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PM 87/07: Unterrichtsausfall

21.12.07: Im Kinderland dürfen die Kinder früher nach Hause gehen

GEW: Ständige Lehrerreserve ist zu klein

Stuttgart – „Bis zu fünf Prozent Unterrichtsausfall sind im selbst ernannten
Kinderland Baden-Württemberg ein Skandal. Die CDU/FDP-Landesregierung ist
mit dem Versprechen angetreten, die Lernbedingungen zu verbessern.
Stattdessen erleben Eltern täglich, dass ihre Kinder früher vor der Haustüre
stehen, weil Unterricht nicht vertreten werden kann. Wenn Kultusminister
Helmut Rau sich schon damit zufrieden gibt, dass es seit 2005 nicht
schlimmer geworden ist, ist das eine Ohrfeige für alle Schülerinnen und
Schüler sowie deren Eltern“, sagte am Freitag (21.12.07) in Stuttgart Rainer
Dahlem, Landesvorsitzender der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft
(GEW).

Die GEW appelliert an die Landesregierung, kurzfristig weitere Lehrerinnen
und Lehrer einzustellen. Die Bildungsgewerkschaft hat in einer Studie
errechnen lassen, dass Baden-Württemberg 5.000 Lehrer/innen für eine
ständige Lehrerreserve bräuchte, damit kein Unterricht mehr ausfällt.
Derzeit gibt es dafür 1.250 Lehrkräfte.

Die GEW weist darauf hin, dass in der Stichprobe Unterrichtsausfall nicht
die zusätzlichen Angebote wie Förderunterricht und Arbeitsgemeinschaften
erfasst wurden. „Wir bekommen über unser Internetportal immer wieder
Meldungen, dass es an Lehrern mangelt. Um den Pflichtunterricht zu sichern,
wurden an den Schulen Arbeitsgruppen und Förderunterricht gestrichen, oft
mussten Klassen zusammengelegt werden“, so Dahlem.

Außerdem müsse berücksichtigt werden, dass Klassenzusammenlegungen oder
Stillarbeit nicht als Unterrichtsausfall gezählt werden. 2005 kamen zu
durchschnittlich 3,1 Prozent Unterrichtsausfall noch 3,9 Prozent hinzu,
sodass tatsächlich in 7 Prozent aller Unterrichtsstunden kein regulärer
Unterricht gegeben werden konnte. An den Beruflichen Schulen gibt es
außerdem zusätzlich ein strukturelles Unterrichtsdefizit, für 4,4 Prozent
der Unterrichtsstunden erhalten die Schulen keine Lehrerstellen.


Beispiele aus dem Internetportal Unterrichtsversorgung:

„Seit Schuljahresbeginn wurde bei unserem Sohn (Gymnasium, 5. Klasse) nur in
einer Woche regulär Unterricht erteilt. Bis zu den Herbstferien gab es zum
Beispiel keine einzige Stunde Musik.“ (19.12.)

„Eine Frechheit, dass Minister Rau verlauten lässt, der Pflichtunterricht
sei gesichert; der blanke Hohn, wenn ich an unserer Schule schaue.“

„Kinderland BW?! Wo liegen die Vorteile für solche Schulen mit besonderem
Profil, wie wir sie waren. Verschlechterung pur!“

„Das Glas ist allmählich voll, vielleicht finden sich auch im
Realschulbereich mutige Schulleiter, die ihre Probleme nach außen tragen.“

„Der Sterbeprozess der Hauptschule wird durch die verkündeten Maßnahmen nur
um ein bis zwei weitere Jahre in die Länge gezogen.“


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