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PM 86/07: Hauptschultage

20.12.07: Hauptschulen sollen sich selbst schön reden

GEW: Oettinger macht hilflose Weihnachtsgeschenke

Stuttgart – „Der Ministerpräsident hat entschieden, dass im Vorfeld der
Grundschulempfehlungen in ganz Baden-Württemberg Hauptschultage stattfinden
sollen“, heißt es in dieser Woche in einem Brief an Hauptschulen in der
Region Stuttgart. Landesweit sollen die 1.200 Hauptschulen in
Baden-Württemberg im Frühjahr 2008 mit Hauptschultagen für ihre Schulart
werben. Bei der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) haben sich
bereits empörte Schulleiter/innen gemeldet. „Ich weiß nicht, wann der
Ministerpräsident zuletzt eine Hauptschule besucht hat. Offenbar glaubt er,
dass die Hauptschulen selbst für die sinkenden Übergangsquoten
verantwortlich sind und sich dies mit etwas Werbung ändern ließe“, so ein
Schulleiter.

„Dieser Weihnachtsbrief an die Hauptschulen demonstriert die große
Hilflosigkeit, mit der die CDU/FDP-Landesregierung mit den zurückgehenden
Schülerzahlen an den Hauptschulen umgeht. Wenn Ministerpräsident Günther
Oettinger den Kindern und Jugendlichen an den Schulen etwas Gutes tun und
die Attraktivität der Hauptschulen verbessern will, sollte er diese besser
mit Lehrerstunden ausstatten. Durch Hauptschultage wird aber kein einziges
Kind mehr von der Grund- auf die Hauptschule wechseln“, sagte am Donnerstag
(20.12.) in Stuttgart Rainer Dahlem, Landesvorsitzender der Gewerkschaft
Erziehung und Wissenschaft (GEW).

Die GEW weist auf die Benachteiligung der Grund- und Hauptschulen gegenüber
den anderen Schularten hin. An den Grund- und Hauptschulen gab es im
Schuljahr 2005/06 für 29.483 Klassen 6.712 Stunden für
Arbeitsgemeinschaften, an den Realschulen für 8.455 Klassen 3.802 Stunden
und an den Gymnasien für 11.849 Klassen 8.366 Stunden.
Die GEW geht davon aus, dass weder das Hauptschulprogramm noch die
Pädagogischen Assistenten das gegliederte Schulsystem auf Dauer retten
können und macht sich für integrative Schulen stark. „An den Hauptschulen
wird engagierte Arbeit geleistet, aber wenn diese Schulart von Arbeitgebern
und Eltern nicht mehr akzeptiert wird, müssen wir unser Schulsystem auf neue
Füße stellen“, sagte Dahlem.


Auszüge aus einem Brief an die Schulleitungen:

Sehr geehrte Damen und Herren,

der Herr Ministerpräsident hat entschieden, dass im Vorfeld der
Grundschulempfehlungen für das Schuljahr 2008/09 in ganz Baden-Württemberg
Hauptschultage stattfinden sollen.

Ziele dieser Veranstaltungen sollen sein, den Eltern der Viertklässler bei
der Bildungsentscheidung explizit die Leistungsfähigkeit, das pädagogische
Engagement und die differenzierten Unterstützungsangebote der Hauptschulen
vor Ort vorzustellen. Außerdem sollen die Grundschullehrkräfte durch diese
Veranstaltungen einen vertieften Einblick in die Hauptschularbeit erlangen,
den sie bei ihren Elternberatungen nutzen können.

Selbstverständlich können ihre Partner im Netzwerk der Schule ebenfalls
Adressaten oder auch Mitwirkende bei dieser Veranstaltung sein. Als
Aktionsrahmen für diese Veranstaltungen eignen sich z.B. Tag der offenen Tür
Ausstellungen, Projektpräsentationen, Aktionen.

Themen und Inhalte können sein: Förderkonzepte in Deutsch und Mathematik,
Persönlichkeitsentwickelnde Angebote, Berufswegeplanung/Praxiszug,
Werkrealschule, Kooperationsklasse HS/BS, Kooperation HS/RS,
Ganztagesschule, Bildungsplan und Schulcurriculum.

Die Hauptschultage sind im Zeitraum vom 18. 02. 2008 bis 07. 03. 2008
verpflichtend von allen Hauptschulen durchzuführen.


GEW: Hauptschultage sind keine Pflicht

„Offenbar ist im Kultusministerium nicht bekannt, dass auch bisher die
Hauptschulen ihre Arbeit in der Öffentlichkeit vorstellen,
Informationsveranstaltungen anbieten und in den lokalen Medien dank des
Engagements der Lehrerinnen und Lehrer ständig über die Arbeit an den
Schulen berichtet wird. Wir weisen alle Schulleitungen darauf hin, dass die
Teilnahme an den angeordneten Hauptschultagen nicht aus Stuttgart verordnet
werden kann“, so Dahlem.


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