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PM 6/04: Berufliche Bildung

18.2.04: Berufliche Bildung im freien Fall


Bildungsträger stehen vor dem Aus - Qualität bleibt auf der Strecke

Stuttgart - Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) schätzt, dass in Baden-Württemberg bis zu 30 der 80 Bildungsträger für die berufliche Bildung benachteiligter Jugendlicher vor dem Ruin stehen. "Durch die neuen Vergabemethoden der Agenturen für Arbeit können zunehmend Billiganbieter mit Dumpingangeboten Bildungsmaßnahmen für Jugendliche übernehmen. Dadurch bleibt die Qualität auf der Strecke und die Arbeitsplätze von vielen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in der beruflichen Bildung sind bedroht", sagte heute (18.2.) in Stuttgart Rainer Dahlem, Landesvorsitzender der GEW.

Bisher haben die Agenturen für Arbeit die Bildungsträger einzeln beauftragt, ab Februar ist bundesweite Ausschreibung vorgeschrieben. Dadurch können sich auch Bildungsträger, die in Baden-Württemberg über keine Einrichtungen verfügen, mit Dumpingangeboten Aufträge sichern. Bildungsträger, die auf zeitlich befristete, sozialversicherungsfreie Arbeitsverträge verzichten, können dem Wettbewerb kaum standhalten. "Bildung ist keine Ware, die man ohne Qualitätsverlust durch Rationalisierung und Umstrukturierung beliebig verbilligen kann. Die Politik wird die Frage beantworten müssen, ob sie ihrer Verantwortung vor allem für die benachteiligten Jugendlichen noch gerecht wird", sagte Dahlem.

Ein Anfang Februar abgeschlossenes Vergabeverfahren in der Region Stuttgart bestätigt die Befürchtungen der GEW. Für ein Paket mehrerer Maßnahmen zur beruflichen Bildung wurden zwischen ein und sechs Millionen Euro geboten. Eine Bietergemeinschaft von renommierten Trägern aus Baden-Württemberg mit erfahrenen und fest angestellten Mitarbeiter/innen hatte äußerst knapp kalkuliert und trotz einem Angebot von 4,3 Millionen Euro keine Chance bei der Ausschreibung gehabt.

Benachteiligte Jugendliche im sozialen Abseits

"Die billigen Angebote können nur mit schlecht bezahlten Honorarkräften und pädagogischen Verschlechterungen zustande kommen. Es trifft besonders benachteiligte Jugendliche, die oft arbeitslos und ohne Hauptschulabschluss im sozialen Abseits stehen. Ohne faire Chance auf eine gute Ausbildung entsteht ein soziales Pulverfass, das am Ende viel mehr Geld kostet als die Ausbildungsförderung", so Dahlem.

Podiumsdiskussion am 18.2.04 in Stuttgart
Heute diskutieren Vertreter und Vertreterinnen aus Politik, Trägerverbänden, der Agentur für Arbeit, Gewerkschaften und Beschäftigte über den Zerfall der beruflichen Bildung. Im Mittelpunkt der Auseinandersetzung heute im DGB-Haus stehen die Berufsvorbereitung und -ausbildung von Jugendlichen.

An der Podiumsdiskussion sind beteiligt:

Prof. Dr. Dorit Loos, Stadtrat Stuttgart, CDU
Rudolf Helfrich, Bundesverband der Träger beruflicher Bildung (BBB)
Thomas Schürle, Agentur für Arbeit/Regionaldirektion Baden-Württemberg
Reinhard Neudorfer und Michael Kasten, Bündnis zum Erhalt der Berufsvorbereitung/-ausbildung und Weiterbildung
Ursula Herdt, Berufliche Bildung u. Weiterbildung GEW Hauptvorstand
Peter Petersen, ver.di Gesamtbetriebsrat Grone-Schule, Hamburg
Inge Goerlich, GEW (Moderation)


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