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Editorial Dezember 2008

(b&w 12/08
Seite 3)



Frohe Weihnachten – Wunschzettel für die Bildung!

Liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Leserin, lieber Leser,

Weihnachten steht vor der Tür. Ich möchte Sie nicht daran erinnern, dass es höchste Zeit ist, Ihren persönlichen Wunschzettel zu schreiben und Geschenke zu kaufen. Ich möchte mit Ihnen ausmalen, was wäre, wenn wir einen Wunschzettel für die Bildung schreiben könnten und er in Erfüllung ginge.

Am meisten wäre jeder Bildungseinrichtung vermutlich geholfen, wenn sie sich wünscht, eine Bank zu sein. Dann würde sie von den politisch Verantwortlichen wunschgemäß unterstützt. Dann könnte jede Kindertageseinrichtung und jede Schule Sprachförderung und individuelle Förderung anbieten, die diesen Namen verdient. Dann stünde überall ausreichend qualifiziertes Personal zur Verfügung, um die individuelle Entwicklung aller Kinder und Jugendlichen erfolgreich zu gestalten und nicht ein Fünftel eines Jahrgangs verloren zu geben – mit allen negativen Konsequenzen, die das für die Individuen und die Gesellschaft hat. Als Maßstab für die Ausstattung mit Lehrkräften, Schulsozialarbeiter/innen und Schulpsycholog/innen könnte das Hochbegabtengymnasium in Schwäbisch Gmünd gelten.

Auf meinem Wunschzettel würde die Steigerung der Attraktivität der Berufe im Bildungsbereich stehen, damit der bestehende Erzieherinnen- und Lehrkräftemangel abgebaut werden kann. Auch deshalb wünsche ich mir, dass die von der Politik den Banken zugesagte Unterstützung nicht als Argument für Kürzungen im Bildungsbereich herhalten muss, dass den Beschäftigten im Dienst des Landes bei der Tarif- und Besoldungsrunde 2009 der seit Jahren überfällige Gehaltszuwachs nicht verweigert und nicht nur ein Inflationsausgleich gezahlt wird.

Ich wünsche mir für alle Lehrkräfte an den Schulen, dass sie in Ruhe mit den Kindern und Jugendlichen arbeiten können, ohne wöchentlich neue Modelle, Tests und Projekte anhand umfangreicher Handreichungen umsetzen zu müssen.
Die Abschaffung der nicht akzeptablen Informationspolitik des Kultusministeriums würde ich ebenfalls auf den Wunschzettel schreiben: Es ist mehr als ärgerlich, dass wir ständig damit rechnen müssen, über wichtige Veränderungen in der schulischen Praxis, z.B. die Abschaffung der Noten bei den Vergleichsarbeiten oder die Abschaffung der Hauptschulempfehlung nur über die Presse zu erfahren.

Auch Bundesbildungsministerin Schavan beteiligt sich am vorweihnachtlichen Wunschzettelschreiben. Sie möchte für jede Schule 100.000 und für jede Hochschule 500.000 Euro für Renovierungs- und Modernisierungsmaßnahmen, aber nur, wenn Anfang 2009 die Wirtschaft noch schwächelt. Das liest sich gut, wird aber nicht mehr als eine von vielen Pressemitteilungen bleiben. Selbst wenn das Geld käme: Wir wären weiterhin weit davon entfernt, Schulen als Orte gemeinsamen Lernens und Lebens gestalten zu können. Außerdem müssten auch die Kindertagesstätten und Weiterbildungseinrichtungen in das Projekt einbezogen werden.

Investitionen in Bildung sind nicht primär Konjunkturspritzen für das heimische Handwerk. Sie sind Investitionen in eine gerechte demokratische Gesellschaft, an der alle gleichermaßen teilhaben, unabhängig von ihrer sozialen Herkunft, egal ob behindert oder mit Migrationshintergrund, egal ob männlich oder weiblich. Jeder nicht investierte Euro in frühe Bildung verursacht Folgekosten in siebenfacher Höhe.

Dieser Wunschzettel geht wahrscheinlich an Weihnachten nicht in Erfüllung. Deshalb wünsche ich mir, dass wir uns im Jahr 2009 auf unsere Stärke besinnen und gemeinsam konsequent an der Erfüllung unseres Bildungswunschzettels arbeiten.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine frohe Weihnachtszeit und ein gutes und erfolgreiches Jahr!

Mit kollegialen Grüßen

Ihre Doro Moritz

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