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| Gut ausgebildete Lehrer/innen gebraucht!
Grundschule: Die GEW kämpft für ein längeres Grundschulstudium. Auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Grundschulverband und Landeselternbeirat warb Doro Moritz für eine gleich lange und gleichwertige Ausbildung der Grundschullehrer/innen.
„Weniger ist mehr!“ Nach diesem Sprichwort will die Landesregierung die Lehrerbildung neu ordnen. Für Grundschullehrer/innen reiche ein Semester weniger, so der Denkansatz der Zukunftsplaner in Stuttgart. Für das Haupt- und Realschullehramt sollen es künftig acht Semester sein, für das Grundschullehramt nur sieben. Derzeit studieren Grund- und Hauptschullehrer/innen für das Verbundlehramt sechs Semester, dazu kommt das Prüfungssemester. Sinn macht die Trennung der Lehrämter und eine stärker schulartspezifische Ausbildung durchaus. Aber eine schlüssige Begründung für die geplante Abwertung der Grundschule konnte bisher niemand liefern. Die mitregierende FDP hat sich inzwischen für acht Semester ausgesprochen, doch die CDU eiere beim achten Semester für das Grundschullehramt noch herum, so Moritz. Darum traten GEW, Grundschulverband und Landeselternbeirat gemeinsam vor die Landespresse, um eine qualifizierte Ausbildung der künftigen Grundschullehrer/innen einzufordern.
Anspruchsvolle Arbeit mit hoher Qualifizierung
„Niemand käme auf die Idee, von einem Kinderarzt eine niedrigere Qualifikation zu erwarten als von einem anderen Facharzt, nur weil er Kinder behandelt“, sagte die GEW-Landesvorsitzende Doro Moritz bei der Landespressekonferenz. Die anstehende Entscheidung dürfe nur zugunsten von acht Semestern für das Grundschulstudium fallen. Andernfalls isoliere sich das Land bundesweit in der Lehrerausbildung. Wer mit der „Qualitätsoffensive Bildung“ werbe, müsse Ernst machen mit Qualität in der Lehrerausbildung. „Die Qualifizierung für die Arbeit mit kleinen Kindern ist genauso anspruchsvoll wie die Arbeit mit größeren. Nur wenn bestqualifizierte Lehrerinnen und Lehrer in der Grundschule die Basis für das lebenslange Lernen legen und allen Kindern gleiche Bildungschancen geben, kann die Qualität der Schule in der Sekundarstufe das optimale Niveau erreichen“, so die GEW-Landesvorsitzende in ihrem Statement. Sie verwies auf andere Bundesländer, die sich genau aus diesen Gründen für ein längeres Grundschulstudium mit acht bis zehn Semestern entschieden hätten. Auch die Frage, ob sich Männer überhaupt noch für das Lehramt Grundschule entschließen, werde ganz wesentlich von der künftigen Studienstruktur abhängen.
KMK forderte 10 Semester
„Kinder in einer Grundschulklasse liegen in ihrer Entwicklung drei bis vier Jahre auseinander“, argumentierte Erika Brinkmann. Die Professorin von der Pädagogischen Hochschule Schwäbisch Gmünd setzt sich im Vorstand des Grundschulverbands für eine bessere Ausbildung der Grundschullehrer/innen ein. Schon zu Schulbeginn seien die Kenntnisse und Fähigkeiten der Kinder höchst unterschiedlich: Die einen kennen noch keinen Buchstaben und könnten sich kaum auf Deutsch verständigen, während andere schon lesen. Diese Vielfalt der Kinder erfordere einen differenzierten Unterricht, der weder überfordern noch unterfordern dürfe, sondern alle Kinder zu ihren individuell bestmöglichen Leistungen herausfordern müsse. Dafür brauche es bestens ausgebildete Lehrer/innen und ein professionelles und gründliches Studium. Brinkmann erinnerte an die KMK-Standards für die wissenschaftliche Ausbildung im Lehramtsstudium. „Für die Qualität des Schulunterrichts ist die Lehrerbildung von wesentlicher Bedeutung“, habe es bereits 2004 in dieser Vereinbarung der Kultusministerkonferenz geheißen. Darin werde ein zehnsemestriges Studium an Universitäten bzw. wissenschaftlichen Hochschulen für alle(!) Lehrämter gefordert. Baden Württemberg werde, wenn es seine Pläne nicht ändere, das bundesweite Schlusslicht der Lehrerbildung sein. „Sollte ausgerechnet das ‘Kinderland Baden-Württemberg’ dem Stellenwert der Bildung für seine Grundschulkinder weniger Wert beimessen?“, so die aufrüttelnde Frage der engagierten Hochschullehrerin.
LEB: Ganzheitlich gebildeter Mensch mit Weltwissen
Aktuelle Brisanz bekam die Landespressekonferenz mit dem Auftritt von Christiane Staab. Aus Elternsicht trug sie die Anforderungen an eine moderne Lehrerausbildung vor. Wenige Tage zuvor hatte die Vorsitzende des Landeselternbeirats mit ihrer Rücktrittsankündigung für bundesweite Schlagzeilen gesorgt. Der professionelle Umgang mit der Heterogenität der Menschen sei in einer pluralen Gesellschaft der Schlüssel zum Lernerfolg. Binnendifferenzierendes Unterrichten werde heute angesichts der Unterschiedlichkeiten in den Lernvoraussetzungen der einzelnen Kinder wichtiger denn je. „Lehrer, die diese Differenzierungsarbeit nicht beherrschen, unterrichten Fächer statt Kinder“, mahnte Staab Verbesserungen in der Lehreraus- und -weiterbildung an. Diagnostik-Module im Bereich Lernverzögerungen und Maßnahmen zur konkreten Hilfestellung müssten verpflichtend und umfangreich in das Studium integriert werden. Grundschullehrer/innen hätten auf viele Fragen der Kinder Antworten zu geben und bräuchten daher ein hohes Maß an „Weltwissen“. Daher sei es dringend geboten, den Studierenden neben dem „Pflichtenkatalog“ genug Raum und Zeit zu gewähren, sich als Persönlichkeit weiterzubilden.
„Ein guter Lehrer ist nicht unbedingt derjenige, der in der Mindeststudienzeit seine Scheine abgearbeitet hat, sondern ein ganzheitlich gebildeter und geprägter Mensch“, zitierte Staab aus dem Positionspapier ihres Gremiums zur Lehrerbildung. Ein „weiter so“ und ein bisschen „herumändern“ und „hier und da ein bisschen mehr Diagnostik oder Kommunikationstraining“ werde keinen Erfolg bringen, so das kritische Fazit der scheidenden LEB-Vorsitzenden, die bekanntlich selbst CDU-Mitglied ist. Zugleich forderte sie andere Eingangskriterien für die Zulassung zum Lehramtsstudium. Eigenschaften wie Verantwortungsbereitschaft, Vorbildcharakter, Empathie, Teamfähigkeit und Selbstbewusstsein könnten in der Ausbildung nur verstärkt, nicht aber neu angelegt werden. Wer leistungsbereite und leistungsorientierte Abiturient/innen zum Lehramtsstudium bewegen wolle, müsse dafür auch die entsprechenden Rahmenbedingungen schaffen, auch und gerade für das Grundschullehramt.
Medien und Bildungsinitiativen, Hochschulen und Landesschulbeirat, Parteien und Verbände zeigten Verständnis für die Argumente von GEW, GSV und LEB. Das Kultusministerium reagierte mit einer knappen sechszeiligen Zumeldung. „Umstrukturierung des Grundschullehramts im Abstimmungsprozess“, so die Überschrift der an Unverbindlichkeit nicht zu überbietenden Verlautbarung aus dem Hause Rau. Die Beratungen seien noch nicht abgeschlossen, die Querschnittskompetenzen Diagnostik, individuelle Förderung sowie präventives Handeln als zentrale Schwerpunkte aber vorgesehen. Wenn dazu noch die Einsicht käme, dass acht Semester das Minimum für die Qualifizierung künftiger Grundschullehrkräfte sind, hätte der Abstimmungsprozess wenigstens Erfolg gehabt. Auf die neue Kultusministerin dürfen wir gespannt sein, auch in diesem Punkt.
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