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Bertelsmann-Studie bildet Kita-Realität nur bedingt ab

04.07.2016

Baden-Württemberg hat laut Bertelsmann-Länderstudie den besten Personalschlüssel in Kitas. Die GEW schätzt das. Besonders bundesweit, aber auch in Baden-Württemberg, gibt es allerdings noch Verbesserungsbedarf.

Laut der Bertelsmann-Studie liegt der Personalschlüssel in den Ländern im Krippenbereich zwischen 1:3,0 und 1:6,4 (Fachkraft-Kinder). Im Kindergartenbereich für die Drei- bis Sechsjährigen zwischen 1:7,3 und 1:14,1. Baden-Württemberg hat in beiden Bereichen die beste Fachkraft-Kind-Relation. Wissenschaftler empfehlen eine Fachkraft-Kind-Relation von 1:3 (Krippe) und 1:7 bzw. 1:8 (Kita). Dank der zusätzlichen Investitionen der grün-roten Landesregierung schneiden baden-württembergische Kitas im Bundesvergleich sehr gut ab. Das wertschätzt die GEW.

Allerdings bildet der Personalschlüssel nicht die Zeit ab, die mit dem Kind verbracht wird. Er bezieht sich auf die Gesamtzeit des Personals in der Einrichtung und rechnet Elterngespräche, Teamsitzungen, Dokumentation, Fortbildung, Kooperation mit anderen Einrichtungen und nicht zuletzt Krankheit und Urlaubszeiten mit ein. Berücksichtigt man das, entsteht ein ganz anderes Verhältnis von Fachkraft zu Kind. Wichtig ist auch, dass der Personalschlüssel alle Beschäftigten umfasst und eine Fachkraft in Baden-Württemberg nicht unbedingt Erzieher/in sein muss.

Erzieher/innen hierzulande müssen wegen der Bertelsmann-Studie nun befürchten, dass ihr Ruf nach Verbesserungen nicht mehr ernst genommen wird. In der alltäglichen Arbeit kommt es trotz der guten Bertelsmann-Ergebnisse auch in Baden-Württemberg immer wieder zu Engpässen und damit zu belastenden Situationen.  

Andere Bundesländer schneiden bei der Studie sehr schlecht ab. Skandalös ist, dass es bundesweit enorme Unterschiede gibt und der Geburtsort eines Kindes über dessen Bildungsweg entscheidet. „Der Bund muss jetzt handeln und ein Kita-Qualitätsgesetz auf den Weg bringen. Es soll einen Beitrag dazu leisten, für Kinder bundesweit vergleichbare Lebensverhältnisse zu schaffen“, sagte Norbert Hocke, Vorstandsmitglied der GEW Hauptvortand für Jugendhilfe und Sozialarbeit. 

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