zur Startseite
Pfad zur Seite:Startseite - Aktuell - Zeitschrift b&w - b&w 2008 - Dezember 2008 - Aus- und Weiterbildung

Aus- und Weiterbildung

(b&w 12/08
Seite 6)

60 Jahre IB – zehn Jahre Tarifflucht!

Aus- und Weiterbildung: Am 12. Januar 2009 feiert der IB sein 60-jähriges Jubiläum. In den vergangenen zehn Jahren hat sich die Geschäftsführung des IB jedoch von einer vernünftigen Tarifpolitik verabschiedet.

Seit nunmehr 60 Jahren berät, betreut und beschult der Internationale Bund erfolgreich an mehr als 700 Standorten Kinder, Jugendliche und Erwachsene, Schüler, Arbeitslose und Menschen mit Behinderungen. Aus dem einstigen Sozialwerk ist bis heute einer der größten Bildungskonzerne erwachsen, der neben der gemeinnützigen „Mutter“ eine ganze Reihe von gemeinnützigen und gewerblichen Tochtergesellschaften sowie Beteiligungen an in- und ausländischen Unternehmen unterhält. Eine Erfolgsgeschichte, wie sie im Buche steht. Im Januar kehrt der IB von der Metropole Frankfurt am Main für einen Tag an seinen Gründungsort Tübingen zurück, um dort mit Politik und Prominenz seinen sechzigsten Geburtstag zu feiern.

Der Erfolg ist erkauft auf dem Rücken der Beschäftigten!

Trotz harter Einschnitte durch drastische Sparmaßnahmen im Bereich der Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik, die seit 2002 die gesamte Weiterbildungsbranche belasten, betrachtet sich der IB heute als saniert. Insbesondere in Baden-Württemberg hat er auf die Erschließung neuer Geschäftsfelder gesetzt und ist in vergleichsweise wenigen Jahren zu einem der größten Träger privater Ersatz- und Ergänzungsschulen avanciert. Die Zeichen stehen weiterhin auf Wachstum.

Arbeitsentgelte sanken seit 1997 stetig

Doch dieses Wachstum ist erkauft mit dem Verzicht der Beschäftigten auf angemessene tarifliche Arbeitsbedingungen. Bereits 1997 kündigte der IB e. V. sämtliche Tarifverträge, die damals noch in weiten Teilen dem Tarifwerk des öffentlichen Dienstes entsprachen, und stellte neue Mitarbeiter/innen tariffrei zu deutlich schlechteren Konditionen ein. Erst 2001 schloss der IB e.V. wieder einen Entgelttarifvertrag ab, um ihn dann 2005 wieder zu kündigen und die Gehälter neu einzustellender Kolleg/innen wiederum um 17 Prozent abzusenken. Im Anschlusstarifvertrag 2006 wurde eine neue Entgeltstufe für „Anfänger“ (unterhalb der bisherigen Stufe 1) eingeführt und eine Einfrierung aller Gehälter für drei Jahre –bis November 2008 – vereinbart. Die Reallohnverluste der Beschäftigten seit 2005 liegen im zweistelligen Bereich. Seit 1997 sank außerdem das Weihnachtsgeld von 80 Prozent eines Monatsgehaltes auf 1.200 Euro. Die Verhandlungen eines ersten Paketes für manteltarifliche Regelungen – Arbeitszeit, Urlaub, Kündigungsfristen – dauerten mehr als zehn Jahre. Hierbei hat sich der IB darauf versteift, Lehrkräften und Ausbilder/innen keine Vor- und Nachbereitungszeit mehr zu gewähren.

Während dieses Zeitraums wurden außerdem immer wieder Teile des IB e.V. in die tariffreie IB GmbH ausgegliedert, die auf knapp 2.000 Beschäftigte anwuchs. Teilweise geschah dies durch geregelte Betriebsübergänge nach § 613 BGB, teilweise jedoch auch dadurch, dass sich an den Ausschreibungen der Bundesagentur für Arbeit an bestimmten Standorten nicht mehr der IB e.V., sondern die IB GmbH beteiligte. Diese kalkuliert mit niedrigeren Gehältern und sorgt somit für eine ernsthafte Dumpingkonkurrenz im eigenen Haus.

IB verweigert Mindestlohntarifvertrag und Allgemeinverbindlichkeit

Noch im Januar 2001 setzte sich der IB mit einer tarifpolitischen Arbeitstagung für die Bildung eines Arbeitgeberverbandes und das Ziel, tarifliche Standards branchenweit zu etablieren, ein. Heute betreibt er nicht nur selbst aktiv Tarifflucht. Vielmehr weigert er sich inzwischen auch, den zwischen dem Bundesverband Berufliche Bildung (BBB) und den Gewerkschaften ver.di und GEW geschlossenen Mindestlohntarifvertrag auf dem Weg zur Allgemeinverbindlichkeit zu unterstützen.

Verabschiedet hat sich der IB auch längst vom so genannten Normalarbeitsverhältnis – einer unbefristeten Vollzeitbeschäftigung. Eine immer größere Anzahl von Honorarkräften, Minijobs (400 Euro) und Midijobs (800 Euro) und sachgrundlos befristeten Arbeitsverhältnissen, ersetzte in den vergangenen Jahren immer größere Teile einer qualifizierten und berufserfahrenen Belegschaft, die in den Schulen und in den Maßnahmen der Bundesagentur für Arbeit für Kontinuität und Qualität sorgt.

Der Festakt am 12. Januar 2009 zum 60-jährigen Jubiläum des IB hat einen großen Schatten: Es sind die Beschäftigten des IB, die dieses Jubiläum nicht nur durch ihren alltäglichen Einsatz unter schwieriger werdenden Bedingungen ermöglichen, sondern auch mit massivem Gehaltsverzicht bezahlt haben. Eingeladen sind sie nicht.
Simone Ernst,
Mitglied der Tarifkommission

Die Beschäftigen des IB werden das
Jubiläum auf ihre eigene Weise feiern.
Nähere Infos per E-Mail bei:
E-Mail-Adresse

SucheHilfeEmailSitemapDruckversion
Suche,Hilfe,Email,Sitemap