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Einstellungsrunde: Berufliche Schulen kommen mit blauem Auge davon

07.07.2017 - Michael Futterer, stellvertretender Landesvorsitzender

Zum Sommer 2017 werden zwar 210 Stellen wie vorgesehen gestrichen, die beruflichen Schulen erhalten aber insgesamt 183 zusätzliche Stellen für Geflüchtete und Inklusion zugewiesen. Real fallem somit nur 27 Stellen weg.

105 der zusätzlichen Stellen sind für den Unterricht Geflüchteter und 15 Stellen für den Sonderpädagogischen Dienst (Inklusion). Stellenstreichungen werden faktisch in das Jahr 2018 verlagert. An den beruflichen Schulen gibt es jetzt insgesamt 705 Stellen für Geflüchtete, die alle den kw-Vermerk (künftig wegfallend) zum 01.08.2018 haben. Darüber hinaus laufen 2018 auch 200 Abordnungen von den allgemeinbildenden Gymnasien an die beruflichen Schulen aus und das Land plant im Rahmen seines Abbauplanes weitere Stellenstreichungen. Wenn dies realisiert wird, droht 2018 eine Katastrophe.

Im Sommer 2017 stehen 923 Stellen (825 WL und 98 TL) zur Verfügung. Da die Zahl der Pensionierungen leicht gesunken ist und es mehr Rückkehrer/innen aus der Beurlaubung gibt als Beurlaubungen, werden weniger Stellen frei.

Grundsätzlich sind die Einstellungschancen an den beruflichen Schulen nach wie vor gut: 339 der 385 (88 Prozent) der Referendar/innen, die im Sommer ihren Vorbereitungsdienst beenden (Laufbahnbewerber neu), haben bereits ein Einstellungsangebot erhalten. Dazu kommen 46 Altbewerber, sowie 44 Lehrkräfte mit gymnasialer Ausbildung und 5 Sonderschullehrkräfte. Weitere 42 Laufbahnbewerber/innen (neu) und 49 (alt) haben einen Zwischenbescheid erhalten und können sich im Nachrückverfahren auf schulbezogene Stellenausschreibungen bewerben.

Da es weniger freie Stellen gibt und viele Allgemeinbildner/innen, die in den vergangenen Jahren eingestellt wurden, gibt es inzwischen an einigen Standorten einen Überhang, vor allem in den Fremdsprachen und in Geschichte/Gemeinschaftskunde. Bewerber/innen mit diesen Fächern müssen regional flexibel sein, wenn sie ein Einstellungsangebot erhalten wollen. Ähnlich sieht es auch für BWL aus. Für dieses Fach gibt es nach wie vor Bedarf, allerdings nicht in allen Regionen und an allen Standorten.

Einen erheblichen Bewerbermangel gibt es nach wie vor bei den Naturwissenschaften und in vielen berufsbezogenen Fächern. 2016 wurde nur 47 Laufbahnbewerber/innen eingestellt, 2017 konnten bereits 74 Personen gewonnen werden. Der Anstieg der Bewerber/innenzahl ist zwar erfreulich, aber immer noch zu niedrig. Gerade im Bereich Gewerbe sind die beruflichen Schulen weiterhin auf Direkteinsteiger/innen angewiesen.

Die Zahl der Direkteinstiege schwankte schon immer, problematisch ist trotzdem, dass die Zahlen seit 2015 erheblich zurückgegangen sind (2015: 760, 2016: 443, 2017: 229). Gerade bei guter Konjunktur kann das KM z.B. im Elektro- oder Metallbereich oder bei Informatiker/innen nur begrenzt mit der Wirtschaft konkurrieren. Hier rächt sich, dass das Land über Jahre hinweg seine Beschäftigten vornehmlich als Sparpotential betrachtet hat.

Das KM will – wo rechtlich möglich ist – befristete Arbeitsverträge verlängern. Unabhängig davon, sind derzeit noch mindestens 150 Stellen unbesetzt. Das KM ist optimistisch, diese 150 ungeklärten Stellen bis September besetzen zu können. Außerdem will das KM auf die Gymnasialliste zurückgreifen und im Rahmen des Nachrückverfahrens über schulbezogene Stellenausschreibungen Lehrkräfte gewinnen. Es gibt im Beruflichen Bereich also nach wie vor Einstellungschancen.

Gemessen an den Stellenstreichungsplänen sind die beruflichen Schulen noch einmal mit einem blauen Auge davongekommen. Wie sich die unbefriedigende Stellenentwicklung auf die Unterrichtsversorgung im kommenden Schuljahr auswirkt, lässt sich erst im September beurteilen. Wahrscheinlich muss man froh sein, wenn das strukturelle Unterrichtsdefizit nicht anwächst. Ob und in welchem Umfang zusätzliche Bedarfe etwa für Geflüchtete, pädagogische Innovationen (Einführung von AV-dual) gedeckt werden können, bleibt abzuwarten. Offen ist auch, wie es mit der die hohen Überstundenbugwelle weitergeht.

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