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Werkrealschulen

(b&w 10/10
Seite 6)

Weitere Infos unter:
www.gew-bw.de/
Haupt-Werkrealschule.html

Werkrealschulen – Start mit Unmut

Seit diesem Schuljahr gibt es zwei Arten von Hauptschulen, die Hauptschule und die Werkrealschule. Während das Kultusministerium erklärt, dass auch an den Hauptschulen nach dem Bildungsplan der Werkrealschule unterrichtet werde, „bestätigt“ es nun am 24. September über das Service-Center der Schulverwaltung, „dass auch die Werkrealschulen die Vergleichsarbeiten der Hauptschulen schreiben.“ Die Begründung: im vorausgegangenen Schuljahr seien die Schüler/innen noch auf der Basis des Bildungsplans der Hauptschule unterrichtet worden. Nur eben: wer die Bildungspläne der Hauptschule und der Werkrealschule in den fraglichen Fächern Deutsch und Mathematik für die Klassen 5 und 6 vergleicht, wird sich schwertun, überhaupt einen Unterschied zu finden.

Das gilt auch für die Eltern und Schüler/innen, die keineswegs in Massen von den Hauptschulen zu den Werkrealschulen übergelaufen sind, zumal häufig erhebliche zusätzliche Kosten für Fahrt und Verpflegung entstehen. Nicht selten fangen daher genehmigte Werkrealschulen genauso einzügig an, wie benachbarte Hauptschulen. Die Unruhe in der Schullandschaft wird sich also nicht so schnell legen – genauso wenig wie der berechtigte Unmut jener verbleibenden Hauptschulen, denen man die Bezeichnung Werkrealschule verweigert. Verweigert, ohne eine nachvollziehbare Begründung, die nur in einem unterschiedlichen Profil liegen kann, welches, siehe Vergleichsarbeiten, aber fehlt.

Die Werkrealschulen dagegen ärgern sich über die Regelungen für Dienstreisen bei außerunterrichtlichen Veranstaltungen. Die bescheidenen Mittel des Kultusministeriums werden nämlich nach einem Schlüssel auf die Schulen verteilt, der sich nach der Zahl der Klassen zwei Kalenderjahre zuvor richtet. Zusammengelegte Werkrealschulen erhalten damit im Kalenderjahr 2010 nur den Satz, den die Stammschule auf Grund der niedrigeren Klassenzahl 08/09 erhält; damit dürfte für viele Schullandheimklassen in den Jahren 2010 und 2011 nur die Hälfte oder gar ein Drittel der bisherigen Reisekosten zur Verfügung stehen. Abschlussklassen oder Eingangsklassen dürften vollends leer ausgehen. Direkte Begegnungen mit Abgeordneten in Berlin oder Stärkung der Klassengemeinschaft durch Erlebnispädagogik? Nur wenn Lehrkräfte Fahrt und Unterkunft selbst bezahlen. Dies „freiwilligen Reisekostenverzicht“ zu nennen (wie im Schreiben des KM vom 25.11.2008), ist schon zynisch. Der Verzicht dürfe nicht durch „sozialen Druck“ erzwungen werden – auch nicht durch den „sozialen Druck“, den sich eine Lehrkraft selbst macht, weil sie will, dass doch auch Hauptschüler/innen mal in die Hauptstadt kommen?

Mit „Freiplätzen“ werben Veranstalter nun verstärkt, doch die sind nur eine versteckte und letztlich verfassungswidrige Abwälzung von Kosten auf die Eltern, die zu verbieten und nicht zu fördern wäre.

Erhard Korn

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