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Schuljahr 2017/2018: Verteilung des Mangels

06.09.2017 - GEW-Pressemitteilung

GEW: Altersermäßigung erhöhen, ständige Lehrerreserve ausbauen

(Zumeldung PK Kultusministerium, 06.09.17)

Stuttgart – „Ich kann mich nicht erinnern, dass schon einmal zum Schuljahresbeginn 13 Prozent der offenen Stellen nicht besetzt werden konnten. Ich verstehe nicht, wie Kultusministerin Susanne Eisenmann von einem ordentlichen Start ins Schuljahr sprechen kann und den Kritikern der grün-schwarzen Bildungspolitik Panikmache vorwirft. Dass ein Drittel aller neuen Stellen in Grundschulen und ein Viertel der Sonderpädagogik-Stellen unbesetzt bleiben, ist dramatisch“, sagte am Mittwoch (06.09.) in Stuttgart Doro Moritz, Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW).

Die Bildungsgewerkschaft bewertet es positiv, dass offenbar ihr Vorschlag zur Erhöhung der Studienplätze für das Grundschullehramt und für Sonderpädagogen umgesetzt wird. Sie schlägt als weitere kurzfristige Maßnahmen vor, die Altersermäßigung für Lehrkräfte zu erhöhen und die ständige Lehrerreserve auszubauen. „Die bisher vorgestellten kurzfristigen Maßnahmen wie Versetzungsketten sind kleinteilig und verteilen nur den Mangel. 40 Prozent der Lehrkräfte arbeiten nicht bis zur gesetzlichen Altersgrenze. Die von CDU, FDP, SPD und Grünen mehrfach gekürzte Altersermäßigung ist ein Grund, warum Lehrerinnen und Lehrer im Schnitt schon mit 63 Jahren in den Ruhestand gehen. Hier könnte die Landesregierung schnell reagieren und mehr erreichen als mit vielen anderen Maßnahmen“ sagte Moritz.

Derzeit müssen vollbeschäftigte Lehrer/innen ab dem 60. Lebensjahr eine Wochenstunde und ab dem 62. Lebensjahr zwei Wochenstunden weniger unterrichten. Seit 1999 war die Altersermäßigung von CDU/FDP- und Grünen/SPD-Landesregierungen mehrfach gekürzt worden.

In der ständigen Lehrerreserve arbeiten 1.666 Lehrer/innen, gleichzeitig fallen etwa 6.500 Lehrkräfte dauerhaft aus, die meisten aufgrund von Mutterschutz und Elternzeit. „Einen Bewerbermangel für offene Stellen haben wir nicht in allen Schularten. Durch einen Ausbau der ständigen Lehrerreserve könnten zumindest die Unterrichtsausfälle in den weiterführenden Schularten verringert werden“, sagte Moritz.

Die GEW kritisiert die Aussage der Kultusministerin, die Inklusion werde wie 2014 beschlossen umgesetzt. „Die Kultusministerin ignoriert die Situation in den Schulen und arbeitet mit veralteten Zahlen. Die Zahl der Schülerinnen und Schüler mit Anspruch auf ein sonderpädagogisches Bildungsangebot ist um neun Prozent gestiegen, die Zahl der zusätzlichen Lehrkräfte nur um 1 bis 2 Prozent. Es werden auch deutlich mehr Kinder und Jugendliche inklusiv beschult, als es das Kultusministerium angenommen hatte. In den SBBZ, den früheren Sonderschulen, haben sich die Bedingungen verschlechtert, an den allgemeinen Schulen wurden keine Ressourcen für eine gute Inklusion geschaffen. Die Leidtragenden sind die Schülerinnen und Schüler und mit ihnen die überlasteten pädagogischen Profis und die zu Recht enttäuschten Eltern“, sagte Moritz.

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