|
Aktuell Zeitschrift b&w b&w 2008 April 2008 Gesundheitsschutz | ||||||
| Gesundheitsschutz | ||||||
| (b&w 4/08 Seite 23) Weitere Infos unter: www.gew-bw.de/ Arbeits-_und_ Gesundheitsschutz.html | Ein erster Schritt zu mehr Lehrergesundheit?! Gesundheitsschutz: Arbeitsgruppe empfiehlt der Landesregierung Maßnahmen zum Erhalt der Dienstfähigkeit. Zum ersten Mal hat sich eine AG im Kultusministerium unter Mitwirken der GEW mit der Gesundheitsprävention von Lehrerkräften befasst und ein Maßnahmenpaket im Umfang von 4,2 Millionen Euro zusammengestellt. Die Verhandlungen der GEW um den Erhalt der Altersermäßigung machten diese Arbeit erst möglich. Die Vorschläge wurden Ende Januar 2008 Ministerpräsident Oettinger vorgelegt. Die Vorschläge sollen in die Dienstrechtsreform einfließen. Befürchtungen, dass sie dort untergehen könnten, sind nicht unberechtigt. Das Maßnahmenpaket ist ein Kompromiss zwischen den Vorschlägen von Kultusministerium, GEW und Beamtenbund. Voran ging eine intensive Bestandsaufnahme. Der AG wurde schnell klar, dass den Beschäftigten in jeder Lebensphase Gesundheitsprävention und -erhalt ermöglicht werden muss. Dazu sind Veränderungen im System notwendig. In keinem Großbetrieb engagieren sich die Träger der Krankenkosten (Beihilfe und private Krankenversicherung) in der Gesundheitsprävention so wenig wie bei Lehrkräften – nämlich überhaupt nicht. Das Pensionierungsalter von Lehrer/innen lag 2006 bei 62,5 Jahren. Nur 26,8 Prozent gehen mit der gesetzlichen Altersgrenze in den Ruhestand. Die mit Abschlägen verbundene Antragsaltersgrenze nehmen 53,8 Prozent in Anspruch, wegen Dienstunfähigkeit gehen 19,4 Prozent vorzeitig in Ruhestand. Viele Kolleg/innen erkaufen sich den früheren Ausstieg mit Freistellungsjahren und Beurlaubungen. Der Anteil der Schwerbehinderten steigt über 50 Jahren deutlich an. Es fehlt an arbeitsplatzbezogenen Präventionsangeboten und an ambulanten und stationären Maßnahmen in Reha-Einrichtungen. Höchste Zeit, etwas zu tun! Das Maßnahmenpaket enthält erste Schritte für eine wirksame Gesundheitsprävention. Verbesserungen der Rahmenbedingungen waren nicht Auftrag der AG. So bleibt es Sache der GEW diese einzufordern: Reduzierung der Klassengrößen, Erhöhung von Anrechnungsstunden für besondere Aufgaben und bildungspolitische Reformen, keine Anhebung der Lebensarbeitszeit! Es gelang den GEW-Vertreter/innen verschiedene Projekte einzubringen: In der Lehrerausbildung sollen Möglichkeiten der Reflexion der Berufsrolle mit professioneller Begleitung geschaffen werden. Mit Fortbildung dem Burnout entgegenwirken Das „Freiburger Modell“ (Beziehungscoaching von Prof. Bauer) soll auf seine Wirksamkeit getestet werden. Für die Berufseingangsphase soll das bestehende Fortbildungskonzept auf 20 Prozent jedes Jahrgangs ausgeweitet und seine Wirksamkeit evaluiert werden. Angebote ab dem 10. Berufsjahr sollen Burnouttendenzen entgegenwirken. Empfohlen wird dafür eine Fortbildung in Anlehnung an das bewährte „Konstanzer Trainingsmodell“ für 20 Prozent jeden Einstellungsjahrgangs. Für Lehrkräfte über 50 Jahren greifen präventive Maßnahmen nicht mehr wie bei Jüngeren. Hier geht es um den Erhalt der Arbeitsfähigkeit durch individuelle Altersermäßigung und entlastenden Einsatz im Schulbetrieb. Ein Erfolg der GEW: Die Altersermäßigung konnte für alle Lehrkräfte ab 58 Jahren gerettet werden. Die GEW machte außerdem den Vorschlag, Lehrer/innen, die aus gesundheitlichen Gründen Teilzeit wählen durch eine bessere finanzielle Absicherung (analog zur Altersteilzeit) einen flexiblen Ausstieg aus dem Berufsleben zu ermöglichen. Daraus wurde in der AG die Empfehlung, die vorzeitige Inanspruchnahme der Pension in Form eines Altersgeldes als Ergänzung der Besoldung zu prüfen. Es soll auch die Einführung eines befristeten Arbeitszeitkontos geprüft werden. Einen zusätzlichen Pool für die Schulen zum flexiblen Einsatz älterer Lehrkräfte z.B. in Teamteaching, Förderangeboten, Trainingsraum etc. haben die anderen Mitglieder der AG nicht zugestimmt. Die Umsetzung des Arbeitsschutzes muss konkret unterstützt werden: Hier spricht sich die AG für Fachberater/innen für Gesundheitsschutz und Gesundheitsmoderator/innen aus. Auf Vorschlag des KM sollen die Suchtbeauftragten bei den Regierungspräsidien dazu ausgebildet werden. Auswertungsworkshops zur Gefährdungsbeurteilung sollen 60 Schulen angeboten werden, Interventionsprojekte im Anschluss durchgeführt werden und gezieltes Stimmtraining angeboten werden. Die Frage der Finanzierung der Fachkräfte für Arbeitssicherheit soll gelöst werden und bei Schulbaumaßnahmen sollen Fragen des Arbeitsschutzes besonders berücksichtigt werden. Schulleiter/innen haben beim Erhalt der Arbeitsmotivation und Arbeitsfähigkeit eine tragende Rolle. Daher schlägt die AG 30 zusätzliche Akademiekurse zur Stärkung der Führungspersönlichkeit unter Einbeziehung des Arbeits- und Gesundheitsschutzes vor sowie 75 Kurse für Schulleitungsteams. Sie empfiehlt die notwendige Leitungszeit zur Verfügung zu stellen. Die Landesregierung muss sich daran messen lassen, was ihr die Gesundheit der Lehrerinnen und Lehrer wert ist. Sie muss endlich handeln! Die GEW fordert den Ministerpräsidenten auf, in Vorleistung zu gehen und mindestens die Hälfte des durch das Hinausschieben des tatsächlichen Eintritts in den Ruhestand gewonnenen Geldes für Maßnahmen der Lehrergesundheit einzusetzen. Barbara Haas stellv. Landesvorsitzende | |||||