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Pfad zur Seite:Startseite - Aktuell - Zeitschrift b&w - b&w 2007 - Dezember 2007 - Stuttgarter Bildungsförderung

Stuttgarter Bildungsförderung

(b&w 12/07
Seite 22)

Kitas und Schulen zu Eigenbetrieben?

Stuttgarter Bildungsförderung: Droht in der Stadt Stuttgart mit den Plänen für den Haushalt 2008/9 die Zerschlagung des Jugendamtes?!
Mit den Haushaltsberatungen im Stuttgarter Gemeinderat zum Haushalt für 2008/09 haben die Gemeinderatsfraktionen von CDU und Grünen eine Reihe von Anträgen für den Bildungsbereich eingebracht. Beide haben sogar ein gemeinsames Bildungskonzept vorgelegt, welches vorsieht, dass

  • die Sprachförderung ausgebaut werden soll (Gruppen mit 50 Prozent Kinder mit Migrationshintergrund),
  • eine Erhöhung der Personalausstattung um 20 Prozent für Gruppen ab 80 Prozent Kinder mit Migrationshintergrund,
  • jährliche Sprachstandsfeststellung für alle Kitas,
  • Dokumentation des Entwicklungsstandes aller Kinder,
  • Einrichtung eines Qualitätsentwicklungsfonds für Verbesserung und Entwicklung der Kooperation von Grundschulen und Kitas,
  • Verbesserung der Personalausstattung in den Krippen (Verrechnung durch die Arbeitszeiterhöhung), zusätzliche Mittel für Kitas in „sozialen Brennpunkten“,
  • Programm zur Sanierung von Schulen und Kitas,
  • Gründung eines Eigenbetriebs aller städtischen Kitas und Schulen ab 1.1. 2009.

Verwaltung will Kompetenzzentrum

Die SPD-Fraktion im Gemeinderat hat einen eigenen Antrag zur Bildungsförderung eingebracht, lehnt aber die Schaffung eines Eigenbetriebs ab.

Es gibt auch eine entsprechende Beschlussvorlage der Verwaltung (Oberbürgermeister sowie das Schul- und Sozialreferat). Dieses „Konzept Stuttgarter Bildungspartnerschaft“ sieht als Vorschlag aus der Verwaltung ein Gesamtpaket von Maßnahmen vor, mit dem Ziel die unterschiedlichen Aktivitäten in Bildung, Betreuung und Erziehung zu bündeln und zu einem aufeinander abgestimmten System zu kommen.

Ein „Kompetenzzentrum“ soll diesen Prozess der Stuttgarter Bildungspartnerschaft anschieben und begleiten, ein regelmäßiges Monitoring soll durchgeführt werden, die Fachkräfte aus Kitas und Schulen sollen gemeinsam qualifiziert werden, die Umsetzung des Orientierungsplans und des Bildungsplans der Grundschule soll fachlich unterstützt und begleitet werden. Spracherzieherinnen sollen qualifiziert werden und die Sprachstandserhebungen unterstützen. Auch die Führungsebenen von Kitas und Schulen sollen gemeinsam fortgebildet und der Dialog beider Institutionen soll gefördert werden. Eine träger- und einrichtungsübergreifende Qualitätsentwicklung und -kontrolle soll zusammen mit der internen Qualitätssteuerung und -sicherung entwickelt werden. Die gezielte Sprachförderung zu den vom Land vorgesehenen Sprachstandserhebungen soll in allen Kitas eingeführt werden und das durch qualifizierte Spracherzieherinnen. Die Landesprojekte „schulreifes Kind“ und Bildungshaus sollen zusammengeführt werden. Das Kompetenzzentrum hat auch die Aufgabe die sozialräumliche Vernetzung der verschiedenen Bildungsinstitutionen zu fördern und die Kooperation mit Fachschulen und Hochschulen zu entwickeln. Regelmäßig soll der Stuttgarter Bildungsbericht zum aktuellen Stand der Bildungssituation Auskunft geben.
Sicherlich ist zunächst die Bemühung die Weiterentwicklung der Stuttgarter Bildungslandschaft zu begrüßen und dafür auch zumindest teilweise entsprechende Haushaltsmittel bereit zu stellen. Allerdings muss aus fachlicher Sicht besonders der Punkt der (auch vom Land) geforderten Sprachstandsmessung von Kindern kritisch beleuchtet werden.

Insbesondere muss die Frage der Gründung eines Eigenbetriebs und damit faktisch die Zerschlagung des Jugendamtes kritisch hinterfragt werden.
Was bringt die Zerschlagung sinnvoller Strukturen und die Vernichtung geleisteter Arbeit?
Seit 1999 ist innerhalb des Jugendamtes die, auch vom Gemeinderat anerkannte, Organisationsentwicklung weg von getrennt arbeitenden Fachabteilungen hin zur sozialräumlichen Ausrichtung und vernetzten Arbeitsweise der Dienste des Jugendamtes begonnen worden. Hier als Argument für die Ausgründung in den Eigenbetrieb die Entlastung des Jugendamtes, wie durch die Grüne Gemeinderatsfraktion vorgebracht, zu benutzen, erscheint fadenscheinig. Aufgebaute, gewachsene Strukturen, die sicherlich auch im Hinblick auf die Zusammenarbeit mit den Schulen noch verbessert werden müssen, werden so wieder zunichte gemacht.

Es bleibt abzuwarten, was die Gründung des Eigenbetriebs im Einzelnen für die Beschäftigten bedeuten kann bzw. ob sich wirklich nichts verändert, wie gelegentlich behauptet wird. – Letzteres würde die Frage aufwerfen, warum dann überhaupt die Umwandlung in Eigenbetriebe vorgeschlagen wird. – Es muss auch weiterhin beobachtet werden, ob die teilweise in den Anträgen vorhandene Ausrichtung an klassisch schulischen Anforderungen in Bezug auf die Kitas (z.B. Sprachstandsmessung) mit den inhaltlich-pädagogischen Prozessen, die mit Einstein auf den Weg gebracht wurde, in Einklang gebracht werden kann.

Die GEW wird auf Veranstaltungen und in Publikationen die Mitglieder darüber informieren und den Kontakt zu Politik und Verwaltung suchen, damit anderen Städten nicht Ähnliches droht.

André Dupuis




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