 | (b&w 4/09 Seite 11)
| Landesweites Netzwerk zum Lernen gegründet
Länger gemeinsam Lernen: Ein breites Bündnis von kirchlichen und schulischen Initiativen, von Elternorganisationen, Familien- und Jugendverbänden, Parteien und Gewerkschaften aus Baden-Württemberg setzt sich für ein längeres, gemeinsames Lernen aller Kinder bis zur 10. Klasse ein. Am 25. März erfolgte die Gründung des landesweiten Netzwerks.
25 landesweit aktive Organisationen mit mehreren 100.000 Mitgliedern haben sich dem Netzwerk „In einer Schule gemeinsam lernen“ angeschlossen, darunter die Aktion Jugendschutz, der Landesjugendring, der Verband der Schulpsychologen, die Diakonie Württemberg, der Arbeitskreis Gesamtelternbeiräte, SPD, Grüne und die GEW.
Das Netzwerk setzt sich unter anderem ein für eine Schule, in der alle Kinder und Jugendlichen, unabhängig von Elternhaus, sozialer oder kultureller Herkunft, die gleichen Chancen haben und gemeinsam lernen, für eine inklusive Schule, die Gemeinschaft stiftet und kein Kind ausgrenzt.
Dies soll unter anderem durch die Abschaffung des vielgliedrigen Schulsystems umgesetzt werden. Die Abkehr von der Aufteilung der Schüler/innen nach der vierten Klasse, von Notendruck und Beschämung sind notwendig, wenn die Freude am Lernen bei den Kindern und Jugendlichen erhalten bleiben soll. Die „eine Schule“ ist dabei nicht das bloße „Zusammenwürfeln“ der Schularten. Stattdessen muss die viel zitierte individuelle Förderung radikal ins Zentrum gestellt werden. Dass dazu nicht nur Strukturen, sondern auch die Ausstattung der Schulen, der Unterricht und die Lehrerbildung verändert werden müssen, versteht sich eigentlich von selbst, auch wenn die Gegner der Reforminitiativen diesen Teil der Forderungen gerne ausblenden.
Das Netzwerk versteht sich als Informationsplattform für alle, die sich für die Abkehr vom bestehenden Schulsystem einsetzen und/oder sich über dieses Thema informieren wollen. Unterstützung und Austausch über Veranstaltungen vor Ort sind dabei besonders wichtig.
Gründe sich für das Netzwerk zu engagieren
Die Stärke des Netzwerks liegt zweifellos in seiner außerordentlichen Breite verschiedenster Initiativen, Verbände und Einzelunterstützer/innen. Parteipolitische oder sonstige Vereinnahmungen sind unter dieser Konstellation wohl kaum möglich – und ausdrücklich auch nicht gewollt. Die Beteiligten haben durchaus unterschiedliche Gründe, das Netzwerk zu unterstützen. Gemeinsam ist ihnen jedoch die Überzeugung, dass das bestehende Schulsystem ungerecht ist und auch bei der Vermittlung von Kompetenzen keine Vorteile gegenüber weniger gegliederten Systemen aufweisen kann. Eine inklusive Schule ist deshalb das Gebot der Stunde, dafür macht sich das Netzwerk stark, wie eine kleine Auswahl der Begründungen zeigt:
- Die Landesarbeitsgemeinschaft Gemeinsam leben – Gemeinsam lernen ist eine Initiative in der sich Eltern von Kindern mit Behinderung zusammengeschlossen haben, um für die uneingeschränkte Inklusion zu kämpfen, die in Baden-Württemberg durch institutionelles Denken verhindert wird.“
- Dem Landesjugendring geht es vor allem darum, die Lebenswelt Schule so zu gestalten, dass dort eine Kultur des Lernens ohne Druck und Gewalt möglich ist. Dabei steht das Individuum für uns ganz klar im Mittelpunkt unserer Überlegungen. Unser Ziel ist: Keine und keiner soll zurückbleiben“
- Der Turbogang durch die Schule nach dem Prinzip „schneller, höher, weiter“ lässt mehr Verlierer als Gewinner zurück. Schule darf nicht krank machen. Daher fordern immer mehr Eltern und in der Bildung tätige Verbände für ihre Kinder, dass diese gemeinsam länger lernen. Waldorfschulen können in dieser Frage ihre Erfahrungen in den gegenwärtig laufenden Diskurs einbringen.“ (Landesarbeitsgemeinschaft der Freien Waldorfschulen)
- „Es ist falsch, Kinder auf verschieden gewertete Schularten zu verteilen. Es ist falsch, junge Menschen zu demütigen, in dem man ihnen ständig aufzeigt, was sie nicht können, sie durch schlechte Noten abmahnt, aber nicht anerkennt was sie bereits können. Es ist nicht hinzunehmen, Kinder bereits in der Grundschule derart unter Leistungsdruck zu setzen, dass viele bereits dort resignieren.“ (AK Gesamtelternbeiräte Baden-Württemberg)
- „Rechenschwache Kinder haben in einem mehrgliedrigen Schulsystem keine Chance, begabungsgemäß gefördert zu werden, das ist das Fazit aus vielen tausend Gesprächen mit Eltern und Lehrern.“ (Initiative zur Förderung rechenschwacher Kinder e.V.)
- „SCHULE MIT ZUKUNFT engagiert sich im Netzwerk „In einer Schule gemeinsam lernen“ zusammen mit anderen Initiativen und Verbänden für mehr Bildungsgerechtigkeit und ein den Anforderungen der heutigen Zeit angepasstes Lehren und Lernen, geprägt von gegenseitiger Wertschätzung und Akzeptanz.“
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