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Sparen auf Kosten der Kleinsten

23.05.2017 - GEW-Pressemitteilung

Fremdsprachenunterricht in Grundschulen erhalten und Poolstunden ausbauen

(Zumeldung Regierungs-PK, 23.05.17)

Stuttgart – „Grün-Schwarz setzt die Bildungspolitik seiner Vorgänger fort und spart auf Kosten der Kleinsten. Die Landesregierung sollte wenigstens so ehrlich sein und zugeben, dass der hausgemachte Lehrermangel der Grund für die geplante Streichung des Fremdsprachenunterrichts in der ersten und zweiten Klasse ist und die Grundschule als Steinbruch für Lehrerstellen herhalten muss“, sagte am Dienstag (23.05.) in Stuttgart Doro Moritz, Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW).

Die Bildungsgewerkschaft weist darauf hin, dass die jüngsten Studien zur Grundschulfremdsprache keine Argumente für die Streichung der Fremdsprachen in den ersten beiden Klassen liefern. Dort wird unter anderem darauf hingewiesen, dass eine Stunde Fremdsprachenunterricht pro Woche nicht sinnvoll ist. „Die Kultusministerin sollte wissen, dass an den 2.500 Grundschulen in unserem Land nach einem anderen Konzept gearbeitet wird und mit dem überarbeiteten Bildungsplan die Voraussetzungen für erfolgreichen Fremdsprachenunterricht ab der 1. Klasse verbessert wurden. Die Streichung eines Vorzeigeprojekts ist ein Armutszeugnis für ein Land wie Baden-Württemberg. Die Landesregierung macht das Grundschullehramt weiter unattraktiv und streicht trotz voller Kassen Lehrerstellen. Jetzt bleibt nichts anders übrig als eine Kürzung des Pflichtunterrichts, um den übrigen stundenplanmäßigen Unterricht und vielleicht punktuell einige Förderkonzepte abzusichern. Warum erhalten die Grundschulen nicht endlich wie alle anderen Schularten Förderstunden in der Pflichtzuweisung?“, sagte Moritz.

Den 2.500 Grundschulen in Baden-Württemberg gehen die Lehrer/innen aus. Bereits im September wird es schwierig, alle freien Stellen für den Unterricht der 380.000 Grundschüler zu besetzen. Eine Studie des Bildungswissenschaftlers Prof. Klaus Klemm kommt zum Ergebnis, dass bis 2030 mindestens 8.000 zusätzliche Lehrerstellen in den Klassen 1 bis 4 gebraucht werden und viel zu wenig Lehrkräfte ausgebildet werden.

„Der Satz ‚Auf den Anfang kommt es an‘ ist eine immer wieder gerne verwendete Aussage von Politikern aller Parteien. Warum ist dann die Grundschule die am schlechtesten ausgestattete Schulart, warum können dann wohl schon dieses Jahr hunderte Stellen an den 2.500 Grundschulen nicht besetzt werden, warum braucht ein Abiturient aufgrund fehlender Studienplätze einen 1er-Schnitt, um Grundschullehramt zu studieren? Die Situation ist dramatisch und die Landesregierung bekommt vor lauter Starren auf die Schuldenbremse nicht mehr mit, dass wieder mehr Kinder in unserem Land geboren werden und wir für diese Lehrerinnen und Lehrer brauchen“, sagte Moritz.

Die Bildungsgewerkschaft macht sich für ein Maßnahmenpaket stark, zu dem der Stopp aller Stellenstreichungspläne, der schnelle Ausbau der Studienkapazitäten und eine bessere Bezahlung der Pädagog/innen gehört.

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