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Umgang mit neuen Bildungsplänen und G8

Kritik an Inhalt und Rahmenbedingungen der Bildungsplanreform


Nach wie vor ist nicht klar, worin der von der Ministerin verkündete "Paradigmenwechsel" im Unterricht konkret bestehen soll. Die modische Formel "von der Input- zur Output-Steuerung" hilft uns nicht weiter, im Gegenteil: ihr inflationärer Gebrauch nervt.

Eine neue Orientierung des Unterrichts setzt zunächst eine kritische Analyse des konkreten Unterrichts voraus. Diese hätte begleitet werden müssen von intensiver Beratung durch Fachleute von außen. Dies war und ist im Zeitplan und im Budget der Ministerin nicht vorgesehen.

Die vom KM in die Welt gesetzten Begriffe stiften nach wie vor große Verwirrung und wecken Befürchtungen.

  • Sind z. B. die "Lernziele", an denen wir unseren Unterricht derzeit orientieren, nicht Beschreibungen von "Kompetenzen"? Macht die Summe der in den Bildungsplänen formulierten "Kompetenzen" das aus, was wir "Bildung" nennen? Oder beschreiben sie möglicherweise nur noch die Anforderungsprofile, die die "Abnehmer" von unseren Schüler/innen erwarten?
  • Was verbirgt sich hinter dem Begriff einer "operativ eigenständigen Schule"? Bedeutet "operativ eigenständig" möglicherweise nichts anderes als eine Beschränkung der Entscheidungs- und Handlungsmöglichkeiten auf den Rahmen enger Vorgaben (zentral gestellte Vergleichsarbeiten, restriktive Lehrerzuweisung, immer größere Klassen, gekürzter Entlastungspool, usw,)?

Der Prozess einer bewussten Neuorientierung des Unterrichts auf der Grundlage einer Evaluierung der zu reformierenden Unterrichts- und Arbeitsprozesse hat in den PISA-"Siegerländern" ein Jahrzehnt gedauert und dauert noch an. Bei uns in Baden-Württemberg muss befürchtet werden, dass die Arbeit, die wir derzeit im Akkordtempo zu verrichten haben (Kerncurriculum, Schulcurriculum, Kontingentstundentafel, Schulprofil), keineswegs zwangsläufig dazu führt, dass der konkrete Unterricht besser wird.

So wie die Dinge liegen, besteht die Gefahr, dass am Ende der laufenden Bildungsplanreform im Kern nur übrig bleibt: Eine auf acht Jahre verkürzte Schulzeit mit höherem Arbeitstempo, stärkerem Notendruck für die Schüler/innen, Verschärfung der selektiven Funktion des Gymnasiums und noch mehr Stress für uns Lehrer/innen.

Seitenabschnitte:
Kritik an Inhalt und Rahmenbedingungen
Reformen brauchen günstige Rahmenbedingungen
Überlastung und Stress vermeiden
Chancen nutzen: Verwendung des 12-Stunden-Pools

Reformen brauchen günstige Rahmenbedingungen


Wir wollen (nicht erst seit PISA):

  • unsere Fähigkeit (weiter-)entwickeln, die Wirksamkeit unseres Unterrichts in Bezug auf die Förderung der Lernprozesse jedes Schülers/jeder Schülerin zu überprüfen und zu verbessern.
  • mehr fächerübergreifende und themenorientierte Arbeit auf der Basis eines anspruchsvollen, methodisch fundierten Fachunterrichts;
  • Arbeitsformen entwickeln und praktizieren, die geeignet sind, die spezifischen Fähigkeiten und die Selbstständigkeit der SchülerInnen zu fördern;

Dazu brauchen wir angemessene Rahmenbedingungen wie z. B. kleinere Lerngruppen, Freiheit bei der Gestaltung des Unterrichts, professionelle Beratung und Fortbildung, deutliche Entlastungen für die Umsetzung der Reformen. Und wir brauchen Zeit.
Dass die Rahmenbedingungen für die Umsetzung eines von der Landesregierung als wichtig erachteten Vorhabens auch großzügig gesetzt werden können, zeigt das Beispiel des im September anlaufenden Hochbegabten-Internats in Schwäbisch Gmünd. Die KollegInnen sind vom Februar an mit halbem Deputat freigestellt für eine intensive Fort- und Weiterbildung und für die Umsetzung der Bildungspläne.
Derartige Rahmenbedingungen finden wir nicht ansatzweise vor.

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Kritik an Inhalt und Rahmenbedingungen
Reformen brauchen günstige Rahmenbedingungen
Überlastung und Stress vermeiden
Chancen nutzen: Verwendung des 12-Stunden-Pools

Deshalb: Überlastung und Stress vermeiden


  • Gelassenheit bei der Arbeit an den Kern-/Schulcurricula.. Zum Beispiel sind neue Schulbücher in Arbeit, die als Fundgrube dienen können.
  • Vorhandenes übernehmen, denn vieles von dem, was wir gemacht haben, war und ist gut.
  • Sparsam aber effektiv mit unserer Zeit umgehen.
  • Kontakt unter den benachbarten Schulen herstellen, Ideen austauschen, gute Konzepte übernehmen. Konkurrenz zwischen den Schulen vermeiden.
  • Konferenzen und Fachsitzungen möglichst in die unterrichtliche Arbeitszeit legen.

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Reformen brauchen günstige Rahmenbedingungen
Überlastung und Stress vermeiden
Chancen nutzen: Verwendung des 12-Stunden-Pools

Chancen nutzen: Verwendung des 12-Stunden-Pools


  • ...für die Durchführung von Projekten im Rahmen der von der Schule gesetzten Schwerpunkte ("Profile"). Beispielsweise ist es denkbar, dass in einer dreizügigen Schule ein Dreierteam pro Klasse (mit je einer Deputatsstunde aus dem 12-Stunden-Pool) ein umfangreiches Projekt in jeder Klasse der Klassenstufe konzipiert, vorbereitet und durchführt;
  • ... für Klassenstunden, z. B. zur Einübung von Arbeitstechniken oder für soziales Lernen;
  • ... für die Klassenlehrerstunde;
  • ... für Fördermaßnahmen differenziert für einzelne Schülergruppen.

Im Interesse der SchülerInnen, die künftig mit einem verlängerten und verdichteten Unterrichtstag konfrontiert werden, ist es sinnvoll, Zeiten auch für Angebote zur Entspannung und zur Hausaufgabenbetreuung aus dem 12-Stundenpool zu nehmen.

Nach Aussage des KM (im Hauptpersonalrat Gymnasien am 8. April 2003) soll der 12 - Jahreswochenstunden - Pool "flexibel" eingesetzt werden mit dem Ziel, eine ungebührliche Ausdehnung der Stundenbelastung für die Schüler/innen zu vermeiden. Die Stunden aus dem Pool von 12 Jahreswochenstunden stehen jeder Klasse zu, müssen aber nicht klassenweise eingesetzt werden, schon gar nicht für normalen fachbezogenen Unterricht. Sie können auch Lehrkräften als Deputatsstunden für die Umsetzung von Maßnahmen und Angeboten wie den oben beschriebenen zugewiesen werden. Diese Möglichkeit sollten wir extensiv nutzen.

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