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Hans Gampe
| Hat die einjährige Berufsfachschule eine Zukunft?
(03/09) Diese Frage stellen sich – nach Wegfall von § 7 BBiG in 2009 - v. a. die Kolleg/innen an den gewerblichen Schulen. Die Ursache: Die Verordnung des Wirtschaftsministeriums über die Anrechnung des Besuchs einer Berufsfachschule auf die Ausbildungszeit in Berufen der gewerblichen Wirtschaft vom 1.8.2007“ läuft mit Wirkung zum 1.8.2009 aus. Die Folgen:
- Die Anrechnung ist nur noch „freiwillig“, d. h. die Anrechnung bedarf eines gemeinsamen Antrags der/des Auszubildenden und des Ausbildungsbetriebs an die zuständige Kammer. Wenn ein Betrieb nicht mehr anrechnen will, dann ist dies jetzt legal. (Schon heute gibt es Betriebe wie z. B. Audi, die in der Regel nicht anrechnen.)
- In diesen Klassen (mit ca. 14.000 Schüler/innen) unterrichten ca. 1.300 Lehrkräfte, die sich nun fragen, wie es mit dieser Schulart weitergeht.
- Auch die (Handwerks-)Betriebe fragen sich: Bleibt das flächendeckende Angebot bestehen oder muss der Betrieb jetzt den Ausbildungsaufwand und die damit verbunden Kosten übernehmen?
Die Position des Kultusministeriums
Auf der Seite der Ausbildungsbetriebe ist eine Veränderung der bisherigen Praxis nicht erkennbar. Schließlich basiert diese Schulart auf dem ausdrücklichen Wunsch des Handwerks, denn
- den Lehrplänen für den schulischen Unterricht liegen die Ausbildungsordnungen zugrunde,
- die Berufsfachschulen entlasten die Ausbildungsbetriebe im besonders personalintensiven ersten Ausbildungsjahr,
- für den Fachkräftenachwuchs ist die Berufsfachschule unverzichtbar und
- die Berufsschulen verfügen sowohl über exzellente Werkstätten als auch über gut qualifizierte technische und wissenschaftliche Lehrkräfte. Daher ist in Baden-Württemberg nicht damit zu rechnen, dass sich etwas an der jetzigen Situation ändert, d. h. auch, dass die Anrechnung „…auch ohne gesetzliche Grundlage gesichert“… sei. Wenn Betriebe in größerem Umfang auf die Anrechnung verzichten würden, wäre über entsprechende Konsequenzen nachzudenken
Die GEW hat Fragen
Scheren einige Ausbildungsbetriebe aus dem Bereich der Körperpflege aus? Warum hat die gewerbliche Wirtschaft bei der Verabschiedung des Berufsbildungsgesetzes genau diesen Passus hinein genommen? Verlaufen die Abstimmungsgespräche des Kultusministeriums, die jetzt im Schuljahr 08/09 mit den Kammerorganisationen über die weitere Anrechnung geführt werden, erfolgreich? Die Schulstatistik im Herbst 2009 wird erstmals Aufschluss darüber geben, ob sich die Ausbildungsbetriebe und deren Organisationen, an ihre Verlautbarungen halten (vgl. z. B. den Brief des Schreinerhandwerks an Kultusminister Rau vom 19.4.2008 „Fortbestand der Berufsfachschule gewünscht“). Die GEW setzt sich für diese bewährte Schulart ein.
Quelle: BS-Info März 2009
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