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Grün-Schwarzes Bildungs-Chaos

19.10.2016 - GEW-Pressemitteilung

Steigende Steuereinnahmen - Bildungsreformen dürfen nicht am Geld scheitern

Stuttgart – Die Bildungsgewerkschaft GEW bezeichnet die aktuellen Äußerungen aus der Landesregierung zur Bildungspolitik als „grün-schwarzes Bildungs-Chaos“.

„Nach sechs Monaten grün-schwarzer Regierung gibt es kein Konzept für die Bildungspolitik. Die Kultusministerin kann sich nicht einfach über die beschlossenen Reformprojekte hinwegsetzen und die Regierungsfraktionen müssen dafür Sorge tragen, dass für den Ausbau der Ganztagsschulen, die Inklusion und die Unterrichtversorgung genügend Lehrkräfte eingestellt werden. Es stimmt, dass die Beschlüsse der Haushaltskommission nicht ausreichen. In den vollen Klassenzimmern, bei den jetzt schon überlasteten Lehrkräften und bei den Eltern hat niemand Verständnis, warum angesichts guter Steuereinnahmen und der Mehreinnahmen nach der Neuregelung des Länderfinanzausgleichs auf Kosten der Schülerinnen und Schüler gespart werden soll. Die grün-schwarze Landesregierung weiß offenbar nicht, wie es in den Klassenzimmern aussieht. Sie ignoriert, dass die Schülerzahlen steigen, die Inklusion auf der Kippe steht und tausende Flüchtlingskinder auf einen Schulplatz warten. Es ist absurd, dass aufgrund der überholten Schülerzahlprognose aus dem Jahr 2014 Stellen gestrichen werden sollen“, sagte am Mittwoch (19.10.) in Stuttgart Doro Moritz, Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW).

Die GEW weist darauf hin, dass sechs Wochen nach Beginn des Schuljahres noch nicht einmal der Pflichtunterricht gesichert ist und es nicht genügend Vertretungslehrkräfte gibt. Die Eltern werden sich auf mehr Unterrichtsausfall einstellen müssen. Die GEW befürchtet aufgrund des „grün-schwarzen Theaters um die Bildungspolitik“ auch, dass sich immer weniger junge Menschen für den Lehrerberuf interessieren werden und sich der bereits vorhandene Lehrermangel verschärfen wird.

„Die Schülerzahlen steigen, Reformen sind unzureichend ausgestattet, viele Geflüchtete warten weiter auf einen Schulplatz und alle versprechen mehr Qualität. Eine erste Voraussetzung dafür wäre, dass mindestens auf die geplante Streichung der 1.333 Lehrerstellen bis 2020 verzichtet wird. Wer Unterrichtsqualität verbessern will, muss zuerst dafür sorgen, dass der Unterricht stattfindet. Wir sind froh, dass wenigstens für die Grundschulen und die Qualifizierung der Hauptschulehrkräfte zusätzliche Mittel in den Landeshaushalt aufgenommen werden“, sagte Moritz.

Die GEW-Chefin berichtet, dass immer mehr Eltern für ihre Kinder, die bisher auf Sonderschulen besuchten, eine inklusive Beschulung wünschen und Kinder, Eltern und Lehrkräfte unter den schlechten Bedingungen für die Inklusion leiden. Wenn sich an den Rahmenbedingungen nichts ändert, rechnet sie mit einer Zunahme von Klagen.

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