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Pfad zur Seite:Startseite - Aktuell - Zeitschrift b&w - b&w 2009 - Mai 2009 - Länger gemeinsam lernen

Länger gemeinsam lernen

(b&w 5/09
Seite 33)



Länger gemeinsam lernen: Helmut Jung skizziert die Positionen der GEW-Fachgruppe Gesamtschulen und das große Interesse an den Schulen.

Heterogenität, Integration, individuelle Förderung, länger gemeinsam lernen etc. sind Begriffe, die seit einiger Zeit die Bildungsdiskussion hierzulande beherrschen. Es wird nicht nur viel darüber geschrieben und gesprochen, es finden auch zahlreiche Veranstaltungen dazu statt, wie z.B. der GEW-Kongress am 28.1.2009 in der Gesamtschule in Heidelberg.
Natürlich freuen wir Gesamtschullehrer uns, wenn wir einmal in den Blickpunkt der Schulöffentlichkeit geraten.

Noch mehr würden wir uns allerdings über etwas mehr Aufmerksamkeit zwischen den verschiedenen Veranstaltungen für den ganz normalen Schulalltag der drei verbliebenen Gesamtschulen Baden-Württembergs freuen.
Denn alle eingangs genannten Themenbereiche sind in den Gesamtschulen seit weit über 30 Jahren tägliche Praxis und führen dazu, dass die Leistungen dieser drei Schulen erheblich über dem Durchschnitt des Landes liegen. Das ist jederzeit nachweisbar.

Dies beginnt mit der langjährigen Erfahrung, dass jede zweite Grundschulempfehlung – entgegen anderslautender Beteuerungen der Schulbehörden – nicht zutrifft. An der Integrierten Gesamtschule in Mannheim (IGMH) z.B. machen mehr als die Hälfte aller Schüler/innen Abitur mit einer Empfehlung für die Haupt- oder Realschule (HS: 12 Prozent, Real: 43 Prozent). Wenn in der 8.Klasse die Schularten des gegliederten Systems gebildet werden, sind die Empfehlungen für die weiterführenden Schulen nur noch Makulatur.

Für jeden Schüler/jede Schülerin, der/die in den Gesamtschulen abgestuft wird, steigen vier bis fünf auf. Welche Schulart im gegliederten System kann das für sich in Anspruch nehmen? Nur drei Jahre gemeinsam länger lernen in der Orientierungsstufe tragen wesentlich dazu bei.

Fachgruppe im steten Erfahrungsaustausch

Ende März trafen sich Vertreter/innen der Staudinger Gesamtschule Freiburg, der Internationalen Gesamtschule Heidelberg Hasenleiser (IGH) und der Gesamtschule Mannheim-Herzogenried (IGMH) im GEW-Löchnerhaus am Bodensee. Die Berichte aus den drei Gesamtschulen zeigen übereinstimmend, dass jedes Jahr eine sehr große Zahl von Schüler/innen abgewiesen werden muss, weil die Aufnahmekapazitäten nicht ausreichen. In manchen Jahren betrifft das bis zu 200 Kinder pro Schule! Das Interesse an dieser Schulart ist groß, so wurden z.B. in Karlsruhe und Tübingen in jüngster Zeit Anträge auf Errichtung von Schulen nach skandinavischem Vorbild gestellt. Es würde sich lohnen zu prüfen, was mit diesen Anträgen geschehen ist.

Daher hat die Fachgruppe beschlossen, ein Infopapier über das Verfahren zur Neugründung von Schulen im Land zu verfassen. Solche Broschüren gibt es bereits, z.B. in Schleswig-Holstein von der GEW in Zusammenarbeit mit der Gemeinnützigen Gesellschaft Gesamtschule (GGG) und der Aktion Humane Schule (AHS) erstellt.

Beim Thema Bildungsregionen (Beispiel Freiburg und Ravensburg) begrüßt die Fachgruppe insgesamt die Idee der Vernetzung von Schulen mit anderen Institutionen (Kindergärten, Betrieben etc.) zur Verbesserung der Qualität der Bildung und Ausbildung. Kritisiert wird jedoch die offenbar fehlende Nachhaltigkeit, die zu Frustrationen und Ablehnung in einigen Kollegien geführt hat, sowie das kommerzielle Interesse von Bertelsmann im Bildungsbereich – auch wenn die Bertelsmannstiftung dies zunächst nicht deutlich werden lässt. Immerhin sind weitere Bildungsbüros in Heidelberg und Mannheim geplant.

Auf wenig Verständnis stößt bei uns die Einführung der neuen Werkrealschule. Wo andere Bun-desländer versuchen, die Zahl der Schularten zu verringern, fügt Baden-Württemberg noch ein weiteres Glied hinzu. Preisfrage: Wie viele Schularten gibt es hierzulande? (Im Schulgesetz Abschn. C, § 4 stehen unter „Schularten sind“ bisher deren 11, wobei die Gesamtschule interessanterweise fehlt! Mit der Werkrealschule wären es dann 13!).

In nächster Zeit will sich die Fachgruppe Gesamtschulen in die Diskussionen einbringen und hat sich Einiges vorgenommen wie z.B. eine Informationsveranstaltung zur Werkrealschule organisieren, Initiativen zur Gründung neuer Gesamtschulen unterstützen, die Binnendifferenzierung als Bestandteil der Lehrerausbildung etablieren, die Idee der Gesamtschule verteidigen, sodass Gemeinschaftsschulen zumindest Teile des Gymnasiums mit einschließen und natürlich die Leistungen der existierenden Gesamtschulen in der GEW und der Öffentlichkeit deutlicher machen. Der Anfang ist gemacht.






Die Fachgruppe Gesamtschule bei ihrem Treffen zum Erfahrungsaustausch im Löchner-Haus am Bodensee, v.l.n.r.: Beate Hanisch, Bernd Pohlmann, Helmut Jung, Heike Scholz, Alex Zollmann, Elke Wulf, Günter Baro, Jürgen Leonhardt.

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