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Päd. Assistenten

(b&w 1-2/09
Seite 17)

„Davon leben kann ich nicht“

Pädagogische Assistenten: Seit 1. Februar 2008 arbeiten 16 Pädagogische Assistenten (PA) an Hauptschulen im Schulamtsbezirks Reutlingen, als Teil der Maßnahmen zur Stärkung der Hauptschule. Der Reutlinger Ortsvorstand der GEW lud sie zum Erfahrungsaustausch ein.

Ein ernüchterndes Fazit zog eine Sozialpädagogin, die als PA an einer Reutlinger Grund- und Hauptschule arbeitet. Trotz immerhin 24 Zeitwochenstunden reicht ihre Entlohnung nicht, um den Lebensunterhalt zu bestreiten.

Anfangs von den Kollegien durchaus kritisch beäugt, hat sich der Einsatz der Pädagogischen Assistenten (PA) als positiver Beitrag zur individuellen Förderung der Schüler/innen erwiesen. Viele PA sind Sozialpädagog/innen, Kunsttherapeut/innen oder auch ausgebildete Lehrer/innen. Sie arbeiten meist in den Klassen 5 bis 8 und unterstützen in Phasen des individuellen Lernens gezielt Schüler/innen vor allem in Deutsch, Mathematik und Englisch. Sie fördern und betreuen aber auch Lerngruppen oder ermöglichen Schüler/innen, die in der Klasse mit konzentriertem Arbeiten überfordert sind, eine pädagogisch sinnvolle Einzelbetreuung. Teilweise kommen auch spezifische Qualifikationen zum Einsatz: Eine Kunsttherapeutin arbeitet mit konzentrationsschwachen Schüler/innen im Tonfeld und erzielt damit gute Erfolge.

Die anfängliche Skepsis der Lehrer/innen hat sich bald gelegt. „Alleine hätte ich es nicht geschafft, meine schwächeren Schüler so effektiv zu fördern“, meinte Markus Ludwig, Klassenlehrer einer 6. Klasse an der Sprangerschule und Mitglied des GEW-Ortsvorstandes. Auch an den anderen Schulen wird die Arbeit der PA mittlerweile wertgeschätzt – viele Grundschullehrer/innen bitten um ihre Unterstützung. Für Angela Keppel-Allgaier, Ortsvorsitzende der Reutlinger GEW und Rektorin der Sondelfinger Mörikeschule, besteht der Vorteil darin frühzeitig mit der individuellen Förderung zu beginnen: „Für viele Hauptschüler/innen setzt diese zu spät ein. Der Förderbedarf besteht ja schon in der Grundschule.“

Entlohnung entspricht nicht der Qualifikation

Doch so erfolgreich sich die Arbeit der PA auch darstellt, so gering ist die finanzielle Wertschätzung durch den Arbeitgeber: Die Assistent/innen haben einen Vertrag mit dem Land, der zum 1. Februar 2010 ausläuft. Bereits drei Monate vorher müssen sie sich bei der Agentur für Arbeit zur Vermittlung gemeldet haben, wenn sie ihre Ansprüche auf Arbeitslosengeld 1 nicht gefährden wollen. Bis jetzt gibt es keine Aussagen seitens der Schulverwaltung, ob die Arbeit der PA weitergeführt wird und ob für die bisher eingesetzten Kräfte eine Weiterbeschäftigung möglich ist.

Gerne würden die PA ihre Arbeit fortsetzen wollen, doch „unsere eigenständige Arbeit müsste genauer definiert und auch ausgeweitet werden, zum Beispiel in Richtung Grundschule“, so der einheitliche Tenor. Und: „Nicht unter diesen finanziellen Bedingungen!“ Die derzeitige Entlohnung bedeutet den Einzug des Niedriglohnsektors in die Schule. Die PA sind in der Regel ausgebildete (und „studierte“) Fachkräfte, die in einem sensiblen und verantwortungsvollen Bereich öffentlichen Handelns arbeiten. Dem wird ihre Bezahlung nicht gerecht: Mit einer 75-Prozent-Beschäftigung kommt eine Assistentin auf 900 Euro im Monat. Eine PA, die 24 Zeitwochenstunden arbeitet – das entspricht einer „ferienbereinigten“ Beschäftigung von 19,75 Stunden – und sich keine eigene Wohnung leisten kann, ist ein sozial- und bildungspolitischer Skandal, darin waren sich die Veranstaltungsteilnehmer/innen einig.

Nur eine den Sozialpädagog/innen entsprechende Eingruppierung in den TVÖD Gruppe 9 würde deutlich machen, dass die Kultusbehörde die Arbeit der PA wertschätzt und bereit ist, diese angemessen zu bezahlen. Der Ausbau zu einem klar definierten und anerkannten Berufsfeld wäre ebenso ein wichtiger Beitrag zur Weiterentwicklung des individuellen Lernens an unseren Schulen. Die GEW unterstützt die Forderung nach einer baldigen Klärung der fachlichen und finanziellen Perspektiven der PA.

Markus Ludwig, OV Reutlingen

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