahrung auf unterschiedlichen Gebieten weitergeben möchten. Nur drängen sich hier verschiedene Fragen auf:
- Haben die Jugendbegleiter/innen dann Zeit, wenn Schule stattfindet?
- Gibt es genug Jugendbegleiter, um ihr Angebot in kleinen Gruppen anzubieten?
- Gibt es genug Jugendbegleiter/innen mit vielfältigen Angeboten, um die Ganztagesschule dauerhaft zu sichern?
- Und vor allem: sind Jugendbegleiter/innen ausreichend für die pädagogische Aufgabe qualifiziert?
Wie soll Ganztagesschule unter diesen Bedingungen die an sie gestellten Erwartungen erfüllen können?
Brigitte Friedrich-Wittig
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