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Stellenstreichungen sofort stoppen – endlich Studienplätze ausbauen

12.07.2017

Grundschulen in Baden-Württemberg brauchen bis 2030 8.000 zusätzliche Stellen

(Zumeldung Bertelsmann-Studie zu Schülerzahlen)

Stuttgart – „Die grün-schwarze Landesregierung weiß bereits länger, dass die Schülerzahlen steigen und Lehrkräfte fehlen. Niemand versteht, warum sie untätig bleibt, weiter Lehrerstellen streichen will und nicht endlich die Studienplätze für Grundschul- und Sonderpädagogik ausbaut“, sagte am Mittwoch (12.07.) in Stuttgart Doro Moritz, Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW).

Der Bildungswissenschaftler Prof. Klaus Klemm, der auch die Zahlen für die aktuelle Studie der Bertelsmann-Studie erhoben hat, legte bereits Anfang April 2017 eine Lehrerbedarfsprognose für die 2.500 Grundschulen in Baden-Württemberg vor. Der Experte kommt zum Ergebnis, dass bis 2030 mindestens 8.000 zusätzliche Lehrerstellen in den Klassen 1 bis 4 gebraucht und viel zu wenig Lehrkräfte ausgebildet werden.

„Auch wenn die Pensionierungszahlen wieder sinken werden, brauchen wir langfristig mehr Lehrerinnen und Lehrer. Außerdem steht die Landesregierung in der Pflicht, dafür zu sorgen, dass ihre Versprechen für eine bessere Unterstützung der Grundschulen endlich eingelöst werden. Warum ist die Grundschule die am schlechtesten ausgestattete Schulart, warum werden schon dieses Jahr viele Stellen an den 2.500 Grundschulen nicht mit dafür ausgebildeten Pädagogen besetzt, warum braucht ein Abiturient aufgrund fehlender Studienplätze einen 1er-Schnitt, um Grundschullehramt zu studieren? Der Plan des Kultusministeriums, Gymnasiallehrkräfte einzusetzen, ist eine Flickschusterei gegen den hausgemachten Lehrermangel, die uns nicht langfristig hilft“, sagte Moritz.

Die Bildungsgewerkschaft setzt sich auch für eine bessere Bezahlung der Grundschul- und Hauptschullehrer/innen nach der Gehaltsgruppe A13 ein. „Berlin und Brandenburg haben jetzt auf den Lehrermangel reagiert und bezahlen dort A13. Warum kann das ein Land wie Baden-Württemberg nicht, in dem die Steuereinnahmen sprudeln? So bleiben wir nicht konkurrenzfähig im Wettbewerb um gute Lehrkräfte, Leidtragende sind die jetzt schon überlasteten Lehrerkollegien sowie die Kinder mit ihren Eltern“, sagte Moritz.

Derzeit unterrichten gut 22.000 Lehrer/innen an 2.382 öffentlichen und 108 privaten Grund-schulen fast 380.000 Schüler/innen in knapp 20.000 Klassen. Die Altersgruppe der 6-10jährigen wird von etwa 391.700 zum Jahresende 2015 bis 2020 auf etwa 398.900, bis 2025 auf gut 433.000 und bis 2030 auf 438.000 ansteigen, wenn die Geburtenhäufigkeit etwa gleich bleibt.

13.275 neue Grundschullehrkräfte für 12.000 Stellen
Bis zum Schuljahr 2030/31 ist nach der Studie mit zusätzlichen 44.600 Grundschüler/innen zu rechnen. Dafür müssten bei den gleichen durchschnittlichen Klassenfrequenzen 2.290 neue Klassen eingerichtet und zusätzliche 2.559 neue Lehrerstellen geschaffen werden. Mit den neu zu besetzenden Stellen für die Lehrkräfte, die bis dahin in den Ruhestand gehen, werden in den nächsten 13 Jahren 11.930 Lehrerstellen zu besetzen sein.

Da viele Lehrkräfte Teilzeit arbeiten, ist davon auszugehen, dass 13.275 neue Grundschullehrer/innen gebraucht werden. Bereits dafür reichen die aktuellen Studierendenzahlen an den sechs Pädagogischen Hochschulen in Baden-Württemberg nicht aus. 2014/2015 begannen 1.062 junge Leute dieses Studium, von denen in der Regel etwa 700 circa sechs Jahre später nach ihrem Referendariat eingestellt werden können.

Im Jahr 2030 können 9.000 Grundschullehrer/innen fehlen
Die GEW hat weiter ausrechnen lassen, wie viele zusätzliche Lehrerstellen gebraucht werden, um die bereits beschlossene Erweiterung der Kontingentstundentafel mit je zwei Stunden mehr Mathematik und Deutsch umzusetzen und was für eine bessere Kooperation zwischen Grundschulen und Kitas, für eine bessere Vertretungsreserve, die Einführung von Poolstunden und den Ausbau der Ganztagsschulen nötig ist. Noch ohne den Mehrbedarf für Inklusion und Ethik werden nur dafür bis 2030 5.439 weitere Stellen und gut 6.000 neue Grundschullehrkräfte gebraucht.

Zusammen mit dem Mehrbedarf von 2.559 durch steigende Schülerzahlen werden etwa 8.000 Stellen neu zu schaffen sein und insgesamt für die Besetzung aller Stellen etwa 19.000 neue Grundschullehrer/innen gebraucht. Bleiben die Studienzahlen gleich, ist nur mit 10.500 Berufs-einsteiger/innen zu rechnen.

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