|
Aktuell Zeitschrift b&w b&w 2009 Juli/August 2009 Lehrereinstellung 2009 | ||||||
| Lehrereinstellung 2009 | ||||||
| GHRS | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| (b&w 7-8/09 Seite 10f)
| Lehrereinstellung GHRS Skandalös: Kein Angebot für über 70 Prozent der Bewerber/innen. Nur rund 1.770 Stellenangebote gab es im Grund-, Haupt-, Real- und Sonderschulbereich für 6.400 Bewerberinnen und Bewerber. Mehr als 4.600 junge, gut ausgebildete Lehrer/innen gingen leer aus. Von dem groß angekündigten Lehrermangel – man denke nur an die breit angelegte Werbekampagne des Kultusministeriums – ist zumindest im Grund- Haupt-, Real- und Sonderschulbereich nichts zu spüren. Im Gegenteil: wie in den letzten Jahren auch, erhielt nur ein Bruchteil der Bewerber/innen ein Angebot. Grund- und Hauptschule Trotz oder wegen der Bildungsoffensive hat nur jede vierte Bewerber/in ein Einstellungsangebot erhalten. Speziell Kolleg/innen mit dem Stufenschwerpunkt Grundschule hatten auch mit einem Einser-Examen nur geringe Chancen. Es sind aber nicht nur die sinkenden Schülerzahlen, sondern vor allem die massive Umwidmung von rund 500 Stellen zugunsten anderer Schularten (Gymnasium und Berufliche Schulen), die zu diesem katastrophalen Einstellungsergebnis geführt haben. Die Sonntagspredigt der Landesregierung, dass es auf den Anfang ankomme, ist somit ebenso unglaubwürdig wie das Märchen vom Kinderland Baden-Württemberg. Realschule Auch im Realschulbereich waren die tatsächlichen Einstellungszahlen wesentlich niedriger als die Prognose des Kultusministeriums: lediglich 38 Prozent der Bewerber/innen erhielten ein Angebot. Folglich gilt auch für den Realschulbereich, dass Anwärter/innen mit Bestnoten keine Möglichkeit erhalten ihrem erlernten Beruf nachzugehen. Aber im Gegensatz zu den Grund- und Hauptschulbewerber/innen besteht für Personen aus dem Realschulbereich noch die zusätzliche Chance, sich im Nachrückverfahren auf eine schulbezogene Stellenausschreibung an einem Gymnasium oder an einer Beruflichen Schule zu bewerben. Sonderschule, musisch-technische Fachlehrer/innen Die schlechten Einstellungschancen setzen sich auch im Sonderschulbereich wie in den vergangenen Jahren fort. Lediglich jede vierte Bewerbung war erfolgreich. Seit Jahren sind die Bewerber/innen auf Angebote aus dem Privatschulbereich angewiesen. Besonders tragisch ist die Einstellungsquote von rund 30 Prozent im Bereich der Fachlehrer/innen. Diese spezielle baden-württembergische Ausbildungsvariante wird außerhalb Baden-Württembergs kaum anerkannt und Fachleh-rer/innen haben somit nahezu keine Ausweichmöglichkeit. Die extrem schlechten Einstellungschancen im Grund-, Haupt-, Real- und Sonderschulbereich haben aber nicht nur negative Auswirkungen für unsere jungen Kolleg/innen, die ab den Sommerferien zahlreich auf der Straße stehen werden, sondern auch für unsere Schulen. Spätestens im Winter wird der Bedarf an den gut ausgebildeten Junglehrer/innen zunehmen, doch diese werden sich bis dahin bereits neu orientiert haben. Wer kann es sich denn leisten, über Monate hinweg ohne jegliches Einkommen auf ein Angebot als Krankheitsvertretung zu warten? Für Baden-Württembergs GHRS-Schulen ist es mehr als bedauerlich, wenn in Baden-Württemberg ausgebildete Lehrkräfte für Grund-, Haupt-, Real- und Sonderschulen sich in Massen in anderen Bundesländern bewerben und hier dann fehlen. Nur eine Aufstockung der fest installierten Lehrerreserve sichert die kontinuierliche Unterrichtsversorgung an den Schulen und verhindert, dass gut ausgebildete Lehrkräfte abwandern. Petra Pfeiffer-Silberberger Lehrereinstellung 2009: Bewerbungen und Einstellungen
| |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Gymnasium | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Einstellungen ins Gymnasium 2009 Gymnasien: Schon der Beginn der diesjährigen Lehrereinstellung am Gymnasium gestaltete sich schwierig: Nach der im Sommer 2008 beschlossenen Qualitätsoffensive musste das Kultusministerium den Lehrerbedarf für das Schuljahr 2009/2010 neu berechnen und kam auf alarmierende Zahlen. Die Neuberechnung des Kultusministeriums ergab, dass den ca. 1450 zu besetzenden Stellen (was auf Grund des Teilzeitfaktors ca. 2000 Einstellungsmöglichkeiten entspricht) 1600 Neubewerber/innen gegenüber standen. Geht man davon aus, dass nicht alle das Examen bestehen, einige an Privatschulen gehen oder den Dienst nicht antreten und geht man weiter davon aus, dass wie in den letzten Jahren viele in andere Bundesländer oder in die Schweiz auswandern, war klar, dass Baden-Württemberg die Lehrerversorgung am Gymnasium aus eigener Kraft nicht würde leisten können. Neben einer ziemlich offensiven Lehrerwerbekampagne in anderen Bundesländern wurde – um Referendar/innen möglichst früh an eine Schule zu binden – für den Monat November ein Sondereinstellungsverfahren beschlossen, das dem HPR viel Kopfzerbrechen bereitete. Es war zu befürchten, dass das Prinzip „Versetzung vor Einstellung“ unter diesen Bedingungen nicht durchgehalten werden könnte, was dazu führen würde, dass viele Kolleginnen und Kollegen ihren Versetzungsantrag nicht genehmigt bekämen. Außerdem stellen Bewerbergespräche in der Vorweihnachtszeit einen Kraftakt für alle Beteiligten dar. Dennoch hat der HPR diesem Verfahren letztlich zugestimmt, denn wenn im nächsten Schuljahr für den Pflichtunterricht nicht genügend Lehrerinnen und Lehrer zur Verfügung stehen würden, bliebe das vor allem an den Kollegien hängen: Die Vergrößerung der Bugwelle und ein restriktiverer Umgang mit Teilzeit und Beurlaubung (auch für den Auslandsschuldienst) wären die Folge. Die Belastung im Dezember war in der Tat enorm: Für Referendar/innen, die sich an bis zu 15 Schulen beworben haben, für Schulleitungen und Kollegien (örtliche Personalräte), die bis zu 40 Bewerbungen zu bewältigen hatten. Nach den drei Ausschreibungsverfahren und der Einstellungssitzung am 19. Mai 2009 stellt sich die Situation heute wie folgt dar: Landesweit wurden 890 Stellen über das Novemberausschreibungsverfahren, 134 über die Februarausschreibung und 194 über das Hauptausschreibungsverfahren im April besetzt. Die verbleibenden Stellen konnten in der Einstellungssitzung nicht alle besetzt werden, da viele Bewerber/innen nicht im ländlichen Raum eingesetzt werden wollen. Die jetzt noch offenen Stellen stehen ab 29. Juni im Netz. Während die Listen in Mangelfächern wie Mathematik und Naturwissenschaften, Latein und Religion praktisch abgeräumt sind, gibt es in den Fächern Deutsch, Englisch, Französisch und Geschichte durchaus noch Kolleginnen und Kollegen, die trotz guter Leistungsziffer noch kein Einstellungsangebot erhalten haben. Die Lehrerversorgung an den Schulen ist trotz gestiegener Stellenzahl knapp. Einige Schulen melden schon zurück, dass die Klassenteilersenkung nicht umgesetzt werden kann und dass kein nennenswertes AG-Angebot mehr besteht, so dass das Ganztagesangebot gefährdet ist. Auf Vertretungslehrkräfte können wir unter diesen Bedingungen auch nicht hoffen. Die GEW hat an das KM appelliert, jede Stelle zu besetzen, auch wenn die Fächerverbindung nicht unbedingt gebraucht wird. Christina Klages stellvertretende Vorsitzende HPR Gymnasien | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Berufliche Schulen | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Rund 970 neue Kolleg/innen – aber kein Abbau beim Defizit! Berufliche Schulen: Die gute Nachricht – zur Sommer-einstellung im Schuljahr 2009/10 gibt es mit 970 Personen, die sich 856,7 Stellen teilen, einen neuen Einstellungshöchststand. Ursächlich dafür sind die aktuellen Probleme an beruflichen Schulen und das Eintreten der GEW für Verbesserungen in der Öffentlichkeit. Die schlechte Nachricht: Für die Unterrichtssituation im September werden keine grundlegenden Verbesserungen erreicht. Das Kultusministerium geht die strukturelle Unterversorgung an beruflichen Schulen nicht an (Vgl. Seite 28-29 in diesem Heft). Im Vergleich zum Vorjahr stehen mit insgesamt 857 Stellen gut 200 Stellen mehr zur Verfügung. Sie setzen sich zusammen aus: 501 z.B. durch Pensionierung freigewordenen Stellen und Stellenäquivalenten (z. B. Ausgleich Praxissemesterbetreuung) sowie 251 zweckgebundenen Stellen für die Erhöhung der Schulleitungszeit, zusätzliche Klassen im Vollzeit- und Weiterbildungsbereich. Dazu kommen noch 105 Stellen für Technische Lehrkräfte und Fachlehrer/innen. Wegen teilweiser Teilzeitlehraufträge beginnen 970 Personen im September ihren Unterricht. Bei im Vergleich zum Vorjahr etwa gleichbleibender Zahl an Laufbahnbewerber/innen ist die Zahl der Direktbewerber/innen von 223 auf 731 deutlich gestiegen. Nach Aussagen des Kultusministeriums beruht die Steigerung von über 300 Prozent auf der höheren Attraktivität des Lehramts durch die Einführung von Zulagen, durch die bundesweite Werbekampagne („Sehr guten Morgen, Herr Lehrer“) und die sich verschlechternde Entwicklung in der deutschen Wirtschaft auf Grund der Weltwirtschaftskrise. Das KM rechnet damit, dass die Zahl der Direktbewerber/innen aus der Industrie bis zum Ende des Schuljahres noch steigen wird. Damit hat sich der besondere Lehrermangel in den berufsbezogenen Fächern (Metall, Elektrotechnik) etwas entspannt. Die Probleme in den allgemein bildenden Fächern bleiben aber weiterhin bestehen: Die Zahl der Bewerber/innen aus der Liste mit den allgemein bildenden Fächern ist gesunken. Immerhin konnten in der frühen Novembereinstellung trotz hervorragender Einstellungsbedingungen an den Gymnasien 56 Bewerber/innen an die beruflichen Schulen gelockt werden (2008 nur 40 Bewerber/innen, 2003 noch 229!) Für Realschullehrkräfte mit den Fächern Englisch, Deutsch oder Mathematik bieten sich hier evtl. noch beschränkte Einstellungsmöglichkeiten. Aus den Zeiten des Bewerbermangels gibt es noch 70 an andere KM-Bereiche ausgeliehene Stellen, die bis zum Ende der Legislaturperiode an den beruflichen Bereich zurück gegeben werden sollen. Es ist völlig unverständlich, warum diese Stellen nicht jetzt zur Verfügung gestellt werden, könnten sie doch schon ab nächstem Schuljahr das strukturelle Unterrichtsdefizit senken helfen. Interessant sind auch die Zahlen zu den ermöglichten Versetzungen. Von den 401 Anträgen in Baden-Württemberg konnten bisher 120, also durchschnittlich 30 Prozent, positiv entschieden werden. Dabei zeigen sich erhebliche regionale Disparitäten: Es konnten im RP Stuttgart nur 22 Prozent, im RP Freiburg nur 25 Prozent, im RP Karlsruhe 37 Prozent und im RP Tübingen immerhin 42 Prozent der Antragsteller/innen versetzt werden. Aber auch hier gilt: Es sind noch nicht alle Fälle entschieden. GEW-Tipp: Wenden Sie sich grundsätzlich bei Versetzungen in den Regierungspräsidien an den zuständigen Bezirkspersonalrat, bei Bundesländer übergreifenden Versetzungen an den Hauptpersonalrat! Hans Gampe Lehrereinstellung an Beruflichen Schulen Sommer 2009 (Stand: Juni)
*) In dieser Summe sind auch noch 55,5 Stellen für die Ausbildung von Erzieher/innen enthalten. | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||