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GEW Karlsruhe gegen Rechts

Netzwerk Karlsruhe gegen Rechts

Alle Informationen zum Karlsruher Bündnis gegen Rechts finden Sie unter: ka-gegen-rechts.de

Rede von Roland Jung, GEW-Kreisvorsitzender, am 17.02.2016

zur Veranstaltung: Nokargida am Stephansplatz in Karlsruhe:

Guten Abend
Liebe Bürgerinnen, liebe Bürger,
liebe Flüchtlinge,
liebe Kolleginnen, liebe Kollegen,

und
liebe Kolleginnen und Kollegen der Polizei,
ich freue mich darüber, dass auch
eure Gewerkschaft GdP sich gegen diesen rechtsextreministischen Aufmarsch engagiert und ausgesprochen hat !!!

Jedoch, wenn sich zu Freude Stolz gesellt
und Samen auf den Boden fällt,
die braune Scholle sich entpellt,
sich über andere Menschen stellt
und gegen alles Fremde bellt,
man Deutsche ohne Hirn erhält!!!
(Und ohne Herz!!!!)
v. Nessi Tausendschön in „Die Anstalt“ v. 23.02.16

Sie hetzen gegen Muslime, Flüchtlinge und unser demokratisches politisches System. Sie verkünden lauthals, dass sie unsere Regierung stürzen wollen. Das hatten wir schon einmal, und als Gewerkschaft sind wir besonders sensibel dafür. Wir wissen, in Karlsruhe marschieren handfeste Nazis, und das erste was sie gemacht hatten als sie 1933 an der Macht waren, war die Gewerkschaften zu zerschlagen. Deshalb fordern wir als GEW: es muss Schluss sein mit dem rechten Spuk auf Karlsruhes Straßen und Plätzen.

 

Liebe Bürgerinnen, liebe Bürger,

als Mensch, Gewerkschafter und einer von vielen Vertretern aus dem Antifaschistischen Aktionsbündnis und dem Karlsruher Netzwerks gegen Rechts war und bin ich immer noch entsetzt über die fremdenfeindlichen Übergriffe in Clausnitz und Bautzen.

Von wegen Wutbürger, die bei Pediga* oder Kargida* oder sonst wo ihre fremdenfeindliche Meinung und ihre Ängste demonstrieren. Ich sage nein, das sind keine Wutbürger, das sind braune Hassprediger und Brandstifter.

Gegen diesen Rechtsextremismus, gegen diese Menschenfeindlichkeit, gegen diese Aufläufe von Nazis haben sich in Karlsruhe viele Organisationen, Parteien, Gewerkschaften und Gruppen zusammengeschlossen und zu dieser Kundgebung aufgerufen.
Im sogenannten Netzwerk „Karlsruhe gegen Rechts“ engagieren sich über 40 Netzwerkpartner* mit über 100.000 Mitgliedern für Vielfalt und ein demokratisches Miteinander in Karlsruhe.

Wir setzen denen, die Fremdenhass, Aggression, Vorurteile und Gewalt schüren, die Stimmung gegen Flüchtlinge, Migrantinnen und Migranten machen, unser entschiedenes Handeln entgegen. Wir unterstützen Flüchtlinge, üben Solidarität und treten Diskriminierungen mit Zivilcourage entgegentreten. Wir begegnen Geflüchteten so, wie wir wollen, dass auch uns in der Fremde begegnet wird. Wir heißen die Flüchtlinge und alle Menschen, die zu uns kommen, willkommen!

Als Bildungsgewerkschaft stehen für uns die Kinder und Jugendlichen in den Bildungseinrichtungen im Fokus:

Ich fordere alle Pädagoginnen und Pädagogen auf, sich einzumischen: Auf dem Schulhof, im Klassenzimmer und auf Klassenfahrt darf Diskriminierung und Fremdenfeindlichkeit nicht ignoriert werden! Pädagoginnen und Pädagogen müssen Vorbild sein!

Schulen müssen durch Information, Aufklärung und Diskussion Diskriminierung, Fremdenhass und Intoleranz den Nährboden entziehen. Rechtsextremisten, Pegida- und Kargida-Unterstützer zeigen uns, wie notwendig es ist, zu Toleranz, zur Akzeptanz von Vielfalt, zur Wertschätzung und Anerkennung von Anderssein zu erziehen.

Deshalb haben wir uns auch mit vielen anderen Organisationen dafür eingesetzt, dass Friedens­bildung in den Schulen stärker in den Bildungsplänen verankert wird.

Friedensbildung an Schulen durch Gewaltprävention und Friedensförderung in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Friedensbildung durch globale friedens- und sicherheitspolitische Fragestellungen und konstruktive Konfliktbearbeitung.

Wir müssen uns rassistisch und antisemitisch motivierter Gewalt entgegenstellen.Wir dürfen instituti­onellen Alltagsrassismus* und eine wachsende gesellschaftliche Gleichgültigkeit nicht tolerieren. Unsere Kinder brauchen unser Vertrauen, ein Vertrauen in eine menschliche und demokratische Gesellschaft. Deshalb ist es unsere Aufgabe, alles dafür zu tun, Kinder, Jugendliche und Erwachsene, mit denen wir zusammenarbeiten, vor Dis­kriminierungen und Verletzungen zu schützen und sie parteilich zu begleiten.

Und ich sage an dieser Stelle sehr klar: Pegida und Kargida sind der klare Beweis dafür, dass unsere Gesellschaft allen Kindern und Jugendlichen ein gutes Fundament der Werteorientierung und der Auseinander­setzung mit Religionen bieten muss. Die Unterstützung der moralisch-ethischen Entwicklung aller Kinder und Jugendlichen - Christen, Muslime, Angehöriger anderer Religionen und ohne Religion - ist ein wichtiger Baustein einer demokratischen und toleranten Gesellschaft. Deshalb muss endlich der Ethikunterricht ab Klasse 1 eingeführt werden!

Liebe Bürgerinnen, liebe Bürger,
ich möchte mich hier bei allen bedanken, die im vergangenen Jahr gegen 21 rechte Aufmärsche mobilisierten und demonstrierten. Danke für eure Ausdauer und Euer Engagement. Für den nächsten Samstag ist bereits der nächste Aufmarsch kahlrasierter Hololigans und Neonazis geplant.

Bitte unterstützt das das AAKA (Antifaschistisches Aktionsbündnis) und das Karlsruher Netzwerk gegen Rechts
Vielen Dank!

* Als institutioneller Rassismus (auch: struktureller Rassismus) werden Rassismen bezeichnet, die von Institutionen der Gesellschaft, von ihren Gesetzen, Normen und internen Logik ausgehen, unabhängig davon inwiefern Akteure innerhalb der Institutionen absichtsvoll handeln oder nicht[1]. Er kann als ein Gegensatz zum personellen Rassismus verstanden werden, der sich beispielsweise im alltäglichem Rassismus und im Rechtsextremismus in Vorurteilen oder Gewalt ausdrückt.
Institutionellen Rassismus erfahren Menschen durch Ausgrenzung, Benachteiligung oder Herabsetzung in gesellschaftlich relevanten Einrichtungen wie beispielsweise:

  • bei der politische Beteiligung (Wahlrecht, Fehlende Repräsentanz in politischen Einrichtungen)
  • im Bildungssystem
  • auf dem Arbeitsmarkt
  • auf dem Wohnungsmarkt
  • als Opfer von Racial Profiling[1]

*Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes

*Kargida jetzt „Widerstand Karlsruhe“