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Gemeinschaftsschule fehlt Unterstützung

28.07.2017

Nach einem Jahr grün-schwarzer Schulpolitik zieht die GEW eine Bilanz: Der Koalitionsvertrag barg durchaus positive Überraschungen: Von einer Abwicklung der Reformen konnte keine Rede sein. Doch die angekündigten Versprechungen der „Verlässlichkeit“ und der „Ruhe im Schulsystem“ werden konterkariert.

 

Für die GEW war die Einführung der Gemeinschaftsschule als inklusive Schulart die zentrale Reform der vormaligen Landesregierung. Die CDU hat die Gemeinschaftsschule von Beginn an bekämpft. Insofern war es besonders spannend, wie der Koalitionskompromiss mit den Grünen bei den Gemeinschaftsschulen aussehen würde. Das Ergebnis entpuppte sich als erfreulich: Anträge sind weiterhin möglich. Dass dabei künftig genauer auf die stabile Zweizügigkeit geachtet wird, ist zu begrüßen. Hier hätte man sich schon früher stringentere Kriterien gewünscht. Auch Oberstufen können eingerichtet werden. Dass im Koalitionsvertrag trotz klarer gesetzlicher Vorgaben steht, dass die „Koalitionspartner davon ausgehen, dass an nicht mehr als zehn Standorten Schülerinnen und Schüler an den Oberstufen der Gemeinschaftsschule unterrichtet werden“, ist etwas merkwürdig. Diese Einschätzung dürfte zwar zunächst realistisch sein, ist aber eben dies: Eine Einschätzung. Wenn das Schulgesetz bleibt, spielt die geschätzte Zahl keine Rolle.

Die Formulierung, dass man den Gemeinschaftsschulen „weiterhin die notwendigen Ressourcen für ihre anspruchsvolle Arbeit zur Verfügung stellen wird“, lässt bereits ahnen, dass die dringend notwendige personelle Aufstockung nicht kommen wird. Stattdessen sprach Wolfgang Reinhart, Chef der CDU Landtagsfraktion, trotz verbindlichem Ganztag, trotz Binnendifferenzierung, trotz dreier Niveaustufen, trotz Inklusion, trotz fehlender Unterstützung für die Entwicklung von pädagogischen Konzepten und von Materialien, von einer „bewusst privilegierten Schulart“. Manche meinen, dass Gemeinschaftsschulen es sich in einem Schonraum gemütlich machten. Einige Diskussionen später muss man daher die Passage des Koalitionsvertrags zu den Gemeinschaftsschulen deutlich kritischer lesen. Für sie gebe es ohnehin nur „Bestandsschutz“ – gerade so, als seien sie eine sterbende Spezies, stellte Christian Füller in der Wochenzeitung „Freitag“ fest. Für eine Schulart, die sich immer noch im Aufbau befindet und sich mancherorts zermürbenden kommunalen Konkurrenzkämpfen, ständigem Rechtfertigungsdruck, verbunden mit einer extrem hohen Arbeitsbelastung der Kolleg/innen ausgesetzt sieht, erfährt die Gemeinschaftsschule viel zu wenig Unterstützung.

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