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 | (b&w 7-8/11 Seite 8ff.)
| Viele werden in die Warteschleife geschickt
Lehrereinstellung 2011: Obwohl die neue Landesregierung in letzter Minute die über alle Schularten hinweg gesperrten 711 Lehrerstellen freigab, werden auch in diesem Sommer viele Bewerber/innen keine feste Anstellung erhalten. In den einzelnen Schularten sind die Chancen sehr ungleich verteilt. GHWRS insgesamt
Fast 4000 junge Lehrkräfte gingen leer aus
Nur 38 Prozent der Bewerberinnen und Bewerber im Grund-Haupt-Werkreal,- Real- und Sonderschulbereich erhielten ein Angebot. Obwohl die Bewerberzahl im Vergleich zum letzten Jahr um rund 100 sank und die Zahl der Einstellungsangebote um etwa 200 stieg, hat sich die Einstellungssituation im GHWRS-Bereich nur wenig verändert. Die Chance, ein Angebot zu erhalten, ist lediglich um 2 Prozent gestiegen. Nur ca. 2360 Stellen gab es für rund 6155 Bewerberinnen und Bewerber. Knapp 4000 junge, gut ausgebildete Lehrerinnen und Lehrer gingen leer aus und der seit Jahren angekündigte Lehrermangel zeigt sich zumindest im GHWRS-Bereich nicht.
Grund- und Haupt-/Werkrealschule: Besonders schlechte Einstellungschancen gab es im Grund- und Haupt- und Werkrealschulbereich: nur 30 Prozent aller Bewerber/innen haben überhaupt ein Einstellungsangebot erhalten. Letztes Jahr waren es immerhin noch 45 Prozent. Wie in den vergangenen Jahren gab es wieder ein Einstellungskontingent ausschließlich für Bewerber/innen mit den Stufenschwerpunkt Hauptschule (ca. 180 Angebote).
Und da auch bei vielen ausgeschriebenen Stellen Hauptschullehrkräfte gesucht wurden, hatte dies zur Folge, dass Kolleg/innen mit dem Stufenschwerpunkt Grundschule auch mit einem Einser-Examen wenig Chancen hatten. Es sind jedoch nicht nur die sinkenden Schülerzahlen, sondern vor allem die massiven Stellenumwidmungen zugunsten anderer Schularten (allgemeinbildende und berufliche Gymnasien und Realschule), die zu diesem katastrophalen Einstellungsergebnis im GH-Bereich geführt haben. Aber auch die Unterlassung der so dringend benötigten weiteren Senkung des Klassenteilers in der Grundschule trägt zu der fatalen Einstellungssituation im GH-Bereich bei und die Sonntagspredigt „auf den Anfang kommt es an“ bleibt weiter unglaubwürdig.
Realschule: Dass für die Bewerber/innen im Realschulbereich die Einstellungschancen besser waren als letzten Sommer, ist sehr erfreulich. Bedauerlich ist jedoch, dass dies zu Lasten der Grund-Hauptschul-Einstellung ging. Denn nur durch die umgewidmeten GH-Stellen konnten rund 62 Prozent der Realschul-Bewerber/innen ein Angebot erhalten. Für die rund 1300 Bewerber/innen gab es ca. 810 meist fachspezifische Angebote. Über alle Verfahren hinweg (Stellenausschreibung, Zusatzqualifikation, Listenverfahren) gab nur etwa 160 Stellenangebote, die nicht fachspezifisch vergeben wurden. Dies hat zur Folge, dass bei geringer räumlicher Mobilität und einer unglücklichen Fächerkombination auch ein sehr gutes Examen kein Einstellungsangebot nach sich zog.
Sonderschule: Wie in den vergangenen Jahren setzten sich die schlechten Einstellungsmöglichkeiten im Sonderschulbereich fort. Die Einstellungschancen waren nahezu genauso schlecht wie im Grund-Hauptschul-Bereich: Lediglich 32 Prozent der wissenschaftlichen Sonderschullehrkräfte waren erfolgreich. Da zudem die Sonderschulangebote immer ausschließlich nach studierter Fachrichtung erfolgen, ist das Einstellungsverfahren im öffentlichen Schuldienst Baden-Württembergs ein Lotteriespiel. Seit Jahren sind selbst Bewerber/innen mit Bestnoten auf Angebote aus dem Privatschulbereich angewiesen.
Fachlehrer/innen: Sowohl die Ausbildung der Fachlehrer/innen für Geistigbehinderte/Körperbehinderte (G/K) an Sonderschulen als auch die der musisch-technischen Fachlehrer/innen ist eine spezielle baden-württembergische Ausbildungsvariante. Sie wird außerhalb Baden-Württembergs kaum anerkannt und Fachlehrer/innen haben somit nahezu keine Ausweichmöglichkeit.
Insofern ist eine Einstellungsquote von 49 Prozent bei Fachlehrer/innen G/K an Sonderschulen sehr bedauerlich. Auch sie müssen wie die Sonderschullehrkräfte auf Stellenangebote aus dem Privatschulbereich hoffen.
Bei den musisch-technischen Fachlehrer/innen erhielten sogar nur 43 Prozent der Bewerber/innen ein Angebot. Da zudem in diesem Bereich die Auswahl ausschließlich nach studiertem Fach erfolgt, erhielten auch Bewerber/innen mit Bestnoten nicht immer eine Stelle.
Bildungspolitische Weichenstellung gefordert
Die schlechten Einstellungschancen im GHWRS-Bereich - speziell an Grund- und Hauptschulen und an Sonderschulen – haben aber nicht nur negative Auswirkungen für unsere jungen Kolleg/innen, die in großer Zahl ab den Sommerferien auf der Straße stehen werden, sondern auch für unsere Schulen.

Spätestens im Winter wird zu hören sein, dass keine Lehrkräfte für Krankheitsvertretungen mehr „auf dem Markt“ seien. Kein Wunder; denn ohne Einkommen werden unsere jungen arbeitslosen Kolleg/innen (ohne irgendeinen Anspruch auf Arbeitslosengeld) nicht warten können, ob ihnen vielleicht im Dezember ein befristeter Vertrag angeboten wird. Für Baden-Württembergs GHWRS-Schulen ist es mehr als bedauerlich, wenn in Baden-Württemberg ausgebildete Lehrkräfte für Grund-, Haupt-, Real- und Sonderschulen sich in Massen in anderen Bundesländern bewerben und hier dann fehlen. Nur eine Aufstockung der fest installierten Krankheitsreserve könnte den Schulen helfen, und verhindern, dass gut ausgebildete Lehrkräfte abwandern. Außerdem sollte das KM die 11 Mio. Euro einsetzen, die nötig sind, um die jungen Lehrer/innen in den Sommerferien zu bezahlen.
Petra Pfeiffer-Silberberger
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 | | Gymnasien: Einstellungschancen deutlich gesunken!
Zum September 2011 bewerben sich doppelt so viele Referendar/innen um die Einstellung wie Einstellungsmöglichkeiten existieren. Während in den vergangenen Jahren mit bundesweiten Anzeigenkampagnen Lehrkräfte aus anderen Bundesländern angeworben wurden und viele Referendar/innen schon früh über schulscharf ausgeschriebene Stellen eine Zusage erhalten hatten, hat sich das Blatt für die Einstellung 2011 komplett gewendet.
Die Einstellungsbedingungen an den Gymnasien waren in den vergangenen Jahren durch verschiedene sich ergänzende Effekte sehr gut: kontinuierlich steigende Übergangszahlen an die Gymnasien, Einführung von G8 ab 2005, Klassenteilersenkung ab dem Schuljahr 2009 und Erhöhung der Leitungszeit für Schulleitungen sowie zusätzliche Ressourcen für die doppelte Kursstufe im Jahr 2010. Dadurch wurden in den beiden letzten Jahren über 90 Prozent der Neubewerber/innen eingestellt. Da auch die Altbewerber/innenzahl sank, gab es schon ab Herbst kaum Lehrkräfte für Krankheitsvertretungen. Parallel dazu stieg die Bugwelle auf etwa 900 Deputate.
In diesem Jahr sollen bei über 2.200 Neu- und Altbewerber/innen dagegen nur noch ca. 950 Personen eingestellt werden (864 Stellen). Zwei Drittel der Stellen waren durch die Stellenausschreibungen bereits vergeben. Daher waren in der Einstellungssitzung nur noch ca. 300 Stellen zu besetzen, davon die Hälfte im Regierungspräsidium Stuttgart. Relativ gute Einstellungschancen bestanden nur für Bewerber/innen mit Mathematik und Naturwissenschaften.
Nach den Berechnungen des Kultusministeriums vom Frühjahr 2011 soll an den Gymnasien für das kommende Schuljahr nur noch ein Bedarf von 290 zusätzlichen Stellen bestehen gegenüber 827 zusätzlichen Stellen im Vorjahr. An der Berechnung sind Zweifel angebracht. Der Klassenteiler soll erneut sinken, die prognostizierten Schülerzahlen waren in den vergangenen Jahren immer zu niedrig angesetzt, weil die Übergangsquote weiter gestiegen war und den allgemeinen Schülerrückgang ausgeglichen hat, die doppelte Kursstufe erfordert auch im nächsten Schuljahr zusätzliche Ressourcen, die verbesserte Leitungszeit für die Schulleitungen bleibt, ein Einstieg in den Abbau der Bugwelle war zugesagt. Auch die Aussagen im Koalitionsvertrag, die Lehrerreserve aufzustocken, die Poolstunden in der Kontingentstundentafel des G8 wieder von 10 auf 12 Stunden zu erhöhen und Ganztagesschulen besser mit Ressourcen auszustatten wurden bei der Bedarfsberechnung bisher nicht berücksichtigt.
Die Zuweisung wird nicht einmal ausreichen um die Grundversorgung zu decken. Darin sind sich alle Beteiligten und die Einstellungsreferenten einig. Absehbar werden Engpässe auch in Kernbereichen entstehen. Aus den Regierungspräsidien wurde Schulleitungen bereits im Frühjahr mitgeteilt, dass die Klassenteilersenkung auf 30 nicht umsetzbar sein werde. Und statt des in Aussicht gestellten Abbaus der Bugwelle wird der Druck auf die Lehrkräfte steigen, weitere Bugwellenstunden zu leisten. Gleichzeitig werden qualifizierte und motivierte Junglehrer/innen arbeitslos.
Die grün-rote Landesregierung muss nachbessern und zusätzliche Stellen im Landeshaushalt schaffen, damit
- die Bugwelle abgebaut werden kann und die physischen und psychischen Belastungen für die Lehrkräfte nicht weiter steigen,
- die Senkung des Klassenteilers umgesetzt werden kann um die Individualisierung des Lernens zu ermöglichen,
- Förderangebote und Arbeitsgemeinschaften nicht gestrichen werden müssen,
- die Schüler/innen nach Stundentafel unterrichtet werden und keine Kürzungen vorgenommen werden müssen,
- ine echte Lehrerreserve an den Schulen aufgebaut werden kann, damit bei Erkrankungen von Lehrkräften weniger Unterricht ausfällt.
Qualifizierte junge Kolleginnen und Kollegen dürfen nicht in die Arbeitslosigkeit geschickt werden, wenn gleichzeitig an den Schulen die Minimalversorgung nicht gesichert ist und Lehrkräfte durch Bugwellenstunden über dem Limit belastet sind! Monika Gessat
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 | | Berufliche Schulen: Nach wie vor gute Einstellungssituation – GEW-Engagement zahlte sich aus
Werden alle Stellen und alle potenziellen Bewerber/innen berücksichtigt, können nach den Sommerferien 1.083,5 Stellen besetzt werden. Im vergangenen Jahr standen lediglich 854 Stellen zur Verfügung. Derzeit haben bereits ca. 850 Personen eine Einstellungszusage erhalten.
Im Zusammenhang mit der Einführung eines Lebensarbeitszeitkontos durch die alte FDP/CDU-Regierung sollten 711 Stellen, darunter 139 an beruflichen Schulen, eingespart werden. Die GEW hat vehement und erfolgreich dagegen argumentiert: alle 711 Stellen bleiben erhalten! Durch Pensionierung sind 538 Stellen frei geworden, diese sind alle wieder besetzt worden. Darüber hinaus erhalten die beruflichen Schulen 543,5 zusätzliche Stellen, die allerdings zum größten Teil zweckgebunden sind. Auch dies ist ein Ergebnis des Engagements der Kolleg/innen und der GEW in den vergangenen Jahren.
Stellensituation im Einzelnen
Im Sommer 2011 können 925,5 Stellen (und Stellenäquivalente) für wissenschaftliche Lehrkräfte sowie 158 Stellen für Technische Lehrkräfte und Fachlehrkräfte besetzt werden. Bei den wissenschaftlichen Lehrkräften
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