|  |
 | (b&w 11/07 Seite 17)
| Besuch der Regionalschule in Wörth
Haupt- und Realschule: Kürzlich besuchte die Landesfachgruppe Hauptschule die Regionale Schule in Wörth/Rheinland-Pfalz. Willi Bernhard aus der Fachgruppe Realschule berichtet.
Schon seit 15 Jahren gibt es im Nachbarland Rheinland-Pfalz ein Schulangebot, über das in Baden-Württemberg derzeit intensiv diskutiert wird: die Regionale Schule. Sie ist eine kombinierte Real- und Hauptschule und arbeitet mit Fachleistungsdifferenzierung in Richtung Haupt- und Realschulabschluss. Ab Klasse 7 gibt es in den Fächern Englisch und Mathematik, ab Klasse 8 in Deutsch, ab Klasse 9 noch in Chemie und Physik so genannte H- und R-Leistungskurse in engem Bezug zu den Lehrplänen dieser Schularten in Rheinland-Pfalz. Die Klassenstufe 10 wird auf Realschulniveau in allen Fächern unterrichtet. Ab Klassenstufe 7 gibt es einen interessanten Wahlpflichtbereich mit Französisch als 2. Fremdsprache, Technik, Hauswirtschaft, Kaufmännisches Rechnen, Natur und Umwelt, EDV und Textverarbeitung und Sport. Die Regionale Schule ergänzt vor allem im ländlichen Raum das Angebot an weiterführenden Schulen und wird grundsätzlich als Ganztagesschule geführt.
Eine der ersten Regionalen Schulen, die in Rheinland-Pfalz 1992 entstanden sind, ist die kombinierte Haupt-und Realschule in Wörth am Rhein, in unmittelbarer westlicher Nachbarschaft zur Stadt Karlsruhe. In Rheinland-Pfalz gibt es bis jetzt 80 Regionale Schulen, in denen Kinder von Lehrkräften aus beiden Schularten unterrichtet werden. Sie können die „Mittlere Reife“ nach der 10. Klasse oder die „Berufsreife“ nach der 9. Klasse absolvieren. Schulleiter Joachim Paul wies bei der Unterredung mit den Gästen von der baden-württembergischen GEW darauf hin, dass von den Grundschulen in und um Wörth (18.000 Einwohner) etwa 40-45 Prozent der Schüler in die 5. Klasse der Regionalen Schule überwechseln. Wiederum knapp die Hälfte der Schüler/innen können nach der 9. Klasse in die 10. Abschlussklasse übernommen werden. Einige von ihnen wechseln noch auf ein Gymnasium, um das Abitur anzustreben. Neben dem Europa-Gymnasium gibt es in Wörth für den Besuch einer weiterführenden Schule in der Sekundarstufe I nur noch eine Schule für lernbehinderte Kinder. Etwa 11 Prozent der Schulkinder in Wörth kommen aus einer Familie mit Migranten-Hintergrund.
Das Lehrerkollegium arbeitet eng zusammen, um einen qualifizierten Standard bei der didaktisch-methodischen Unterrichtsarbeit zu gewährleisten. Offener Unterricht, Stationen- und Wochenplan-Arbeit, Projektorientiertes Lernen, Teamtraining und Lehrertandems bei der Klassenleitung zählen zu den festen Bausteinen der Schulpädagogik in Wörth. Der bekannte „Methodenpapst“ Klippert hat in den 90er Jahren in Wörth selbst nachhaltige Aufbauarbeit geleistet. Beeindruckt zeigte sich die GEW-Delegation nicht zuletzt vom vielseitigen Angebot an Arbeitsgemeinschaften, die eher von externen Kräften organisiert werden, zu einem Stundentarif von 20 Euro! Das Jugendbegleiterprogramm der baden-württembergischen Landesregierung für die Ganztagesschulen sieht bekanntlich nur eine Aufwandsentschädigung in Höhe von 7 Euro für die AG-Stunde vor. Immerhin 33 verschiedene Arbeitsgemeinschaften präsentiert die Liste für das laufende Schuljahr 2007/2008: von der Berufsorientierung mit dem „Job-Fuchs“ über den aktiven Naturschutz im Wald bis hin zum Webdesign im Computerraum reicht die Palette, aus der die Schüler/innen auswählen können. Ergänzend belegen sie Stützkurse in den Kernfächern in verschiedenen Klassenstufen.
Die Zusammenarbeit zwischen den Haupt- und Realschullehrkräften (zu A 12- und A 13-Tarifen) ist weitgehend einvernehmlich, wie die überwiegend jüngeren Lehrer/innen von der Regionalen Schule in Wörth auf Nachfrage versicherten. Die frühere Reserviertheit untereinander im Kollegium habe man in den letzten Jahren im Interesse des gemeinsamen Erfolgsdrucks ziemlich gut auflösen können, berichtete die Konrektorin Rita Ulm.
„Der Besuch in der Regionalen Schule hat uns in unserem aktiven Engagement für ein anderes Schulsystem in Baden-Württemberg eindrucksvoll bestätigt und uns Ansporn gegeben, dass wir uns weiterhin dafür einsetzen, dass unsere Schülerinnen und Schüler länger gemeinsam lernen können“, fasste Brigitte Friedrich-Wittig, die Vorsitzende der Fachgruppe Hauptschule in der GEW Baden-Württemberg, ihre Eindrücke von der Reise nach Wörth zusammen.
| |
|
 |  |  |  |  |  |  |