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Willkommen im neuen Schuljahr: Schülerzahlen steigen, Lehrer fehlen, …

05.09.2017 - GEW-Pressemitteilung

GEW: Grundschullehrkräfte besser bezahlen, Studienplätze ausbauen

Stuttgart – Die Bildungsgewerkschaft GEW nennt die Maßnahmen des Kultusministeriums zur Lehrergewinnung „kleinteilig und wenig wirksam“ und verlangt angesichts des steigenden Unterrichtsausfalls und zunehmenden Lehrermangels ein Umsteuern in der Bildungspolitik. „Wenn am Montag die Schule beginnt, werden Lehrerinnen und Lehrer fehlen und Pflicht­unterricht wird ausfallen. Von einer sinnvollen Umsetzung der Inklusion, guter Förderung oder der Einführung des Ethik-Unterrichts ist keine Rede mehr. Zwar will die Landesregierung ab nächstem Jahr keine Lehrerstellen streichen, aber durch die grün-schwarze Sparpolitik gibt es an den 4.500 Schulen im Land ab nächster Woche 700 Stellen weniger als im Schuljahr 2016/2017. Wir müssen dauerhaft mehr investieren“, sagte am Dienstag (05.09.) in Stuttgart Doro Moritz, Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW).

Die Bildungsgewerkschaft, mit 50.000 Mitgliedern die größte bildungspolitische Interessenvertretung in Baden-Württemberg, erreichen derzeit viele Rückmeldungen aus Schulen: „Die Unruhe und Unzufriedenheit ist seit dem Regierungswechsel 2016 bedingt durch die schlechte Unterrichtsversorgung, die Stellenstreichungen und die unberechtigte Kritik an Lehrkräften insbesondere in den Grundschulen größer geworden“, sagte Moritz.

Die GEW setzt sich für einen sofortigen weiteren Ausbau der Studienplätze für das Grundschullehramt und Sonderpädagogik ein. „Wenn im Jahr 2026 14 Prozent mehr Grundschüler als jetzt in Baden-Württemberg die Schule besuchen, dann werden in der Folge auch die Schülerzahlen in den weiterführenden Schulen steigen und dort entsprechend zusätzliche Lehrkräfte benötigt werden. An Beruflichen Schulen, in den Grundschulen und in der Sonderpädagogik fehlt bereits jetzt Nachwuchs. Grüne und CDU haben alle Zahlen, die sie brauchen, um jetzt für eine solide Bildungspolitik in den nächsten 10 bis 15 Jahren zu sorgen und entsprechend zu investieren“, sagte Moritz. Zur Deckung alleine des Bedarfs an den Grundschulen braucht Baden-Württemberg jährlich 1.400 - 1.500 Studienanfänger. Jetzt gibt es an den Pädagogischen Hochschulen 1.272 Plätze.

Die Bildungsgewerkschaft kritisiert die Bedingungen für die Inklusion in Baden-Württemberg. Seit zwei Jahren ist die Zahl der Schüler/innen mit Anspruch auf ein sonderpädagogisches Bildungsangebot um neun Prozent gestiegen, die Zahl der zusätzlichen Lehrkräfte nur um 1 bis 2 Prozent. „In den SBBZ, den früheren Sonderschulen, haben sich die Bedingungen verschlechtert, an den allgemeinen Schulen wurden keine Ressourcen für eine gute Inklusion geschaffen. Die Leidtragenden sind die Schülerinnen und Schüler und mit ihnen die überlasteten pädagogischen Profis und die zurecht enttäuschten Eltern“, sagte Moritz.

Die Bildungsgewerkschaft setzt sich für eine bessere Bezahlung der Grundschul- und Hauptschullehrer/innen nach der Gehaltsgruppe A13 ein. „Berlin und Brandenburg haben jetzt auf den Lehrermangel reagiert und bezahlen dort A13. Warum kann das ein Land wie Baden-Württemberg nicht, in dem die Steuereinnahmen sprudeln? So bleiben wir nicht konkurrenz­fähig im Wettbewerb um gute Lehrkräfte“, sagte Moritz.

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