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Beförderungen

(b&w 12/08
Seite 12f)

Fachlehrer fordern 3 Mio Euro von der Politik

Beförderungen: In einer landesweiten Aktion haben Fachlehrer/innen und Technische Lehrer/innen die Landtagsabgeordneten in persönlichen Gesprächen auf die katastrophale Beförderungssituation aufmerksam gemacht.

In den nächsten Wochen diskutieren die Abgeordneten des baden-württembergischen Landtags den Haushalt für das Jahr 2009. Die Fachlehrer/innen und Technischen Lehrer/innen verlangen, dass der Landtag sofort neue Beförderungsstellen schafft! Aktuell warten über 2000 dieser Lehrkräfte auf die, ihnen seit Jahren zustehende Beförderung. Die GEW fordert, dass in einem Stufenplan pro Jahr 33 Prozent befördert werden, so dass in drei Jahren der Beförderungsstau abgebaut wäre.

Ein Jahr lang wurde die Kampagne vom GEW-Landesfachgruppenausschuss Fachlehrer vorbereitet. Bis zum 15.11.2008 wurden insgesamt 82 von 139 Abgeordneten kontaktiert. Über alle Fraktionen hinweg herrschte, bis auf wenige Ausnahmen, eine große Unkenntnis über die Unterrichtstätigkeit, die Besoldung, das Deputat und die sonstigen Aufgaben dieser Lehrergruppe. Insbesondere die Tatsache, dass Fachlehrer vielfach als Klassenlehrer eingesetzt sind und genauso, wie die wissenschaftlichen Lehrkräfte nach dem Bildungsplan unterrichten und Förderpläne erstellen, war den Politiker/innen nicht bekannt.

Folgende Teilaussagen der Fraktionen sollen hier nur beispielhaft dargestellt werden:

Krueger (CDU) sieht auf Grund der Tätigkeit als Klassenlehrer eine Möglichkeit der Höhergruppierung. Wohl erst im Doppelhaushalt 2010/2011 eine Chance für Stellenhebungen.
Zeller (SPD) ist gut informiert, äußert volle Unterstützung und Verständnis, Anfrage an Landtag gestellt (LDS 14/3094).
Berroth (FDP) sieht ungerechte Situation, Forderungen nachvollziehbar.
Döpper (CDU) will Gehaltsunterschiede ändern und sich für gerechte Bezahlung einsetzen.
Noll (FDP) überrascht, dass Fachlehrer in allen Schularten arbeiten.
Schmiedel (SPD) will Anliegen in Haushaltsberatungen einbringen.
Hausmann (SPD) ist entsetzt über Gehaltshöhe der Fachlehrer, unterstützt Stellenhebung und Weiterqualifizierungsmöglichkeiten.
Kluck (FDP) will sich bei der Dienstrechtsreform für Gleichbehandlung einsetzen.
Schlachter (Grüne) will Anliegen in Haushaltsvorschläge der Grünen aufnehmen.
Lazarus (CDU) ist offen und interessiert, über Situation gut informiert, sichert Unterstützung zu.
Rastätter (Grüne) ist gut informiert, Stufenplan sinnvoll, Forderung in Haushaltsberatungen.
Stratthaus (CDU) kannte Fachlehrer nicht, es gab Stellenhebungen bei der Polizei und bei der Finanzverwaltung, rechnet nach, was Stellenhebungen kosten werden.
Rülke (FDP) hat kleine Anfrage gestartet, im Zuge der Beförderung der Hauptschullehrkräfte evtl. auch eine Möglichkeit für Fachlehrer.
Queitsch (SPD) Einsatz für Stellenhebungen im kommenden Haushalt, will Rau an das Wahlversprechen seiner Vorgängerin erinnern, d.h. Gleichstellung der Fachlehrer.
Rau (CDU) kennt Fachlehrer-Belange, leider Hände gebunden, will sich für bessere Besoldung einsetzen.
Schebesta (CDU) alles Geld für 2009 in der Qualitätsoffensive Bildung, evtl. Chancen im nächsten Doppelhaushalt.

Auf Grund der zahlreichen Briefe, die Abgeordnete zur Klärung der Sachlage an das Kultusministerium geschrieben haben, wird erschreckend deutlich, dass auch das KM keine bzw. falsche Vorstellungen von der Arbeit der Fachlehrkräfte hat. So schreibt Minister Rau an den Abgeordneten Dr. Dieter Birk (CDU): „… Bedingt durch die unterschiedlichen Wege bei der Ausbildung unterscheidet sich auch die Unterrichtstätigkeit dieser Lehrkräfte. Die Sonderschullehrer werden u.a. über den Kernbereich des Unterrichts hinaus als Klassenlehrer eingesetzt. Zusätzlich erstellen sie förderdiagnostische Gutachten und Förderprogramme. Aus den dargelegten Gründen ist die unterschiedliche Besoldung begründet.“



GEW-Vertreter/innen im Gespräch mit Volker Schebesta (4.v.r.) und Andrea Krueger (2.v.r.) beide CDU AK Schule.

Einsatzbereiche von Fachlehrer/innen

Doch wie sieht die Realität an den Schulen aus? An den Sonderschulen werden sowohl Fachlehrer, als auch Sonderschullehrer als Klassenlehrer eingesetzt. Beide Lehrergruppen erstellen Förderprogramme für die Schüler/innen, da ohne diese Förderprogramme an diesen Schularten kein individueller Unterricht möglich wäre. Der einzige Unterschied in der Tätigkeit besteht darin, dass einige Sonderschullehrkräfte diagnostische Gutachten erstellen, alle anderen Tätigkeiten in der Schule sind identisch – die Fachlehrer erhalten dafür jedoch ca. 1.000 Euro weniger Gehalt und haben dafür aber eine um fünf Stunden höhere Unterrichtsverpflichtung.

Auch in der Landtagsanfrage des Abgeordneten Norbert Zeller (SPD) zeigen Aussagen des Ministeriums die Unkenntnis über die Arbeit der Fachlehrkräfte. Das Ministerium vertritt immer noch die Meinung, dass Fachlehrer nur in ihren Fächern eingesetzt werden. Dies entspricht aber ganz und gar nicht der Realität. Musisch-techn. Fachlehrkräfte werden insbesondere seit Einführung der neuen Bildungspläne in den kompletten Fächerverbünden an Grund-, Haupt-, Real- und Sonderschulen (Förderschulen) eingesetzt. Sie unterrichten fachfremd, obwohl sie auf Grund ihrer Ausbildung lediglich für bestimmte Fächer ausgebildet sind und nicht, wie die wissenschaftlichen Lehrkräfte, eine Lehrbefähigung für die Schulart erworben haben. An Grundschulen unterrichten diese Lehrkräfte z.B. den kompletten Fächerverbund MNK, dieser beinhaltet neben den Fächern der m.t. Fachlehrer auch Heimat- und Sachkunde. Ebenso unterrichten Fachlehrer Englisch an Grundschulen und Religion (der GEW liegen zahlreiche konkrete Fälle vor!). Fachlehrer an Gymnasien sind durch die Ausbildung lediglich für ihr erlerntes Fach in der Sekundarstufe 1 vorgesehen. Im Schulalltag werden sie jedoch auch in der Sekundarstufe 2 (Grundkurse) eingesetzt, sind Zweit- und Drittkorrektoren der schriftlichen Abiturklausuren und Mitglied der Prüfungskommissionen im Abitur.

CDU hat Verständnis aber kein Geld für Fachlehrer!

Der Landtagsdrucksache 14/3094 ist zu entnehmen, dass für die geforderten Beförderungsstellen pro Jahr 3 Mio. Euro im Haushalt des Landes eingestellt werden müssen. FDP, SPD und Grüne haben diese notwendige Summe in ihre Anträge für den Haushalt 2009 eingestellt. Doch was macht die CDU? Im Gespräch mit GEW-Vertreter/innen teilt der Vorsitzende des CDU-Arbeitskreises Schule Volker Schebesta mit, dass die Fraktion zwar Verständnis für unsere Situation habe, aber derzeit kein zusätzliches Geld bereit stehen würde, da ca. 530 Mio. Euro bereits in die Qualitätsoffensive Bildung gehen.
Das hilft uns nicht weiter! Seit Jahren werden wir vertröstet und fordern nun auch die CDU auf, ihrem Wahlspruch „Leistung muss sich wieder lohnen“ gerecht zu werden – gegen diesen eigenen Wahlspruch verstößt die Landesregierung gerade bei den Fachlehrern seit vielen Jahren. Die GEW wird intensiv beobachten, wie sich die Landtagsabgeordneten bei der Abstimmung des Haushalts 2009 verhalten. Sonntagsreden helfen nicht weiter – die Fachlehrer/innen und Technischen Lehrer/innen wollen die Anerkennung ihrer Arbeit endlich auch im Geldbeuteln spüren!

Wir danken auf diesem Weg recht herzlich allen Kolleginnen und Kollegen, die sich bisher an den Gesprächen mit den Abgeordneten beteiligt haben. Diese Aktion ist ein Erfolg, da noch nie so viele Abgeordnete über unsere Situation direkt informiert wurden. Nun muss die Politik Farbe bekennen. Über den Ausgang der Beratungen um den Haushalt 2009 werden wir weiter informieren.

Margit Stolz-Vahle, Vorsitzende der Fachgruppe Fachlehrer/innen



GEW-ler/innen des Kreises Rhein-Neckar/Heidelberg überreichen im Sinsheimer Rathaus Infos zur Fachlehrer-Aktion (v.l.n.r.): Reinhard Retzlaff, CDU-MdL Elke Brunnemer, Karin Esche-Grössl und Martina Rost.

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