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 | (b&w 12/07 Seite 21)
| PISA – abschaffen oder weiter entwickeln?
Leistungsvergleichsstudien: In Berlin diskutierten namhafte Experten auf Einladung des GEW-Hauptvorstands das Für und Wider von internationalen Großstudien wie PISA.
Hans Brügelmann, Erziehungswissenschaftler der Universität Siegen befürwortet durchaus Evaluationsverfahren, um Aussagen über die Qualität des Schulwesens und der Schule zu gewinnen. Allerdings hält er ein Massenprojekt wie PISA nicht für das richtige Instrument. Es existiert nach Brügelmanns Auffassung eine Vielzahl von Datenquellen, die für ein Monitoring des Schulsystems genutzt werden könnten. Auch würde zu wenig deutlich, dass der Umgang mit den Daten, wie etwa die Setzungen von Kompetenzschwellen (z.B. „Risikogruppen“), stark abhängig vom methodischen Setting seien. Trotz dieser Kritik kann Prof. Brügelmann sich eine Weiterentwicklung und Nutzung von PISA vorstellen, allerdings unter der Voraussetzung, dass auch die Grenzen deutlicher benannt werden. Dass PISA auch für politische Maßnahmen als Begründung dient, die gar nicht Gegenstand der Untersuchung waren, zeigt, dass PISA über die Maßen stil- und meinungsbildend wirkt.
Dass der Mathematikdidaktiker Thomas Jahnke aus Potsdam ein erklärter PISA-Gegner ist, weiß man spätestens seit der Veröffentlichung seines Buchs „PISA&Co“. Er stellte grundsätzlich in Frage, dass ein globales Projekt wie PISA brauchbare Daten liefern könne. Auch würden quasi-naturgesetzliche Schlussfolgerungen aus den Ergebnissen gezogen, obwohl kaum jemand die erhobenen Daten und die Erhebungsinstrumente wirklich kenne. Jahnke kritisierte die starke Einbindung privater Unternehmen bei der Erhebung der Daten und kanzelte PISA als „Zeitgeistunternehmen“ ab. Er verwies auch darauf, dass Schulsysteme die stark Test gesteuert seien, keineswegs bessere Leistungen oder mehr Chancengerechtigkeit zu verzeichnen hätten.
Matti Meri, ehem. Direktor des Lehrerausbildungsinstituts der Universität Helsinki, konnte aus Finnland einen recht gelassenen Umgang mit den PISA-Ergebnissen berichten –und dies nicht nur, weil Finnland gemeinhin als der PISA-Sieger gilt. In Finnland hat man viel Erfahrung mit Selbstevaluation und nutzt diese in erster Linie für die individuelle Entwicklung der Schüler/innen. Dabei stehen die Schwächeren im Zentrum der Bemühungen.
Unternehmungen wie PISA seien dann sinnvoll, wenn sie tatsächlich für die qualitative Verbesserung im Schulsystem – und das bedeutet in Finnland eben individuelle Förderung – genutzt werden.
Andreas Schleicher, leitet bei der OECD die Abteilung für Indikatoren und Analysen im Direktorat für Bildung und ist internationaler Koordinator der PISA-Studien. Er versteht PISA als ein Angebot an die Mitgliedsstaaten der OECD, als ein Instrument, mit dem man Stärken und Schwächen von Bildungssystemen aufzeigen kann. Diesen „Blick von außen“ hält Andreas Schleicher für unabdingbar. Ob PISA etwas bewirke, müsse man daran messen, ob eine spürbare Verbesserungen in der Bildungsqualität und der Chancengerechtigkeit erreicht wird. Für die OECD sei ein wichtiges Ziel von Bildung, Schüler/innen zu befähigen, sich in einer zunehmend vernetzten, heterogenen und komplexen Welt zurecht zu finden. Die in PISA getesteten Kompetenzen sein dafür zentral, wenn auch längst nicht erschöpfend. Hunderte von Wissenschaftlern arbeiten seit vielen Jahren in einem internationalen Zusammenhang an der Konzeption der PISA-Studien. Ein derart offenes und interdisziplinäres Projekt suche seinesgleichen.
Bewertung der Debatte
Auch wenn man ein Unterfangen wie PISA kritisch betrachten muss, –hinsichtlich der begrenzten Auswahl der getesteten Kompetenzen und hinsichtlich der Gefahr eines technizistischen Verständnisses sozialer Probleme durch einseitige Evaluationsverfahren – die Kritiker von PISA konnten nicht überzeugen:
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