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Vergleichsarbeiten

(b&w 4/10
Seite 26f)

Nach VERA ist vor VERA – was bringt 2010?

Vergleichsarbeiten: Zu einem kritischen Rückblick auf VERA 2009 und einem Ausblick auf die nächste VERA-Runde 2010 traf sich die Fachgruppe Grundschule mit Elsbeth Müller-Rosigkeit vom Landesinstitut für Schulentwicklung (LS), die als stellvertretende Referatsleiterin die Durchführung von VERA in Baden-Württemberg verantwortet.

VERA steht unmittelbar bevor: Erstmals hat sich Baden-Württemberg im letzten Jahr an diesem Verfahren beteiligt, das nach einem Beschluss der Kultusministerkonferenz (KMK) für alle Bundesländer ab 2009 verbindlich ist. Zum zweiten Mal werden alle Drittklässler am 28. April und 4. Mai im Fach Deutsch und am 6. Mai im Fach Mathematik bundesweit diese Vergleichsarbeiten schreiben. Für die Aufgabenentwicklung ist jetzt das Institut für Qualität im Bildungswesen an der Humboldt-Universität in Berlin im Auftrag der KMK zuständig. Die Testauswertung läuft wie bisher über die Universität Koblenz-Landau, die auch die bisherigen VERA-Tests entwickelt hat. Die Durchführung in Baden-Württemberg organisiert das Landesinstitut für Schulentwicklung (LS) in Stuttgart.

Viele Lehrer/innen stehen den Diagnosearbeiten VERA nach wie vor kritisch gegenüber. 93,5 Prozent der Personen einer GEW-Online-Umfrage im Juli 2009 bezweifelten den Nutzen von VERA und hielten den Aufwand für unangemessen (b&w 4 und 9/2009). Das dürfte einer im Land weit verbreiteten Stimmung entsprechen. Umstritten waren vor allem die Mathematikaufgaben, die einseitig aus den Bereichen Raum und Form sowie Daten, Häufigkeit und Wahrscheinlichkeit entnommen waren und keine arithmetische Aufgaben enthielten.

Umstrittener Nutzen

Grund genug für die GEW, das Gespräch mit dem Landesinstitut zu suchen. Die Kritikpunkte seien dort angekommen, bestätigte die zuständige Expertin, und sie deckten sich weitgehend mit denen der GEW. Da es sich aber um eine bundesweite Untersuchung handele, sei der Einfluss des LS begrenzt, auch wenn baden-württembergische Schulpraktiker bei der Aufgabenerstellung mitarbeiteten. Den Bereich Zahlen und Operationen beispielsweise hätten die VERA-Vorversionen anderer Bundesländer zuletzt dreimal enthalten und dann 2009 eben nicht mehr, zum Nachteil für Baden-Württemberg. Die Testkonstruktion erfordere zudem eine genügend große Anzahl von leichten, mittelschweren und herausfordernden Aufgaben und eine eindeutige richtig-falsch Aufgabenauswertung, um zu klaren Ergebnissen und Zuordnungen zu den einzelnen Fähigkeitsniveaus der Schüler/innen zu kommen. Diese Hintergründe müssten den Lehrkräften noch mehr als bisher verdeutlicht werden, um eine bessere Akzeptanz von VERA zu erreichen, so Müller-Rosigkeit. Auch der heftig kritisierte Kopieraufwand sei leider unvermeidlich, da eine Lieferung durch das LS logistisch in einem Flächenstaat wie Baden-Württemberg nicht zu bewältigen sei. Und die von den GEW-Mitgliedern kritisierte Ausweitung von VERA auf drei Testtage sei nun mal eine bundesweite Vorgabe.

Angebotene Hilfen müssen verbessert werden

Trotz aller Kritikpunkte biete VERA den Schulen aber auch Chancen für die schulinterne Evaluation der Unterrichtsqualität und die individuelle Förderung von Schüler/innen, die noch zu wenig erkannt und genutzt würden, so Müller-Rosigkeit im Gespräch mit der GEW-Fachgruppe Grundschulen. Zu wenig bekannt seien in den Schulen die KMK-Standards für den Primarbereich, die auch die Grundlage für VERA sind. Für Baden-Württemberg, das diesen Schritt mit den neuen Bildungsplänen 2004 schon vorab vollzogen habe, gebe es eine spezielle Handreichung zur Umsetzung. Die neue Verwaltungsvorschrift vom 17.5.09 schreibe zudem vor, die Ergebnisse von VERA mit Schüler/innen, Eltern und in Lehrerkonferenzen zu besprechen.

Müller-Rosigkeit räumte ein, dass die den Schulen dafür angebotenen Hilfen noch nicht ausreichten und weiter verbessert werden müssten. So gebe es bisher nur zwei Akademielehrgänge zu der Thematik im Jahr in Esslingen und die regionale Fortbildungsstruktur zu VERA sei erst im Aufbau. Zu wenig würden leider noch die Eingaben für den fairen Vergleich und die Prognose der Diagnosegenauigkeit genutzt, die den Schulen zusätzliche und wichtige Erkenntnisse bieten könnten. Gerade hier habe sich gezeigt, dass Lehrer/innen die Aufgabenschwere und Schülerleistungen oft falsch einschätzten. Insgesamt sei der erste VERA-Durchlauf aus Sicht des LS dennoch erfolgreich verlaufen, auch wenn mit Blick auf VERA 2010 noch manches verbessert werden müsse.

GEW bleibt dennoch auch weiterhin skeptisch

Trotz des sehr konstruktiven Gesprächs schätzt die GEW den Aufwand und Nutzen von VERA nach wie vor skeptisch ein. Zu gering erscheint der diagnostische und praxisrelevante Wert, zu groß die Gefahr eines einseitigen „teaching to the test“ und zu groß die Entmutigung überforderter und sprachschwächerer Kinder. Zu gering auch die Unterstützung der Schulen bei der Analyse und Interpretation der VERA-Daten mit Blick auf konkrete Maßnahmen zur Weiterentwicklung eines kompetenzorientierten Unterrichts. Und ob der Vergleich über die eigene Klasse hinweg schulintern und landesweit wirklich objektiv ist und Sinn macht, kann angesichts unterschiedlicher Verfahrensweisen und höchst unterschiedlicher Ausgangslagen in den Schulen bezweifelt werden.

Für das Bildungsmonitoring genügen die internationalen und nationalen Leistungsvergleiche IGLU und TIMSS sowie stichprobenartige Leistungserhebungen. Für die einzelne Schule und die jeweiligen Klassen mit ihren Schüler/innen und Lehrer/innen braucht es unaufwendige diagnostische Materialien, die die direkte individuelle Förderung im Blick haben. Hier und in die entsprechende Aus- und Weiterbildung der Lehrkräfte müsste ebenso investiert werden wie in die gesicherte Zuweisung von Förderstunden an die Schulen. Die Entwicklung einer pädagogisch ausgerichteten und ermutigenden Leistungskultur muss Vorrang haben vor einer perfektionierten und flächendeckenden „Vermessung“ der Kinder.

Oder anders und mit den Worten des Schweizer Kinderarztes und Entwicklungsspezialisten Remo H. Largo: „Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.“ Bleibt abzuwarten was uns VERA 2010 bringt.

Bernd Rechel für die
Fachgruppe Grundschule

Unterrichtsentwicklung mit VERA

Vera dient – im Unterschied zu IGLU und ähnlichen Erhebungen – vor allem der Unterrichtsentwicklung; mit Blick auf nationale Bildungsstandards einerseits sowie Schulsystem und Lehrpläne der jeweiligen Bundesländer andererseits. Das VERA-Vorhaben geht auf einen Beschluss der Kultusministerkonferenz (KMK) zurück. Grundlage von VERA sind für jeden Testdurchgang jeweils neu entwickelte Aufgabenzusammenstellungen in Mathematik und Deutsch mit jährlich wechselnden Schwerpunkten. Referenzrahmen sind die KMK-Standards für die Primarstufe.

  • Vorgesehene Bereiche in Deutsch sind: Leseverständnis, Schreiben, Sprachbetrachtung, Orthografie.
  • Vorgesehene Bereiche in Mathematik sind: Zahlen und Operationen, Raum und Form, Muster und Strukturen, Größen und Messen, Daten, Häufigkeit und Wahrscheinlichkeit.

Nützliche Links und Hinweise:

  • VERA-Durchführung in BW: www.schule-bw.de/entwicklung/ dva/vavera/
  • Landesinstitut für Schulentwicklung: www.ls-bw.de
  • Didaktische Vorbereitung und pädagogische Nutzung: www.uni-landau.de/vera/
  • VERA-Hinweise des IQB: www.iqb.hu-berlin.de/vera2
  • Grundschulverband zu VERA: www.grundschulverband.de/vergleichsarbeiten.html

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