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Pfad zur Seite:Startseite - Aktuell - Zeitschrift b&w - b&w 2010 - September 2010 - Werkrealschule

Werkrealschule

(b&w 9/10
Seite 12)

Pressewirksam verkauft, aber allein gelassen

Werkrealschule: Die neuen Bildungspläne wurden erst im Frühjahr 2010 fertiggestellt, dann wurde schnell ein Fortbildungskonzept für die Hauptschullehrer/innen konzipiert und anschließend erfolgte ein kurzes Hineinschnuppern in die Fortbildung kurz vor Schuljahresende – und schon ist von einer qualifizierten Einführung und einem gut vorbereiteten Start der Werkrealschule in diesem Schuljahr die Rede.

Neben zahlreichen Widrigkeiten – vielfach bedingt durch Schulschließungen und Versetzungen aus dienstlichen Gründen von Hauptschullehrer/innen und Schulleitungen – kommt zu Beginn des neuen Schuljahrs eine weitere Erschwernis auf die Kolleg/innen der Haupt- und Werkrealschulen zu: nur mit mangelnder Einführung und ohne ausreichende Fortbildung starten die Haupt- und Werkrealschulen im Schuljahr 2010/11 mit einem neuen Bildungsplan. Unvorstellbar, dass solch ein unprofessioneller Einstieg in einer anderen Schulart erfolgt wäre.

Der Bildungsplan für die neue Schulart Werkrealschule liegt seit April 2010 vor und gilt ab diesem Schuljahr für die Klassen 5 bis 8: drei neue Wahlpflichtfächer (Natur und Technik, Wirtschaft und Informationstechnik, Gesundheit und Soziales) und modifizierte Bildungspläne für die Fächer Mathematik, Deutsch und Englisch stellen bereits in diesem Schuljahr die Lehrkräfte der Haupt- und Werkrealschulen vor große Herausforderungen. Dies hat das Kultusministerium erkannt und für diese Bereiche Fortbildungskonzeptionen erarbeitet:

In jeder Werkrealschule muss in den Fächern Deutsch, Mathematik, Englisch und in jedem der drei Wahlpflichtfächer mindestens eine Lehrkraft pro Fach fortgebildet werden. Da für die Hauptschulen der gleiche Bildungsplan gilt, müssen auch in den Hauptschulen diese Fortbildungen gewährleistet sein. Ausnahme: Sollte eins der Wahlpflichtfächer in diesem Jahr nicht unterrichtet werden, kann diese Fortbildung unterbleiben.

Der zeitliche Rahmen der Fortbildungsreihen umfasst bei den Fächer Deutsch, Mathematik, Englisch eine Ganztages- und mehrere Halbtagesveranstaltungen und bei den Wahlpflichtfächern mehrere Ganztage.
In den Wahlpflichtfächern erfolgte der Einstieg in die Fortbildungsreihe mit einer meist halbtätigen Informations- und Einführungsveranstaltung im Mai und einem ganztägigen Fortbildungstag vor den Sommerferien. Somit sollte ein gelingender Start der Werkrealschule im neuen Schuljahr und eine ausreichende Vorbereitung der Lehrkräfte gewährleistet sein. Bei den Kernfächern konnte nicht mal der Anschein ausreichender Vorbereitung der Lehrkräfte aufrecht erhalten werden: Es wurde lediglich eine (!) halbtätige Einführungsveranstaltung angeboten.

Nicht nachvollziehbar ist, dass auf der einen Seite die Einführung der Werkrealschule ab diesem Schuljahr mit modifizierten Bildungsplänen in den Kernfächern und neuen, anspruchsvollen Bildungsplänen in drei Wahlpflichtfächern als die positive Weiterentwicklung des dreigliedrigen Schulsystems verkauft wird und auf der anderen Seite das Kultusministerium durch selbst verursachten Zeitdruck eine ausreichende Einführung und Fortbildung der Lehrkräfte versäumt hat.

Doch nicht nur der zeitliche Rahmen der Fortbildungen erweist sich als fragwürdig, sondern auch bei der Fortbildung der Fortbildner/innen wird die Problematik des engen zeitlichen Korsetts deutlich: Die Fortbildner/innen, die ihrerseits in Erlasslehrgängen auf die Inhalte ihrer Fortbildungsangebote vorbereitet wurden, haben letztendlich nur den im Grund-, Haupt-, Real- und Sonderschulbereich vielfach beklagten „Drei-Tage-Vorsprung“. Es liegt in der Regel nicht an den Fortbildner/innen selbst, sondern – wie auch im Fall der Werkrealschulfortbildung – daran, dass sie ihren Wissensvorsprung lediglich aus einem einzigen Erlasslehrgang ziehen können. Rückmeldungen von Teilnehmenden zeigen deutlich dieses Manko auf: Beklagt wurde vielfach, dass sich die Fortbildner/innen bemüht hätten und ihr Know-how aus der Erwachsenendidaktik gut sei, aber die fachlichen Inhalte viel zu kurz gekommen seien. Ein einziger Erlasslehrgang als Wissensvorsprung recht eben nicht aus!

Spätestens in ein paar Wochen werden wir durch Pressemitteilungen erfahren, dass sich die Werkrealschule bewährt. Kein Wort werden wir hören, dass die Hauptschullehrkräfte den Start nahezu ohne Unterstützung allein meistern müssen. Es bleibt nur zu hoffen, dass die Fortbildungsreihen zu den Bildungsplänen der Wahlpflicht- und der Kernfächer rasch und vor allem qualifiziert erfolgen, so dass die Lehrkräfte endlich die notwendige Unterstützung erhalten.
Petra Pfeiffer-Silberberger

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