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Georgia Kolb, Vorsitzende Fachgruppe Gewerbliche, Haus- und Landwirtschaftliche, Sozialpädagogische und Pflegerische Schulen
| Zahl der Sozialwissenschaftlichen Gymnasien steigt auf 32
(02/10) Eine Pressemitteilung des Kultusministeriums ließ am 09.12.2009 das Land aufhorchen: „Zum kommenden Schuljahr 2010/11 werden an weiteren 15 beruflichen Standorten Sozialwissenschaftliche Gymnasien (SG) eingerichtet.“ Wegen der hohen Nachfrage baut das Land die SG weiter aus. Damit gibt es ab dem nächsten Schuljahr insgesamt 32 öffentliche SG in Baden-Württemberg.
Flächendeckendes Angebot aller Richtungen notwendig
Unklar ist derzeit allerdings noch, ob das Kultusministerium die Pflicht zur Substitution ad acta gelegt hat. Ein Drittel der Abiturientinnen und Abiturienten in BW erwerben ihre Hochschulreife an Beruflichen Gymnasien (BG). Da immer mehr Schüler/innen mit Gymnasialempfehlung das Abitur über die Realschule und das berufliche Gymnasium erwerben, ist aus Sicht der GEW ein flächendeckendes bedarfsgerechtes Angebot aller sechs Richtungen beruflicher Gymnasien notwendig. Hier darf es kein „Entweder – Oder“ geben, sondern eine Vielfalt von parallelen Angeboten an BG s.
Ausbau ohne Wegfall anderer Volzeitschulen
Für junge Leute mit Interesse an sozialen Themenfeldern ist das öffentliche SG ein wichtiges Angebot auf der Palette der beruflichen Gymnasien, so dass sie nicht mehr auf private sozialwissenschaftliche Gymnasien oder auf Berufskollegs ausweichen müssen. Im laufenden Schuljahr liegt das Verhältnis öffentliche zu private SG bei 17:27, das ist ein Skandal. Deshalb befürwortet die GEW den Ausbau der SGs, lehnt aber einen Zwang zum Wegfall anderer Vollzeitschulen strikt ab. Auch kritisiert die GEW, dass die neue Einrichtung nicht überall transparent und unter Beteiligung der Gesamtlehrerkonferenz (Schulversuch!) zustande kam. Zudem müssen vom Schulträger ausreichend Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt werden, das Land muss für genügend qualifizierte Lehrkräfte sorgen.

Bildungsplaninhalte
Die Bildungsplaninhalte der SGs enthalten das sechsstündige Profilfach "Pädagogik und Psychologie" und das Fach "Sozialmanagement". Darin werden aktuelle Anforderungen von frühkindlicher Bildung über Bildung von Vorschulkindern bis zur Betreuung im Alter aufgegriffen und Nachwuchskräfte für diesen Bereich gezielt gefördert. Die Schülerinnen und Schüler lernen Grundlagen in Erziehungswissenschaft, Psychologie und Soziologie, Neurobiologie und Gerontologie sowie in Statistik kennen. Auch betriebswirtschaftliche Kenntnisse zur Führung von sozialen Einrichtungen sowie Sozialgesetze wie Jugendhilferecht, Sozialhilferecht oder Gesetzgebung im Gesundheitswesen zählen zu den Unterrichtsinhalten. Zugleich beinhaltet das SG mit seiner Ausrichtung auf soziales Wahrnehmen wichtige Aspekte der Persönlichkeitsbildung. Dies ist gerade in unserer heutigen Gesellschaft von hoher Bedeutung und kann auch für Schüler/innen, die nicht direkt soziale Berufe ergreifen wollen, sehr hilfreich sein. Damit diese Unterrichtsinhalte qualifiziert abgedeckt werden können, fordert die GEW ausreichend Lehramtsstudienplätze im Fach Sozialpädagogik, eine attraktive Bezahlung und Aufstiegsmöglichkeiten für Lehrer/innen, die über den Diplom- Studiengang Sozialpädagogik in den Schuldienst kommen und genügend neue Lehrerstellen für das erweitere Angebot.
Rufen jetzt Kämmerer und Finanzminister im vermeintlichen Bildungsland Baden-Württemberg: „Zu teuer!“? Investitionen in Bildung sind Investitionen in die Zukunft mit hohem MehrWert.
Quelle: BS-Info Feb. 2010
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