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Pfad zur Seite:Startseite - Aktuell - Zeitschrift b&w - b&w 2007 - November 2007 - Reden wir übers Geld

Reden wir übers Geld

(b&w 11/07
Seite 44)

Reden wir übers Geld – Argumente gegen den Mainstream

Same Procedure as every Year – Deutschland bei Einkommensentwicklung wieder Schlusslicht

Im September legte das Wirtschafts- und sozialpolitische Institut der Hans-Böckler-Stiftung (WSI) seinen europäischen Tarifbericht vor (1). Demnach haben sich die Einkommen in der Europäischen Union (ohne neue osteuropäische Mitgliedsländer) bis einschließlich 2007 gegenüber 2003 nur verhalten positiv entwickelt. Zwar konnten die Nominallöhne um 11,5 Prozent zulegen, nach Abzug der Inflationsrate blieben jedoch lediglich 2,7 Prozent real an zusätzlicher Kaufkraft übrig.

Der so genannte lohnpolitische Verteilungsspielraum konnte nicht ausgeschöpft werden. Dieser Verteilungsspielraum ergibt sich aus der Summe aus gesamtwirtschaftlicher Produktivitätssteigerung und Preisentwicklung. Nach gängiger Auffassung können die Arbeitseinkommen im Rahmen dieses Spielraums steigen, ohne die Verteilungsrelationen zwischen Arbeitseinkommen und Kapital-/Vermögenseinkommen zu ändern und ohne einen zusätzlichen Teuerungsschub bei den Arbeitskosten auszulösen. Mit anderen Worten, das Nichtausschöpfen des Verteilungsspielraums führt dazu, dass der Anteil der Arbeitnehmer/innen am Volkseinkommen (die so genannte Lohnquote) beständig sinkt.

Deutschland hinkt bei der lohnpolitschen Entwicklung – wie bereits die Jahre zuvor – weiter hinterher. Die Reallöhne sind seit 2003 um 2,7 Prozent gefallen. Hätten es die Gewerkschaften geschafft, den Verteilungsspielraum auszuschöpfen, hätten die Einkommen um über 9 Prozent mehr steigen müssen.

Die negative Bilanz der Reallohnentwicklung in Deutschland wird sich aller Voraussicht nach auch im laufenden Jahr fortsetzen. Trotz teilweise erfreulich hoher Tarifabschlüsse zum Beispiel in der Metallindustrie, wird es unter dem Strich durchschnittlich wieder einen Rallohnverlust geben. Mitverantwortlich hierfür ist die Entwicklung im öffentlichen Dienst, wo es auch in diesem Jahr wieder praktisch keine Einkommenserhöhungen geben wird. Es gibt also viele gute Gründe, für die Einkommenrunden 2008 und 2009 eine überdurchschnittliche Erhöhung der Einkommen im öffentlichen Dienst anzustreben und letztendlich auch durchzusetzen.

Alfred Uhing

(1) Europäischer Tarifbericht des WSI 2006/2007. In: WSI-Mitteilungen 9/2007, Seite 475 bis 482. Mit eigenen Berechnungen. Für 2007 wurden Schätzungen auf der Basis der vorliegenden Abschlüsse vorgenommen.



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