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PM 78/04: PISA 2003

06.12.04: Schulreform unter Oettinger?


Initiative für mehr Förderunterricht und bessere Lehrerbildung

Stuttgart - Eine Initiative für bessere individuelle Förderung an den baden-württembergischen Schulen und eine grundlegende Reform der Lehrerbildung schlägt die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) angesichts der ersten Ergebnisse der internationalen Vergleichsstudie "PISA 2003" vor. Die größte bildungspolitische Interessenvertretung im Südwesten bietet dem zukünftigen Ministerpräsidenten Günther Oettinger eine gemeinsame Debatte über eine grundlegende Schulreform an.

"Die wichtigste Nachricht der neuen PISA-Studie ist nicht die leichte Verbesserung in der Länderrangfolge, sondern das erschreckende Ergebnis, dass weiterhin jeder vierte 15jährige nur auf Grundschulniveau rechnen und lesen kann. Zudem ist noch stärker als im Jahr 2000 der Bildungserfolg von der sozialen Herkunft der Kinder abhängig. Seit Jahren werden in Baden-Württemberg Förderangebote reduziert. Wir brauchen deshalb noch im nächsten Jahr eine Initiative für mehr Förder- und Stützunterricht an den Grund- und Hauptschulen", sagte am Montag (6.12.) in Stuttgart der GEW-Landesvorsitzende Rainer Dahlem.

Trotz der leichten Verbesserungen seit "PISA 2000" gibt es nach Ansicht der GEW bisher keine Lösungen für die Kernprobleme in den deutschen Schulen. "Im Unterschied zu den PISA-Siegerländern gelingt es uns kaum, die schwächeren Schülerinnen und Schüler gezielt zu fördern. Es ist deshalb unsinnig, dass die baden-württembergische Landesregierung nicht bereit ist, über eine Reform des dreigliedrigen Schulsystems zu diskutieren und an der Halbtagsschule festhält. Günther Oettinger hat die Chance, Bewegung in die festgefahrene Debatte zu bringen. Eine längere gemeinsame Schulzeit und Ganztagsschulen sind in den PISA-Siegerländern eine Selbstverständlichkeit", so Dahlem.


39 Sekunden Förderunterricht pro Schüler/in

In den 2.600 Grund- und Hauptschulen mit gut 660.000 Schüler/innen gab es im Schuljahr 2003/04 nur für jede vierte Grund- und Hauptschulklasse eine Förderstunde und nur für jede zehnte Klasse eine Stunde Ausländerförderunterricht. "Für jeden Schüler standen im Durchschnitt 39 Sekunden pro Schuljahr zur Verfügung", so Dahlem.
Die enttäuschenden PISA-Ergebnisse hatte die GEW erwartet. "Seit 2001 ist die soziale Schieflage und mangelhafte Chancengleichheit in unserem Schulwesen bekannt. In den vergangenen Jahren wurde es in Baden-Württemberg versäumt, durch den Ausbau der individuellen Förderung und gezielte Lesekompetenztrainings auch die Chancen der aktuellen PISA-Generation zu verbessern", so Dahlem.

79 Schulen aus Baden-Württemberg nahmen teil

Insgesamt gehen 220 Schulen in Deutschland in die internationale Stichprobe ein. Der länderinterne Vergleich PISA-E erweitert die Stichprobe auf 1.500 Schulen, davon 79 aus Baden-Württemberg. Der Ländervergleich wird für September 2005 erwartet.


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