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Schluss mit Stellenstreichungen und Sparmaßnahmen!

20.06.2017 - Michael Futterer, stellvertretender GEW-Landesvorsitzender

210 Stellen sollen 2017 an den Beruflichen Schulen gekürzt werden. Weitere 700 Stellen sollen laut Stellen- abbauplan in den kommenden drei Jahren über alle Schularten hinweg gestrichen werden. Darüber hinaus sind ca. 1.000 Stellen, davon 570 Stellen an Beruflichen Schulen, für die Beschulung Geflüchteter nur bis Sommer 2018 finanziert - diese will das Finanzministerium ebenfalls abbauen.

Die grün-schwarze Landesregierung will weiter an der Bildung sparen. Im Namen der Schuldenbremse sollen im laufenden Jahr 31 Millionen im KM-Haushalt eingespart werden – in den beiden kommenden Jahren jeweils 23 Millionen – und dies, obwohl die Steuereinnahmen derzeit sprudeln und hohe Haushaltsüberschüsse vorhergesagt werden.

Kultusministerin Eisenmann hat die Verbesserung der Unterrichtsqualität zum wichtigsten Ziel ihrer Politik erklärt. Die Unterrichtsversorgung an den Beruflichen Schulen hat sich zwar in den vergangenen Jahren deutlich verbessert, weil es in erheblichem Umfang zusätzliche Stellen gab. Fakt ist aber, dass es nach wie vor ein strukturelles Versorgungsdefizit gibt. Immer noch fehlen circa 270 Stellen vor allem in der dualen Ausbildung. Das heißt, dass pro Schuljahr circa 250.000 Unterrichtsstunden ausfallen. Fakt ist auch, dass die Beruflichen Schulen immer noch die mit am schlechtesten versorgte Schulart sind. Wer jetzt Stellen streicht, provoziert erneuten Unterrichtsausfall.

Viele Lehrkräfte an den Beruflichen Schulen leisten seit Jahren Mehrarbeit, um die Unterrichtsversorgung zu sichern. Die Überstundenbugwelle steigt wieder an (von 1.688 Deputaten 2014/15 auf 1.806 Deputate 2016/17) – dies entspricht circa 1,7 Millionen Überstunden, die im laufenden Schuljahr geleistet werden, und darin sind die während des Schuljahres angeordneten Vertretungen noch gar nicht enthalten. Eine festinstallierte Krankheitsvertretung existiert ohnehin nur auf dem Papier.

Darüber hinaus werden seit Jahren die Aufgaben vor allem im nicht-unterrichtlichen Bereich ausgeweitet. Lehrkräfte und Schulen betreiben z.B. Datenschutz, schaffen die technischen Voraussetzungen für Digitalisierung, erstellen Gefährdungsbeurteilungen, akquirieren Praktikumsplätze, betätigen sich als Verkehrs- oder Kulturbeauftragte, arbeiten mit den Kammern zusammen, engagieren sich in Prüfungsausschüssen, nehmen Schulfremdenprüfungen ab..., ohne dass es dafür eine entsprechende Anrechnung bei der Arbeitszeit gibt. Im Gegenteil: Das Land hat in den vergangenen Jahren Anrechnungsstunden gekürzt.

Lehrkräfte, die mit Mehrarbeit die Unterrichtsversorgung sichern oder Zusatzaufgaben erfüllen, können aber wohl kaum gleichzeitig noch zusätzlich ihren Unterricht konzeptionell weiterentwickeln. Deshalb: Wer Unterrichtsqualität verbessern will, der muss für bessere Arbeitsbedingungen der Lehrkräfte und v.a. für ausreichend Zeit sorgen.

Die Beruflichen Schulen stehen ständig vor neuen Herausforderungen
Für die Integration von Geflüchteten mussten in den vergangenen drei Jahren mehr als 500 VABO-Klassen aus dem Boden gestampft werden, Lehrkräfte mussten sich einarbeiten und fortbilden. Nach der Umwandlung des VABO in einen Sprachkurs ist es notwendig, dass die Schüler/innen zur Erfüllung ihrer Schulpflicht ein weiteres Jahr eine Vollzeitschulart besuchen. Dafür sind v.a. im Regel-VAB zusätzliche Klassen und Stellen notwendig.

AV-Dual wurde als Schulart eingeführt mit dem Ziel, mit einem leistungsdifferenzierten und individualisierten Ganztagesunterricht gerade schwächere Schüler/innen besser fördern zu können. Schulen erhalten zwar die Möglichkeit, AV-Dual einzuführen - die RP können aber derzeit nicht zusichern, dass sie auch die notwendigen zusätzlichen Stellen erhalten. Und auch die Ausweitung des Unterrichtes in der Berufsschule wird ohne zusätzliche Stellen kaum zu realisieren sein.

Die Attraktivität der dualen Ausbildung muss weiter gesteigert werden. In der Berufsschule ist deshalb dringend ein vollständiger zweiter Berufsschultag notwendig. Wer also eine qualitativ hochwertige berufliche Bildung will, wer die pädagogische Weiterentwicklung der Beruflichen Schulen will, wer die Beruflichen Schulen fit für die Zukunftsaufgaben machen will, muss endlich damit aufhören, die Lehrkräfte und die Bildung v.a. als Sparpotential zu betrachten.

 

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