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 | (b&w 1-2/09 Seite 13)
| IGLU-E 2006: Grundschulen nach wie vor Spitze!
IGLU ist die Grundschul-Lese-Studie, die vom internationalen Evaluations-Verbund* alle fünf Jahren durchgeführt wird. Wie bei PISA wird IGLU in Deutschland durch eine nationale Erweiterung ergänzt (IGLU-E), um Vergleiche zwischen den Bundesländern zu ermöglichen und wurde im Dezember 2008 vorgestellt.
Ergebnisse
Wie die IGLU-Autoren in ihrer Kurzfassung schreiben, haben sich gegenüber der ersten IGLU-Studie 2001 die Leseleistungen in Deutschland weiter verbessert, jedoch sind diese Verbesserungen nur in Bayern signifikant. Die Auswertung der Ergänzungsstudie 2006 ergab, dass die Grundschülerinnen in den Bundesländern nach wie vor überwiegend gute bis sehr gute Leistungen im Lesen zeigen. Insbesondere Thüringen zeichnet sich durch hervorragende Leseleistungen seiner Grundschüler/innen aus. Die Stadtstaaten Berlin, Bremen und Hamburg tun sich allerdings – vergleichsweise – schwer und kommen über das EU-Durchschnittsniveau nicht hinaus.
Bemerkenswert ist vor allem die geringe Leistungsstreuung, d.h. der Abstand zwischen den schlechtesten und den besten Leistungen. In der ebenfalls im Dezember 2008 veröffentlichten dritten PISA-Studie war dies erneut ein großes Problem der Schüler/innen in der Sekundarstufe.
Schaut man sich die Teilbereiche der getesteten Leseleistungen genauer an, werden Unterschiede in den Kompetenzen sichtbar: Bei den so genannten „Wissensbasierten Lesekompetenzen“, wo es um die Reflektion über Inhalte und Textstrukturen unter Heranziehung von nicht im Text enthaltenem Wissen geht, schneiden die Grundschüler/innen generell schlechter ab als bei textimmanenten Verstehensleistungen.
Die Lesemotivation ist bei den Grundschüler/innen grundsätzlich hoch. Mädchen haben jedoch eine deutlich positivere Einstellung zum Lesen als die Jungen. In Baden-Württemberg, im Saarland und in Mecklenburg-Vorpommern ist diese Geschlechterdifferenz besonders ausgeprägt.
Rahmenbedingungen
Wie bei der bekannteren Schulleistungsstudie PISA untersucht auch IGLU, unter welchen Bedingungen die getesteten Leistungen zu Stande kommen. Dabei werden unterrichts- und schulbezogene Merkmale, die soziale Herkunft und der Migrationshintergrund als Faktoren herangezogen. Die IGLU-Studie vergleicht unter anderem Jahresunterrichtszeiten, den Zugang zu Computern, den Unterrichtsanteil der Schulleitungen und den Anteil des Leseunterrichts am Gesamtunterricht. Zumindest in der Kurzfassung der Studie bleiben die Zusammenhänge dieser Faktoren zu den Leseleistungen jedoch vage oder sind erwartungswidrig. So ist zum Beispiel der Anteil des Leseunterrichts seit der ersten IGLU-Studie zurück gegangen und dennoch haben sich die Kompetenzen in diesem Zeitraum verbessert. Die IGLU-Verantwortlichen beschränken sich auf Vermutungen und allgemeine Empfehlungen, der Leser und die Leserin bleibt etwas ratlos zurück. Möglicherweise gibt die Langfassung fundiertere Hinweise. Sie liegt noch nicht vor.
Sowohl der soziale als auch der Migrationshintergrund sind bei IGLU entscheidende Faktoren zur Erklärung von Kompetenzunterschieden: Kinder aus bildungsfernen Schichten und/oder Kinder mit Migrationshintergrund verzeichnen, wenn auch mit Länder spezifischen Unterschieden, schlechtere Leistungen. Diese Benachteiligungen fallen in der Grundschule noch nicht so stark aus wie in der Sekundarstufe (PISA), sind aber dennoch ernst zu nehmen.
Schlussfolgerungen
Den Empfehlungen des IGLU-Konsortiums zur weiteren Verbesserung der Lesekompetenz, wie zum Beispiel spezifische Leseförderprogramme für die leseschwachen Schüler/innen, unterrichtliche Maßnahmen zur Verbesserung der wissensbasierten Verstehensleistungen und gezielte Interventionen zur Erhöhung des Anteils von Spitzenleistungen kann man ohne Weiteres zustimmen. Deren Umsetzung scheitert auch nicht an den Konzepten, denn sie gibt es. Eine größere Hürde dürfte der Kostenfaktor sein, denn ohne intensivere und qualitativ hochwertige Fortbildungen für die Lehrkräfte können diese Maßnahmen kaum umgesetzt werden.
Die Leseförderung muss in der Sekundarstufe I fest verankert werden und darf dort nicht etwa abbrechen. Dieser Aspekt muss bei der Lehrerbildung stärker berücksichtigt werden. Es zeigt sich außerdem immer wieder, dass eine Verbesserung der diagnostischen Kompetenz der Erzieher/innen und Lehrer/innen –auch in den Einrichtungen des Elementarbereichs – und eine daraus abgeleitete Förderung der Kinder und Jugendlichen notwendig sind, um die Kompetenzen gezielt zu steigern. Leider blenden auch die Verfasser der IGLU-Studie systemische Aspekte von Lernleistungen vollkommen aus. Die Empfehlung des Konsortiums, mehr Ganztagsgymnasien einzurichten, um dort die sozial Benachteiligten besser fördern zu können, ist sinnvoll –allerdings nur für den geringen Anteil derjenigen aus diesen Milieus, die es überhaupt auf das Gymnasium schaffen.
Ute Kratzmeier

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