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 | (b&w 7-8/07 Seite 14)
| Großes Echo auf offenen Brief der Schulleiter
Schulstruktur: Es gibt eine breite Unterstützung für das Anliegen der Initiativgruppe für längeres gemeinsames Lernen, Schüler/innen nicht mehr nach der 4. Klasse auf die Schularten aufzuteilen. Neben 250 Schulleiter/innen von GHS-Schulen unterstützen über 25 Gruppen und Einzelpersonen die Forderungen. Nur einer hat den Brief und die Fragen der Gruppe immer noch nicht beantwortet: Kultusminister Helmut Rau (CDU). b&w druckt einige Reaktionen:
- Ich habe kein Problem damit, dass sich die Rektoren zu Wort melden.“ (Günther Oettinger, Ministerpräsident)
- „Ich sehe die Verfasser des Briefes nicht als Rebellen an, sondern als engagierte Schulleiter.“ (Susanne Pacher, Leiterin Abtl. 7 / RP TÜ)
- „Erstens beglückwünsche ich die Verfasser des offenen Briefs zu ihrer hervorragenden Darstellung der Lage und ihrem begrüßenswerten Engagement. Zweitens erkläre ich mich – gerade als Leiter eines Gymnasiums – vollinhaltlich solidarisch mit den Initiatoren dieses offenen Briefes und bin zu jeder Unterschrift der Unterstützung und Befürwortung bereit. (...) Erst wenn der Souverän Bevölkerung in seiner Mehrheit überzeugt ist, dass eine längere gemeinsame Schulzeit für alle Kinder gleich welchen Herkommens und eine spätere Differenzierung dieser Kinder in verschiedene Schularten allein nach Maßgabe der Begabung und der Leistungsfähigkeit und nicht nach sozialer Herkunft für die Zukunft von allen notwendig ist, wird sich wirklich etwas ändern können.“ (Name bekannt, CDU-Stadtrat in Oberschwaben)
- „Sie artikulieren als engagierte Experten der pädagogischen Praxis Positionen, die der Baden-Württembergische Handwerkstag bereits im Sommer 2002 mit seinen bildungspolitischen Vorschlägen zur Weiterentwicklung des Schulsystems in Baden-Württemberg eingenommen hatte. (...) Wir wissen aus zahlreichen Beispielen der Zusammenarbeit zwischen Hauptschulen und Handwerk, dass der Grund hierfür nicht in der mangelnden Kreativität oder dem persönlichen Engagement der in den Hauptschulen tätigen Lehrerinnen und Lehrer liegt. Der Grund liegt vor allen Dingen in der Selektivität unseres gegliederten Schulsystems, das in der Hauptschule zu Unterrichtssituationen führt, die bei gegebener Ressourcenausstattung nur sehr schwer oder gar nicht zum angestrebten Erfolg führen können.“ (Handwerkstag Ba-Wü)
- „Hauptschüler gehören zu den Verlieren unserer Gesellschaft, diesem sozialen Phänomen muss man anders entgegenwirken, als durch plakative Fitnessprogramme Ihres Hauses. Nachdenklich und gründlich belegen diese Lehrer Ihres Bundeslandes die Vorteile von integrierten Modellen, die Utopie, dass der eine, des anderen Last tragen solle. Wir Theaterleute werben für ästhetische Bildung, für eine bildende Kunst, aber der Alltag zeigt uns Schulklassen mit über 30 Kindern, erschöpften Lehrern und hilflosen Situationen. Verehrter Herr Minister, jetzt wollen Sie, so lesen wir, die Lehrer disziplinieren, weil sie zum Wohl der Schüler laut gedacht haben? Das kann nicht sein: ethisch nicht, pädagogisch nicht und außerdem wäre es ein Schlag gegen die Meinungsfreiheit, wie sie den Schülern gelehrt wird. Nehmen Sie die Initiative ernst, lassen Sie uns in einen großen Bildungs- und Ästhetikdiskurs führen, lassen Sie uns von Finnland lernen, lassen Sie uns lernen zu sagen, wir haben Fehler gemacht. Und vor allem: ‘Sire, geben Sie Gedankenfreiheit’.“ (Prof. Dr. Christoph Nix, Intendant Theater Konstanz und weitere Kulturschaffende)
- Der Landeselternbeirat unterstützt die Hauptschulrektoren bei ihren Bemühungen, Reformen im Hauptschulbereich offensiv anzugehen. Dort wo Modelle ausgearbeitet sind und alle Vorbereitungen getroffen wurden, sollten diese auch unbedingt durchgeführt werden können. Es ist nicht nachvollziehbar, dass immer noch neue Wege seitens des Kultusministeriums abgelehnt werden. Viele Hauptschulen sind in ihrer Existenz gefährdet. Hier muss umgedacht und gehandelt werden, denn wer sich jetzt nicht bewegt, der wird in 5 Jahren bewegt werden. Die Aktion ist immer besser als die Reaktion. (...) Um Eltern in der Entscheidung für oder gegen eine Schulart nicht zu entmündigen, lehnt der Landeselternbeirat die Grundschulempfehlung ab. Der Druck, der durch die Empfehlung auf Eltern, Kinder und Lehrer ausgeübt wird, ist zu beenden.“
(Landeselternbeirat Ba-Wü) - Die VSL unterstützt „das Anliegen der Verfasser des Offenen Briefes dahingehend, dass auch sie eine grundlegende Reform im Bereich der weiterführenden Schularten, die auch vor bestehenden Strukturen nicht Halt machen darf, für notwendig erachtet. Dabei bewertet es der Vorstand positiv, wenn sich Schulleiterinnen und Schulleiter aus ihrer Verantwortung für die ihnen anvertrauten Kinder und Jugendlichen heraus intensiv mit deren Zukunftsperspektiven auseinandersetzen. Diese sind in einem erheblichen Maße von der besuchten Schulart abhängig. Dass dabei kritische Anmerkungen erlaubt und grundlegend andere Alternativen angedacht sein müssen, hält die VSL für unabdingbar. Etwaige disziplinarrechtliche Maßnahmen gegen die Unterzeichner des Offenen Briefes erachtet sie für unangebracht und lehnt solche ab.“ (VSL – Vereinigung von Schulleiter/innen in Ba-Wü)
- „Schon seit längerem ist bekannt, dass Schulsysteme mit geringerer schulischer Selektion eine höhere Chancengleichheit im internationalen Vergleich erreichen. Eine neue ifo-Studie zeigt dies nun auch im bundesdeutschen Vergleich: Bundesländer mit späterer Aufteilung und einer geringeren Anzahl von Schultypen erreichen weniger Ungleichheit der Bildungschancen für Kinder aus sozial schwachen Schichten. [...] Trotz der vielfach beschworenen Durchlässigkeit zwischen den Schultypen hat die frühe Selektion also offensichtlich bleibende negative Konsequenzen. „Auch in Deutschland kann durch eine spätere Aufgliederung der Kinder auf Hauptschule, Realschule und Gymnasium und durch eine geringere Anzahl an Schultypen die Chancengleichheit für Kinder mit unterschiedlichem sozioökonomischen Hintergrund erhöht werden“, fasst Ludger Wößmann, ifo-Bildungsexperte, die Ergebnisse zusammen. „Brandenburg und Berlin teilen ihre Schülerinnen und Schüler erst nach der sechsten statt wie andernorts üblich schon nach der vierten Klasse auf und erzielen eine geringere Abhängigkeit der Schülerleistungen vom jeweiligen familiären Hintergrund.“ (...) Eine spätere und geringere Aufteilung geht laut der Studie zudem nicht auf Kosten des Leistungsniveaus: Sie hat keinen nennenswerten Einfluss auf das Leistungsniveau, und wenn überhaupt, dann geht sie mit einem höheren Niveau einher. Einen weiteren Zusammenhang belegt die ifo-Studie zwischen einer geringeren Anzahl der Schultypen und einer höheren Chancengleichheit. „In Bundesländern, in denen nur noch ein geringer Anteil der Schüler die Hauptschule besucht, könnte durch eine Verringerung der Schultypen die Ausgrenzung leistungsschwacher Schüler reduziert werden“, erläutert Wößmann.“ (Studie Ifo-Institut München)
- Wir wollen den Leser/innen auch die Reaktion des Philologenverbandes Ba-Wü nicht vorenthalten:
„PhV gegen „bildungspolitische Rückwärtsrollen und Seiltänze“ mit vorprogrammiertem Absturz – „Nein“ zu schulischen Experimenten auf dem Rücken der Kinder. Gemeinschaftsschulen zerstören Bildungsvielfalt und werden unterschiedlichen Begabungen nicht gerecht. (...) Der PhV sieht jedoch auch die Notwendigkeit, nach Wegen zu suchen, um mit schulartübergreifend zu entwickelnden soziokommunikativen Programmen gesellschaftlichen Spaltungstendenzen entgegenzuwirken und Integration und Kinder mit Migrationshintergrund besser zu fördern. Warum sollen nicht Hauptschüler und Gymnasiasten beispielsweise gemeinsam an geeigneten außerunterrichtlichen Projekten arbeiten, die letztlich auch dem Gemeinwohl dienen.“
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| Leserbrief "Verpasste Chance"
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| | Verpasste Chance
Als niedergelassener Kinder- und Jugendarzt sehe ich täglich die Krankheiten und Probleme, unter denen unsere Schulkinder und Jugendlichen leiden. Zu große Schulklassen, schlecht konzipierte Reformen (G 8) oder wenig motivierte Lehrer („Burn out“) begünstigen psychosomatische Krankheiten, Schulunlust und Schulversagen (80.000 Schüler/innen pro Jahr ohne Schulabschluß). Untersuchungen der OECD und der UNO-Menschenrechtskommission bestätigen dies.
Und was macht in dieser Situation unsere Landesregierung?! Sie läßt junge motivierte Nachwuchspädagogen auf der Straße stehen! Sie läßt den Klassenteiler bei 32 Schülern! Jede Schule bräuchte heute eine/n Schulpsychologen/in und eine/n Sozialarbeiter/in. Arbeitet schon einer/eine von den 50 angekündigten neuen Psychologen/innen? Diese Stellen wurden geschaffen, weil Schüler Amokläufe angekündigt oder durchgeführt hatten. Was muß passieren, bis die Kultusbürokratie versteht, was die Stunde geschlagen hat? Der Werbeslogan von Baden-Württemberg muß heißen: „Wir können alles außer Bildungspolitik“.
Konsequenz: Für alle Entscheidungsträger ab Oberschulamt aufwärts ein ganzes Schuljahr volles Deputat in einer Grund- oder Hauptschule. Dann könnten wir vielleicht das notwendige Nachsitzen in anderen Ländern der OECD wie z.B. in Finnland einsparen. Dr. med. Ulrich Schaefer, Kinder- und Jugendarzt, Mannheim
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| Liste der Unterstützer/innen
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| | Liste der Unterstützer/innen:
Gesamtelternbeiräte Ba-Wü, Elternbeiräte Gymnasien Südwürttemberg, Vereinigung Schulleiter Ba-Wü, GEW Ba-Wü, GEW Bund, SPD Ba-Wü, Die Grünen Ba-Wü, Präsident Handwerkskammer KN, Handwerkstag Ba-Wü, Kulturschaffende in Ba-Wü, Städtetag Ba-Wü, Dr. B. Bueb, Verband der Schulpsychologen, Landeselternbeirat Ba-Wü, Lehrende an der PH Weingarten, Lehrende an Seminaren in Ba-Wü, Professoren / Schulentwickler: G. Becker, R. Domisch, U. Herrmann, K. Hurrelmann, E. Kösel, E. Rösner, P. Struck, K. Zenke, PISA-Koordinator Andreas Schleicher, Gemeindetag Ba-Wü, Hauptpersonalrat GHRS, Ifo Institut München, Hochschullehrer PH Ludwigsburg / Uni TÜ, Teilnehmer Akademietagung Bad Boll: „Schwierige Kinder – Kinder der Vielfalt“.
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| Links
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| | Weitere Infos: www.gew-bw.de/Schularten_3.html
www.laenger-gemeinsam-lernen-bw.de/
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