zur Startseite
Pfad zur Seite:Startseite - Aktuell - Zeitschrift b&w - b&w 2007 - März 2007 - Unterrichtsversorgung_3

Unterrichtsversorgung_3

(b&w 3/07
Seite 8)

Kinderland Baden-Württemberg? Beweise fehlen!

Unterrichtsversorgung: „Trotz zurückgehender Schülerzahlen wird keine Lehrerstelle in der Legislaturperiode 2006-2011 gestrichen. Das gesamte Volumen bleibt dem Bildungsbereich erhalten.“ Das war im Landtagswahlkampf die Position der CDU.

Wer darauf gehofft hat oder sogar daran glaubt, dass die durch Schülerrückgang frei werdenden Lehrerstellen der Verbesserung der Unterrichtssituation und der Qualitätsentwicklung der Schule zu gute kommen, ist geschickten Formulierungen der Landesregierung und des Kultusministeriums aufgesessen:

Eine unbestechliche Größe für die Unterrichtsversorgung ist die Relation „Lehrerwochenstunden je Schüler/in“ (s. Tabelle rechts oben) in den allgemein bildenden Schularten. Sie hat sich in den letzten 20 Jahren drastisch verschlechtert. Sehr auffällig ist dabei die Situation der Realschulen, deren hohe Klassengrößen die Arbeit in den vergangenen Jahren sehr erschwerten.

Warum verschlechtert sich die Lehrer-Schüler-Relation?

Mit dem Argument der angeblich völlig überraschend und gravierend veränderten Schülerzahlenprognose des Statistischen Landesamts werden in den Jahren 2006 bis 2008 521 Stellen gesperrt. Kein aufgeklärter Mensch wird glauben, dass seit der letzten Schülerzahlenprognose Tausende der schon geborenen Kinder aus Baden-Württembergs Schulen verschwunden sind. Die Landesregierung verfolgt zu Lasten der Schulen das Ziel der Nettoneuverschuldung bis 2011. Es ist Hauptmotivation der Stellensperre. 349 zusätzliche Stellen entzieht die Landesregierung den Schulen zur Finanzierung der gestiegenen Anwärter- und Referendarszahlen.

Dies wird bei genauer Betrachtung am Beispiel der Grund- und Hauptschulen sehr deutlich:


  • Die gestiegenen Schülerzahlen wurden auch in diesen Schularten keineswegs völlig durch Neustellen aufgefangen. Dagegen werden rückläufige Schülerzahlen sehr schnell als Argument für die Sperrung von Stellen genutzt.
  • Seit dem Schuljahr 2003/2004 stehen den Grund- und Hauptschulen durch den Beginn der Karenzphase des Vorgriffsstundenmodells 720 Deputate weniger für Unterricht zur Verfügung. Ab dem Schuljahr 2008/2009 fehlen nochmals 720 Deputate durch den Beginn der Rückgabephase.
  • Die knapp 1.600 Neustellen wurden komplett für die Erweiterung der Kontingentstundentafel um zwei Stunden Grundschulfremdsprache benötigt.
  • Zusätzliche Stellen für Stütz- und Fördermaßnahmen und für die zunächst noch angestiegenen Schülerzahlen wurden nicht zur Verfügung gestellt. Auch wurden die an die Kontingentstundentafel der Grundschule angehängten „Ergänzenden Angebote“ (ehemals Stütz- und Förderunterricht) immer noch nicht als fester Bestandteil verankert, sondern sind weiterhin vom jährlichen Zufall bzw. der Kassenlage abhängig.
  • Ohne zusätzliche Stellen wurde die Verlässliche Grundschule eingeführt. Vielfach kann die Verlässlichkeit schulintern nur zu Lasten der Hauptschule sichergestellt werden.
  • Gekürzt wurden ferner die Enquête-Mittel des Landtags (50 Deputate).
  • Die (wenigen) zusätzlichen Stunden für die Ganztagsschulen fallen nicht als Geschenk vom Himmel, sondern fehlen den Nicht-Ganztagsschulen.
  • Weitere 1.700 Stellen der Grund- und Hauptschulen werden in den nächsten Jahren für die Projekte „Schulreifes Kind“ (900) und „Ehrenamtliche Jugendbegleiter/innen der Ganztagsschulen“ (800) umgewidmet und stehen für Unterricht nicht mehr zur Verfügung.

Auch für die Real-, Sonderschulen, Gymnasien und Beruflichen Schulen könnten vergleichbare Maßnahmen, allerdings in deutlich geringerem Umfang, aufgeführt werden. Beispielhaft soll hier die Reduzierung der Kontingentstundentafel der Gymnasien um zwei Stunden erwähnt werden. Das „erwirtschaftete“ Volumen von 100 Deputaten wird als Anrechnungsstunden für Evaluation in den nächsten Jahren allen allgemein bildenden Schulen zur Verfügung gestellt.

Solange das KM es dem Zufall überlässt, wie viel Zeit den Schulen für die Individualisierung des Lernens zur Verfügung steht, bleibt das „Kinderland Baden-Württemberg“ eine leere Worthülse.Auch für die Real-, Sonderschulen, Gymnasien und Beruflichen Schulen könnten vergleichbare Maßnahmen, allerdings in deutlich geringerem Umfang, aufgeführt werden. Beispielhaft soll hier die Reduzierung der Kontingentstundentafel der Gymnasien um zwei Stunden erwähnt werden. Das „erwirtschaftete“ Volumen von 100 Deputaten wird als Anrechnungsstunden für Evaluation in den nächsten Jahren allen allgemein bildenden Schulen zur Verfügung gestellt.Solange das KM es dem Zufall überlässt, wie viel Zeit den Schulen für die Individualisierung des Lernens zur Verfügung steht, bleibt das „Kinderland Baden-Württemberg“ eine leere Worthülse.

Lehrerwochenstunden je Schüler/in





Schulart
bestversorgtes Schuljahr
(= 100 Prozent)
im besten Schuljahrim Schulj. 05/06Differenz
Grund- und Hauptschulen1985/861,5021,39-7,46 %
Gymnasien1987/881,6761,39-17,06 %
Realschulen1987/881,6051,28-20,25 %
Lernbehinderten-/Förderschulen1986/873,3642,84-15,58 %
Allgemeinbildende Schulen insgesamt1987/881,6651,47-11,71 %

Entwicklung der Schülerzahlen und Lehrerstellen in den Schularten

Schuljahr
2001/02
Schuljahr
2006/07
Neustellen
2002-2006
Volumen (Deputate)
Vorgriffsstundenmodell
ab 2003 bzw. 2008
Bedarf
Lehrerreserve
(akt. Stand)
Gesperrte Stellen
im Schuljahr
2006/07
Grund- und Hauptschulen668.927625.4001537-720-500*-370
Realschulen227.654231.800665-280-170-49
Sonderschulen41.39340.900340-100-100*GHS-
Gymnasien273.025302.7001422-250Bereich
Berufliche Schulen367.414366.7001336-230-70

SucheHilfeEmailSitemapDruckversion
Suche,Hilfe,Email,Sitemap