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Kommentar Werkrealschule

Die neue Werkrealschule – ein Konzept, das nicht überzeugt.

(07/09) Der große Wurf zu Rettung der Hauptschule sollte es werden – die Werkrealschule „neuer Prägung“. Ob dies allerdings gelingt, scheint mir mehr als fraglich zu sein. Aus Sicht der GEW ist die Einführung der neuen Werkrealschule v.a. unter dem Gesichtspunkt zu betrachten, ob und inwieweit sie den Zugang von jungen Menschen zu höherwertigen Abschlüssen der Sekundarstufe II und damit auch die Bildungschancen verbessert. Die Landesregierung reagiert mit ihrem Konzept ganz offensichtlich auf die sich verschärfende Krise des gegliederten Sekundarschulwesens, die allerdings durch den Kultusminister einseitig als „Krise der Hauptschule“ wahrgenommen wird.

Hintergrund ist einerseits das veränderte Schulwahlverhalten von Eltern und Schüler/innen, andererseits der Rückgang der Schüler/innenzahlen insgesamt, die dazu führt, das viele kleine Hauptschulen mangels Schüler/innen nicht mehr zu halten sind. Die Strategie des KM zielt deshalb v.a. darauf ab, die Hauptschule in ihrem Bestand zu retten. Das Konzept wird auch eingesetzt, um Schulstandorte schließen zu können und die Hauptschule auf weniger Standorte zu konzentrieren– auch wenn dies offiziell niemand
zugeben möchte.

Konzeptionslose Bildungspolitik

Wie konzeptionslos diese Politik allerdings ist, wird deutlich, wenn man die WRS „neuer Prägung“ mit den bisherigen Verhältnissen vergleicht. Bislang konnte ein/e Hauptschüler/ in nach der 8. Klasse oder nach der 9. Klasse einen Werkrealschulzug
besuchen. In diesem Fall erhielt er/sie eine verstärkte Förderung in den allgemeinbildenden Fächern. Daneben gab es die Möglichkeit, die Zweijährige Berufsfachschule zu besuchen. Ziel dieser Schulart ist es, in zwei Jahren einerseits einen mittleren Abschluss (Fachschulreife) zu vermitteln, andererseits sollte gleichzeitig eine erste berufliche Grundbildung vermittelt werden. Im Grunde versucht das KM jetzt beides miteinander zu verbinden – in einem Jahr!
In der Konsequenz bedeutet dies aber, dass die Schüler/innen weniger allgemeinbildenden und weniger berufsorientierenden Unterricht erhalten. Die Tatsache, dass das KM den Absolventen der WRS anschließend den Weg eröffnet, das 2. Jahr der 2 BFS zu besuchen, ist insoweit logisch, er bedeutet aber, dass diese Schüler/innen erneut einen Abschluss erwerben, den sie bereits in der WRS erworben haben. Dies kann man getrost als Eingeständnis des KMs verstehen, dass der Werkrealabschluss keineswegs mit dem Realschulabschluss oder der Fachschulreife gleichwertig ist. Durch dieses Konzept verändert sich natürlich die Ausrichtung der WRS in Richtung berufliche Grundbildung. Berufliche Grundbildung ist an sich nicht abzulehnen – allerdingsnicht auf Kosten der Allgemeinbildung und schon gar nicht bei den eigentlich schwächsten Schüler/innen. Hier drückt sich auch das von der EU seit längerem propagierte Konzept aus, dass Bildung v.a. die Beschäftigungsfähigkeit des Individuums zu sichern habe.

Unabhängig davon stellt sich auch die Frage, was man den Schüler/innen hier zumutet. Die WRS werden in der 10. Klasse in ihrem Prüfungsjahr auseinandergerissen. D. h. der bisher bestehende Klassenverband wird zeitweise auseinandergerissen, die Schüler/innen werden an 2 Standorten unterrichtet und da sie sich für unterschiedliche Berufsfelder entscheiden können, müssen an den Beruflichen Schulen völlig neue Gruppen gebildet werden. Ob dies pädagogisch sonderlich sinnvoll ist, mag jeder selbst entscheiden.

Die starre Verteidigung der Hauptschule und des mehrgliedrigen Schulwesens ist letztlich zur beherrschenden bildungspolitischen Ideologie der CDU in diesem Land geworden. Eine - künstliche – Zementierung des mehrgliedrigen Schulwesens scheint mir der falsche Weg zu sein, die Krise des mehrgliedrigen Schulsystem zu lösen. Die GEW tritt für ein längeres gemeinsames Lernen ein. Deutschland ist neben Österreich das einzige Land, das seine Jugendlichen bereits nach der 4. Klasse trennt und internationale Vergleichsstudien haben mittlerweile mehrfach deutlich gemacht, dass dies keineswegs die Qualität des Bildungssystems verbessert.
Die GEW jedenfalls lehnt dieses Konzept der WRS ab.

Quelle: BS-Info 2009



Michael Futterer
stellv. Landesvorsitzender

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