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Pfad zur Seite:Startseite - Aktuell - Presse - Pressemitteilungen 2005 - Jan. - März 2005 - PM 08/05: Studiengebühren

PM 08/05: Studiengebühren

26.01.05: Erststudium gebührenfrei


GEW: Alleingang Frankenbergs würde Hochschulen schaden
(Entscheidung Bundesverfassungsgericht zu Studiengebühren)

Stuttgart – „Wenn Baden-Württemberg nach der Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts im Alleingang Studiengebühren einführt, werden viele Studierende in Bundesländer mit gebührenfreien Hochschulen fliehen. Der Wissenschaftsstandort Baden-Württemberg würde geschwächt. Wir schlagen Wissenschaftsminister Frankenberg vor, jetzt mit Studierenden, Beschäftigten und Interessenverbänden über Sinn und Zweck von Studiengebühren zu diskutieren. Bisher ist die Frage nicht beantwortet, wie Studiengebühren eingesetzt werden sollen“, sagte am Mittwoch (26.01.) in Stuttgart Rainer Dahlem, Landesvorsitzender der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Baden-Württemberg.

Die GEW setzt sich für ein gebührenfreies Erststudium und den Ausbau des Stipendien- und Bafög-Systems ein und unterstützt die Proteste der Studierenden. „Wir haben nicht zu viele, sondern zu wenige Studierende. Unsere Hochschulen werden für Abiturienten nicht attraktiver, wenn sie nach ihrem Studium mit mindestens 6.000 Euro Schulden ins Berufsleben starten müssen", so Dahlem.

Die Bildungsgewerkschaft befürchtet, dass durch die Einführung von Studiengebühren junge Menschen vom Studium abgehalten werden. „Deutschland ist im internationalen Vergleich das Land, in dem der Bildungserfolg am stärksten durch die soziale Herkunft bestimmt wird. Im Gegensatz zu Ländern wie Australien haben wir auch kein funktionierendes Stipendien-System, das jungen Menschen mit knappem Geldbeutel ein Studium erlaubt“, widerspricht Dahlem dem baden-württembergischen Wissenschaftsminister Peter Frankenberg.


Pressemitteilungen 2005
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Weitere Informationen


Aktionsbündnis gegen Studiengebühren

Landesastenkonferenz BW




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Studiengebühren - einige Zahlen

Studium kostet 40.000 Euro

Studierende in Deutschland zahlen im Schnitt 40.000 Euro für ihr Studium. Durch Studiengebühren würde sich diese Summe um mindestens 6.000 Euro (500 Euro pro Semester, Regelstudienzeit 12 Semester) erhöhen und viele Studierwillige abschrecken.


Deutschland fehlt qualifizierter Nachwuchs

Im OECD-Schnitt studieren 51 Prozent eines Altersjahrgangs, in Deutschland dagegen nur 37 Prozent. Um die derzeitige Akademikerzahl zu halten, müssten in Deutschland künftig 60 Prozent eines Jahrgangs ihr Studium erfolgreich beenden. Im internationalen Vergleich liegt Deutschland in Bezug auf den Anteil eines Jahrgangs mit Hochschulabschluss von 25 OECD-Ländern auf Platz 21.


Studiengebühren führen nicht zu kürzerer Studienzeiten

Bereits jetzt arbeiten fast 70 Prozent der Studierenden, um Studium und Lebensunterhalt zu finanzieren. Wer künftig noch zusätzlich für Studiengebühren jobben muss, wird länger studieren.


Staatliche Förderung – es geht auch anders

In den skandinavischen Ländern, in denen weit mehr junge Erwachsene ein Studium abschließen, ist nicht nur das Studium gebührenfrei, es gibt auch eine bessere staatliche Förderung. Schweden bezuschusst 67 Prozent der Studierenden, Norwegen 69 Prozent und in Dänemark sind es 93 Prozent. In Deutschland erhalten 33 Prozent die Bafög-Vollförderung


Völkerwanderung der Studierenden oder Verzicht auf das Studium

Bereits die Einführung von Gebühren für Langzeitstudierende führte zur Flucht vieler Studierender an Hochschulen ohne diese Gebühr. Rheinland-Pfalz, das keine Studiengebühren einführen will, erwartet bereits jetzt eine „kleine studentische Völkerwanderung“, so Wissenschaftsminister Zöllner.
In Österreich werden an den Universitäten seit 2001 Studiengebühren in Höhe von 726 Euro jährlich verlangt. Dort sanken die Studienanfängerzahlen stark, während sie an den gebührenfreien Fachhochschulen stiegen.


Finanzieller Effekt von Studiengebühren

Der finanzielle Effekt von Studiengebühren wird überschätzt. Ein nicht unerheblicher Teil des Gebührenaufkommens würde von Verwaltungskosten aufgezehrt. Gleichzeitig entstünden neue Steuerausfälle, weil die Eltern in ihrer Steuererklärung einen höheren Ausbildungsfreibetrag für ihre Kinder geltend machen könnten – wobei die Besserverdienenden erneut begünstigt würden.
Der finanzielle Effekt verschwindet vollends, wenn die Frage einbezogen wird, wie die erforderlichen Darlehen und Stipendien finanziert werden sollen. Wenn zum Beispiel die Kreditanstalt für Wiederaufbau, die bereits Bafög-Darlehen abwickelt, hier tätig wird, wäre ein Kapitalstock von acht Milliarden Euro erforderlich, wenn nur ein Drittel der Studierenden bei Studiengebühren von 500 Euro pro Semester ein entsprechendes Stipendium oder Darlehen in Anspruch nähme.

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