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Pfad zur Seite:Startseite - Aktuell - Presse - Pressemitteilungen 2007 - Jul. - Sep. 2007 - PM 50/07: Unterrichtsversorgung

PM 50/07: Unterrichtsversorgung

20.07.07: Schulämter schlagen Alarm: Schlechtere Unterrichtsversorgung

GEW: Eltern sollen sich für mehr Lehrerstellen stark machen

Stuttgart – Ab September wird sich die Unterrichtsversorgung an den baden-württembergischen Schulen stark verschlechtern. „Wir erhalten immer mehr Informationen aus der Schulverwaltung, dass selbst der Pflichtunterricht nicht überall gesichert ist und es kaum noch Gelder für Vertretungen und ergänzende Angebote wie Förderunterricht gibt. Ursache sind Milchmädchenrechnungen, die davon ausgehen, dass zurückgehende Schülerzahlen automatisch zu weniger Klassen in den Schulen führen. Aber an einer einzügigen Grundschule werden durch den Schülerrückgang keine Stellen eingespart, sondern die Klassen werden kleiner. Wir verstehen nicht, warum das Kultusministerium die Hilferufe aus den Schulen ignoriert“, sagte am Freitag (20.07.) in Stuttgart Rainer Dahlem, Landesvorsitzender der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW).

Bis Montag (23.07.) müssen alle Schulen dem Kultusministerium ihre aktuellen Schülerzahl-Prognosen für das nächste Schuljahr liefern. „Die Landesregierung hat dann die Zahlen und muss noch vor der Sommerpause die gekürzten Mittel für Krankheitsvertretungen deutlich erhöhen und mehr Lehrerinnen und Lehrer einstellen. Wir rufen alle Eltern auf, sich bei ihren Landtagsabgeordneten für neue Stellen einzusetzen“, so Dahlem.

An den Beruflichen Schulen gibt es im laufenden Schuljahr bereits ein strukturelles Unterrichtsdefizit von 4,4 Prozent. Da in den Mangelfächern die Direktbewerbungen zurückgegangen sind, erwarten vor allem die gewerblichen Schulen mehr Unterrichtsausfall und steigende Klassengrößen. An den Gymnasien werden weitere Arbeitsgemeinschaften und Fördermaßnahmen gestrichen werden müssen. Nach den ersten Rückmeldungen ist zu erwarten, dass die Übertrittsquote stärker als in vergangenen Jahren angestiegen ist und mehr Stellen als erwartet für die neuen fünften Klassen benötigt werden.

An den Grund- und Hauptschulen rechnet die GEW mit einer Verschlechterung der Unterrichtsversorgung um 10 Prozent, die Realschulen werden weiterhin die vollsten Klassenzimmer im Südwesten haben.


Mittel für Vertretungen fehlen

Nach Einschätzung der GEW sollten sich die Eltern darauf einstellen, dass im nächsten Schuljahr ihre Kinder in weiterführenden Schulen häufiger bereits am Vormittag wieder vor der Haustüre stehen. Die Mittel für Vertretungen und Ergänzungsunterricht wurden gekürzt, obwohl die Ausfälle zunehmen. Das liegt unter anderem daran, dass in den vergangenen Jahren mehr junge Lehrerinnen eingestellt wurden und es wieder mehr Anträge auf Mutterschutzurlaub und Elternzeit gibt.


Unterrichtsversorgung wird schlechter: Beispiele aus Schulämtern

Ein Amtsleiter beginnt seinen Brief an die Schulen zur Unterrichtsversorgung: „Sie kennen sicher die Geschichte: Eine Stimme aus dem Nichts sprach zu mir: Es hätte schlimmer kommen können. Und es kam schlimmer!“

Ein anderer Schulamtsdirektor schreibt: „Es ist davon auszugehen, dass für das Schulleben wichtige und mit Engagement und Kompetenz erfüllte Bereiche, was wir im Amt für Schule und Bildung ebenso bedauern wie Sie, aller Voraussicht nach nicht mehr bzw. nicht mehr in bisherigem Umfang über den Ergänzungsbereich unterstützt werden können.“

Aus einem Gespräch von Kultusminister Helmut Rau mit Schulleitern von Gymnasien wird berichtet: „Minister Rau ist von den Zahlen und der Beschreibung der Situation einigermaßen überrascht. Er geht davon aus, dass die diesjährige Lehrerversorgung aufgrund der statistischen Ausgangsdaten ausreichend sein müsste. Keiner der Beteiligten konnte sich die Herkunft dieser augenblicklich sich abzeichnenden dramatischen Defizite erklären.“

Offenbar stimmen auch die Zahlen der Schulämter nicht immer mit der tatsächlichen Situation an den Schulen überein: In einem nordbadischen Schulamtsbezirk meldete das Schulamt für die Realschulen einen Überhang von 90 Unterrichtsstunden, jetzt ergab ein Treffen von Vertreter/innen dieser Schulen, dass im Pflichtbereich 85 Stunden fehlen. Dort wurde auch bekannt, dass an Realschulen Chöre und Förderstunden für Lese-Rechtschreib-Schwäche sowie Mathematik gestrichen werden müssen, weil die Gelder für Brückenkurse in Französisch und zusätzliche Englischstunden in den Eingangsklassen der Rheinschiene benötigt werden.

Aus mehreren Schulen wird berichtet, dass diskutiert wird, die mit den Bildungsplanreform begonnene Arbeit an eigenen Profilen zu beenden, da die Lehrerstunden zur Sicherung des Pflichtunterrichts benötigt werden.


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