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Pfad zur Seite:Startseite - Aktuell - Zeitschrift b&w - b&w 2007 - September 2007 - Pension mit 67

Pension mit 67

(b&w 9/07
Seite 19)

Weitere Infos:
www.gew-bw.de/
Beamtenpolitik

Fünf gute Gründe gegen die Pension mit 67

Die GEW fordert die Landesregierung auf, die Verlängerung der Lebensarbeitszeit bis 67 nicht umzusetzen.

  1. Die GEW sagt, die Pension mit 67 ist eine Sparmaßnahme. Wegen der demographischen Entwicklung ist sie nicht notwendig. Sie benachteiligt besonders Frauen, die wegen ihrer Familienzeiten geringere Pensionsbezüge zu erwarten haben und sich einen früheren Ausstieg nicht leisten können.
    Mit einer längeren Lebensarbeitszeit will die Landesregierung Pensionslasten reduzieren, Eigenbeiträge zum früheren Ausstieg erhöhen und private Absicherung für das Alter notwendig machen. Nutznießer sind Versicherungen und Fondswirtschaft. Ein gewisser Handlungsbedarf kann nicht bestritten werden, wenn Bevölkerungsprognosen zuverlässig sind. Aus demographischer Sicht hält die GEW die Lebensarbeitzeitverlängerung aber nicht für zwingend notwendig (siehe Alfred Uhing „Reden wir übers Geld“). Benachteiligt werden insbesondere Frauen, die noch immer traditionell die Familienarbeit leisten und ihre Erwerbstätigkeit reduzieren wegen Kindererziehung oder Pflege von Angehörigen. Sie verzichten auf Teile ihrer Pensionsvorsorge und sind im Alter aus finanziellen Gründen eher gezwungen, bis zur gesetzlichen Altersgrenze zu arbeiten.
  2. Die GEW sagt, längere Lebensarbeitszeit für Ältere vernichtet Arbeitsplätze für Jüngere. Der Zwang zu längerer Lebensarbeitszeit vermindert sukzessive den Ersatzbedarf an Lehrerinnen und Lehrern in unseren Schulen. Junge Kolleginnen und Kollegen werden für das Lehrerstudium geworben und müssen dann nach dem Studium mit Arbeitslosigkeit rechnen.
  3. Die GEW sagt, dass Arbeiten bis 67 grundsätzlich nicht möglich ist, solange es keine entlastenden Arbeitsbedingungen gibt.
    Der Eintritt in den Ruhestand liegt im Durchschnitt bei Lehrer/
    innen in Baden-Württemberg bei rund 61 Jahren, das Durchschnittsalter der wegen Dienstunfähigkeit pensionierten Kolleg/innen liegt bei knapp 57 Jahren. Nur rund 25 Prozent der Beamt/innen arbeiten bis 65. Bei Lehrkräften gibt es seit 2004 keine neueren Zahlen. Antragsaltersgrenze, Freistellungsjahre, Teildienstfähigkeit und Altersurlaub sowie Altersteilzeit für Schwerbehinderte erleichtern den langsamen Berufsausstieg. In allen Fällen nehmen die Betroffenen eigene finanzielle Einbußen in Kauf, um aus dem Stressberuf Lehrer/in auszusteigen. Dies lässt den Schluss zu, dass es kaum möglich ist, gesund in diesem Beruf bis 65 zu arbeiten, geschweige denn bis 67. Entlastende Arbeitsbedingungen für ältere Kolleg/innen sowie Gesundheitsprävention durch das ganze Lehrerleben hindurch sind überfällig. Damit könnte der tatsächliche Eintritt in den Ruhestand Schritt für Schritt hinausgeschoben und die Pensionskasse entlastet werden. Die Einführung der Pension bis 67 ist dazu überhaupt nicht notwendig.
  4. Die GEW will ein Kollegium, das altersgemischt zusammengesetzt ist. Entlastende Zusammenarbeit wird dadurch möglich. Dies wird durch die Pension mit 67 verhindert, da weniger junge Lehrkräfte eingestellt werden.
    Eine gute Altersdurchmischung in den Kollegien ermöglicht generationenübergreifende Zusammenarbeit, die von den Stärken des jeweiligen Alters profitiert und für die Kolleginnen und Kollegen entlastend wirkt: Erfahrung mit schwierigen Schülern gepaart mit Wissen über neue pädagogische und psychologische Erkenntnisse aus der Ausbildung, neue Ideen gepaart mit dem Realitätssinn der Älteren etc. tragen zur Professionalität bei. Durch die Verlängerung der Lebensarbeitzeit wächst die Zahl der älteren Lehrkräfte schneller als die der jüngeren.
  5. Die GEW sagt, dass Schüler/innen von gesunden Lehrer/innen aus allen Altersgruppen unterrichtet werden sollen, weil in einer guten Schule Erfahrungen und neue Ideen notwendig sind. Die Anhebung der Pensionsgrenze auf 67 liegt also nicht im Interesse von Schüler/innen und Eltern, da weniger junge Lehrkräfte eingestellt werden.

Schülerinnen und Schüler profitieren von einem gesunden Altersmix in ihrer Schule und von der oben beschriebenen guten Zusammenarbeit, die die Stärken aller Generationen beinhaltet. Professionelle Beziehungen zwischen Lehrkräften und Schüler/innen können besser hergestellt und gepflegt werden, wenn keine Generationenlücken bestehen.



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