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Pfad zur Seite:Startseite - Aktuell - Zeitschrift b&w - b&w 2010 - September 2010 - Lehrer/innenbildung

Lehrer/innenbildung

(b&w 9/10
Seite 29)

Neue Struktur für Pädagogische Hochschulen?

Lehrer/innenbildung: Um die Zukunft der Pädagogischen Hochschulen (PHn) gibt es mal wieder Streit. Die Landesregierung hat – mal wieder – eine Expertenkommission eingesetzt, die Vorschläge für die Weiterentwicklung dieser Hochschulen entwickelt hat.

Eine landesweite „Bildungswissenschaftliche Hochschule“ mit einer zentralen Verwaltung und Außenstellen scheint vom Tisch. Die Hochschulen gehen unterschiedliche Wege. Wenn man auf der Startseite des Wissenschaftsministeriums Baden-Württemberg den Suchbegriff „Pädagogische Hochschulen“ eingibt, erhält man die Meldung „Keine Ergebnisse gefunden“. Dies ist sicherlich ein Zufall. Man kann es angesichts der derzeitigen Diskussion um die Strukturreform der PHn aber auch als symptomatisch ansehen. Kann man überhaupt noch von der Hochschulart „Pädagogische Hochschule“ sprechen oder haben sich sechs einzelne Hochschulen entwickelt, die zwar noch einen ähnlichen Auftrag und den gleichen Namen besitzen, aber deren Strukturen und Ziele sich stark unterscheiden?

In den letzten Tagen konnte man sich häufig die Augen reiben, wenn man die Diskussion um eine Strukturreform der PHn in Baden-Württemberg in der Öffentlichkeit verfolgte. Die SPD-Landtagsfraktion spricht von einer hervorragend renommierten Hochschulform. In einem Artikel der Stuttgarter Zeitung vom 2.8.2010 wird die Rektorin der PH Schwäbisch Gmünd mit der Ansicht zitiert, dass die PHn ein tolles Konzept seien. Man könnte das auch anders sehen. Die PHn sind mit ihrer Infrastruktur, ihren Forschungsmöglichkeiten, den Chancen wissenschaftlichen Nachwuchs zu gewinnen und vor allem mit ihrer finanziellen Ausstattung im Vergleich zu den anderen wissenschaftlichen Hochschulen in Baden-Württemberg schlecht aufgestellt und sie werden strukturell benachteiligt. Das liegt auch daran, dass sie nur noch in Baden-Württemberg existieren und in der öffentlichen Wahrnehmung kaum eine Rolle spielen.

Bereits im Jahr 1991 hatte das Land die Kommission „Pädagogische Hochschule 2000“ eingerichtet, die in ihrem Bericht viele der o.g. Schwierigkeiten benannte. Die Kommission sprach u.a. die Empfehlung aus, die PHn in die Universitäten einzugliedern. Das Ergebnis ist bekannt: Die Integration in die Universitäten fand nicht statt. Die Personalstruktur wurde umgewandelt, die Infrastruktur hat sich zwar leicht verbessert, aber die grundlegenden Schwierigkeiten blieben.

Dabei haben die Hochschulen in den letzten fünf Jahren so große Veränderungen durchgemacht, wie es noch nie in ihrer Geschichte der Fall war. Die neben den Lehramtsstudiengängen vorhandenen weiteren Studiengänge mussten innerhalb der Bologna-Reform umgestellt werden. Gleichzeitig wurden zahlreiche neue Bachelor- und Master-Studiengänge für verschiedene Bereiche des Bildungswesens geschaffen. Dadurch hat sich die Zusammensetzung der Studierenden nachhaltig verändert: Im Sommersemester 2009 befanden sich in Freiburg und Ludwigsburg bereits 22 Prozent der Studierenden nicht in Lehramtsstudiengängen. Diese Verschiebung der Studierendenzahlen wird sich in den nächsten Jahren noch fortsetzen.

Im Juni 2009 wurde von Wissenschaftsminister Frankenberg gemeinsam mit der Landesrektorenkonferenz (LRK) der PHn eine neue Zukunftskommission eingesetzt, die Vorschläge zur Weiterentwicklung der PHn erarbeiten sollte. Im inzwischen vorliegenden Bericht der Kommission wird die Situation der PHn detailliert beschrieben. Außerdem werden Handlungsempfehlungen ausgesprochen, die zum Teil für große Aufregung gesorgt haben.

Die Kommission rechnet bis zum Jahr 2020 mit einem Rückgang der Studierendenzahlen. Ihr Bericht beschreibt die ungünstigen Ausgangsbedingungen hinsichtlich der Deputate und der Verwaltungsstruktur. Zudem wird die schwierige Situation der „kleinen Fächer“ benannt und werden die problematischen Forschungsbedingungen beschrieben. Der Bericht zeigt auf, dass die Zusammenfassung zu einer zentralen Landesuniversität mit sechs Standorten analog zum Modell der Dualen Hochschule nicht sinnvoll ist, weil die PHn bereits selbständige Hochschulen sind. Die Kommission spricht sich aber auch gegen ein individuelles, nur auf die Regionen bezogenes Entwicklungsmodell aus. Die Idee der Zusammenfassung wurde angeblich im Wissenschaftsministerium zunächst als vorteilhaft gesehen. Nach dem oben genannten Zeitungsbericht wird dieses Modell nun aber auch dort für weniger geeignet angesehen.

Stattdessen werden die Alternativen der Schaffung von sechs bildungswissenschaftlichen Hochschulen mit gestärkter LRK oder die Schaffung einer bildungswissenschaftlichen Landesuniversität als Dachverband mit weiterhin selbständigen Hochschulen empfohlen. Dies soll helfen, Verwaltungsabläufe zusammenzufassen, juristische Fragen zu klären, Forschungsaktivitäten zu bündeln und die Neuentwicklung von Studiengängen zu koordinieren.

Die öffentlichen Reaktionen lassen aber vermuten, dass sehr unterschiedliche Strategien in den einzelnen Hochschulen verfolgt werden. Setzen die einen auf die Kooperation in einer Hochschulregion, möchten andere den Status quo bewahren, dritte sehen wiederum nur eine Chance in der verstärkten Kooperation unter den PHn. Wenn keine bestimmte Form der Kooperation von oben verordnet wird, wird es eher zu regionalen und individuellen Entwicklungen kommen. Spätestens im Jahr 2020 wird sich dann zeigen, welche der Strategien erfolgreich war. Vielleicht sprechen wir dann von bildungswissenschaftlichen Hochschulen – mit dieser Namensänderung scheinen alle PHn einverstanden zu sein.

Joachim Schäfer
AG Lehrer/innenbildung

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