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PISA-Studie: Sachliche Auswertung statt Politik-Theater

06.12.2016 - GEW-Pressemitteilung

GEW: Qualität verbessern – Soziale Ungleichheit abbauen

Stuttgart – Die Bildungsgewerkschaft GEW ruft zu einem sachlichen Umgang mit Vergleichsstudien wie der heute (06.12.) vorgestellten PISA-Studie auf. „Deutsche Schulen sollten spitze sein, sind es aber nicht. Gute Bildungspolitik braucht langen Atem. Grün-Schwarz in Baden-Württemberg steht in der Verantwortung, die begonnenen Reformen fortzusetzen und dafür zu sorgen, dass die 4.500 Schulen im Land so ausgestattet werden, dass gute Bildung möglich ist“, sagte am Dienstag (06.12.) in Stuttgart Doro Moritz, Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW).

Die GEW wertet die immer noch starke Abhängigkeit des Bildungserfolgs von der sozialen Herkunft der Schüler/innen als einen zentralen Befund der PISA-Studie. „Die Ergebnisse sind nicht überraschend. Wer in den vergangenen Jahren aufmerksam den Bildungsbericht des Landesinstituts für Schulentwicklung gelesen hat, kennt auch in Baden-Württemberg die Qualitätsprobleme in allen Schularten. Schnelle Schuldzuweisungen und Patentrezepte helfen nicht weiter. Die GEW schlägt weiterhin die Einsetzung einer Enquete-Kommission ‚Fortbildung und Qualitätsentwicklung an allgemeinbildenden Schulen‘“ vor. Ein guter Arbeitgeber sorgt dafür, dass seine Beschäftigten ihre Arbeit gut machen können. Dass das im Schulbereich nicht so ist, sorgt für Unmut, Unzufriedenheit bei den Lehrkräften und zu Beschwerden über die mangelnde Qualität bei den Eltern. Die Enquetekommission soll dafür sorgen, dass Qualitätsentwicklung verbessert, koordiniert und ausgebaut werden“, sagte Moritz.

Die GEW kritisiert in diesem Zusammenhang Äußerungen der Kultusministerin und anderen Politikern zu einer Fortbildungspflicht für Lehrer/innen. „Wer sich in der Lehrerfortbildung auskennt, weiß, dass jede Woche viele Lehrerinnen und Lehrer Absagen erhalten, weil es nicht genügend Fortbildungsangebote gibt. Die Politik muss zuerst ihre Hausaufgaben machen. Wir brauchen mehr und vor allem qualitativ anspruchsvolle Fortbildungsangebote und bessere Begleitung der Schulen bei Reformprozessen. Das Kultusministerium plant, die Mittel für Fortbildungen im nächsten Jahr drastisch zu kürzen. Das ist angesichts des Bedarfs unglaublich“, sagte Moritz.

Die Bildungsgewerkschaft betont, dass neben der Qualitätsentwicklung Investitionen in die Frühe Bildung und die Grundschulen den besten Effekt für die Verbesserung der Leistungen haben werden. „Ob CDU/FDP, Grüne/SPD oder jetzt Grüne/CDU: Alle haben viel versprochen, aber jedes Mal am wenigsten für die Kleinsten im Land getan. Die Grundschüler haben weniger Unterricht als die Spitzenreiter in Sachsen oder Bayern und sind hier die einzige Schulart ohne Pflichtzuweisungen, die für Förderstunden genutzt werden können“, sagte Moritz.

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